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Von Markus Meier 26.07.2010 / Titel

Tod und Trauer statt Techno

Loveparade endet in Katastrophe / 19 Tote, 340 Verletzte / Kritik an Sicherheitskonzept

Am Tag nach der Duisburger Katastrophe bei der Loveparade mit 19 Toten mochte niemand die Verantwortung übernehmen. Weder Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der vor »voreiligen Schuldzuweisungen warnte«. Noch Vize-Polizeipräsident Detlef von Schmeling, der sagte, die Beamten hätten »ihre Rolle wahr genommen« und »ihr Möglichstes getan«.
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Foto: dpa/Wiffers

Auch der Loveparade-Organisator wusch seine Hände in Unschuld: Rainer Schaller sprach von einem »schrecklichen Ereignis«, einer »Tragödie«, von etwas Schicksalhaftem. Dann verkündete er das »Aus der Loveparade« – aus Respekt vor den Opfern und deren Familien.

19 Tote, 340 zum Teil schwer Verletzte – das ist die Bilanz der Loveparade, die am Samstag in Duisburg stattfand. Augenzeugen und Kritiker monieren: Viel zu viele Menschen drängten durch einen viel zu kleinen Zugang auf ein viel zu kleines Festivalgelände.

Die Vorsitzenden der LINKEN, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, zeigten sich – ebenso wie viele Bundes- und Landespolitiker aller Parteien – tief erschüttert. Bundespräsident Christian Wulff reagierte mit Bestürzung auf die »furchtbare Katastrophe«. Auch der Papst meldete sich zu Wort: Er gedenke der Opfer »mit großem Schmerz«, so Josef Ratzinger.

Lediglich ein Weg führte zum Gelände der Loveparade, und auf den gelangte man durch einen schmalen Tunnel. Der Ein- diente zugleich als Ausgang. Kritiker sprachen von einem »Nadelöhr«. Die Polizei habe »von beiden Seiten immer mehr Leute in den Tunnel geschickt«, berichtete ein Augenzeuge. »Es waren Tausende Menschen im Tunnel. Viel zu viele auf jeden Fall. Die Leute sind reihenweise umgefallen.« Wer zu Boden fiel, wurde niedergetrampelt, so der Augenzeuge. Solchen Aussagen widersprechend, hob Polizeivize von Schmeling gestern hervor, im Tunnel selbst habe es keine Todesopfer gegeben. Durch Sperren vor den Tunneleingängen sei der Druck in den Tunneln niedrig gehalten worden. Insbesondere sei »kein so großer Druck entstanden, dass es notwendigerweise zu diesem Unglück kommen musste«.

Umstritten ist jetzt selbst die Teilnehmerzahl der Loveparade: Berichte, denen zu Folge 1,4 Millionen Menschen das Event besuchten, seien falsch, so von Schmeling. So seien 105 000 Teilnehmer mit der Bahn angereist, das sei »der überwiegende Teil«. Für die sei hinreichend Platz vorhanden gewesen, assistierte der Duisburger Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe. Das Festivalgelände hätte bis zu 300 000 Menschen Platz bieten können.

War Duisburg auf den Millionen-Ansturm nicht ausreichend vorbereitet? Vorab, heißt es nun, soll der Chef der Duisburger Feuerwehr erhebliche Sicherheitsbedenken geäußert haben (Tagesthema Seite 2). Nach Recherchen des »Spiegel« soll die Polizei ein umfassendes Sicherheitskonzept vorgelegt haben. Sie habe sich jedoch nicht durchsetzen können. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte das Sicherheitskonzept der Loveparade. Sie ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, derzeit gegen »Unbekannt«.

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5 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Matti, 26. Jul 2010 17:46

    unfassbar

    Eigentlich ist es in unserer heutigen Zeit unfassbar, dass eine solche Tragödie entstehen kann.
    Den Veranstaltern muss bei Ihrem Geschäft die Sicherheit der Menschen abhanden gekommen sein, sie sahen nur das Geld.
    Ich bin der Meinung, dass man vorher ein bestimmtes Vorkommnis hätte durchspielen müssen, wenn man Verantwortung zeigt, dann wäre es auch zu diesem Chaos nicht gekommen.
    Selbstverständlich kann man anschließend immer klüger sein aber ich bin der Meinung, dass man diese Tragödie hätte kommen sehen.
    Das Sicherheitskonzept war diesebezüglich fahrlässig, dass man Ein-und Ausgang gleich verwendet hat.
    Wenn es wirklich stimmen sollte, dass der Platz nur für 250000 Menschen ausgereicht hat und man hier noch Hunderttausende nachgeschoben hat, ist das meiner Meinung total verantwortungslos. Hier sieht man ganz deutlich, weil das ganze Gelände ja eingezäunt war, dass (Veranstalter)man nur an seinem eigenen Profit dachte.

    • Permalink

  • Unglaube, 26. Jul 2010 15:35

    Tod und Trauer statt Techno

    Hat man in der Vergangenheit jemals auf Mahner gehört?
    Der Gott heißt immer noch "Mammon".

    • Permalink

  • tom67, 26. Jul 2010 11:23

    Trauer und Wut !!!

    Da ist ja am Samstag sehr, sehr viel schief gegangen. Hoffendlich ermittelt die Staatsanwaltschaft richtig und es wird endlich mal Richtig bestraft : der Veranstalter und der OB von Duisburg und noch so ein paar Herren. Sollen und müßen zur Verantwortung gezogen werden. Mit meheren Jahren Freiheitsendzug und Geldstrafen in 5-6stelliger Höhe.
    Der Herr OB - von Duisburg hatte es gestern in der Pressekonferenz noch nicht mal für nötig gehalten sein Beileid und Bedauern gegenüber den Eltern der Kinder die so grausam umgekommen sind kund zu tun !!! Es ist schon eine Schande. Auch wenn die soooo "feinen Herren" den Eltern jetzt Geld anbieden , kommen die Kinder nicht wieder. Ein Kinderleben ist mit keinen Geld der Welt zu bezahlen !!!

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