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Von Ines Wallrodt
28.07.2010

Fit machen für den Herbst

Bei der Sommerakademie von Attac werden die Proteste gegen die Streichpläne vorbereitet

Umverteilung, Klimagerechtigkeit, Finanzmarktregulierung – ab heute diskutieren Globalisierungskritiker in Hamburg Alternativen und Strategien.
Bei der Sommerakademie werden die ersten 300 »letzten Hemde
Bei der Sommerakademie werden die ersten 300 »letzten Hemden« bemalt. Nach dem Sommer bekommt sie die Bundesregierung vor die Tür gehängt. Fotomontage: Campact

Im Logo sind Theorie und Praxis bereits so verbunden, wie es sich die Globalisierungskritiker wünschen: Eine Frau mit Pferdeschwanz pinselt ein etwas altmodisch geschwungenes »Bewegung für Veränderung« weiß auf Orange, während ein anderer Aktivist den Aufruf sogleich in die Tat umsetzt: Mit ausgestreckten Armen stemmt er sich gegen den festen Rahmen und beult ihn dadurch aus. Spielräume vergrößern und damit die Verhältnisse ändern – diesem Ziel will Attac auch mit seiner Sommerakademie näher kommen, die heute Abend in Hamburg beginnt. Zu den zentralen Weiterbildungstagen für Globalisierungskritiker werden mehrere Hundert alte und junge Aktivisten in der Gesamtschule Bergedorf erwartet. »Dabei geht es neben Bildungsveranstaltungen für Einsteiger und Fortgeschrittene vor allem auch um die weitere Vorbereitung unserer Aktivitäten in diesem Herbst«, sagt Max Bank, Mitglied im Attac-Koordinierungskreis.

Nach der Sommerpause will nicht nur Attac auf der Straße Druck machen gegen die Sparpläne der Bundesregierung. Zehntausende haben bereits einen entsprechenden Online-Appell von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen unterschrieben. Für den 29. September mobilisiert der Europäische Gewerkschaftsbund nach Brüssel, wo sich die europäischen Finanzminister treffen. Attac und andere Gruppen bereiten für diesen Tag zudem bundesweit dezentrale Aktionen an Banken vor, um ihre Forderung, die Krisenverursacher sollen zahlen, zu unterstreichen.

Mit den drei Themensträngen Umverteilung, Klimagerechtigkeit und Finanzmarktregulierung will die Sommerakademie das inhaltliche Rüstzeug für Kritik und die Alternativen gleich mitliefern. Ganz oben steht »Finanzmärkte entwaffnen« im Programm. Auf das Zerstörungspotenzial des internationalen Finanzsystems hat Attac als einer der ersten globalen Akteure aufmerksam gemacht. Jetzt wollen die alternativen Finanzpolitiker in ihrem ureigensten Feld Deutungshoheit zurückgewinnen. Denn mittlerweile reden zwar auch Regierungen von der Tobin-Steuer, aber ohne Attac zu erwähnen, wie in einer Seminarankündigung geklagt wird. Was daran schlimm ist und ob dieser Befund überhaupt zutrifft, darüber wird es vor Ort sicher unterschiedliche Meinungen geben, genauso wie über die beiden Konzepte zur Neugestaltung des Bankensystems: Demokratisierung des Sektors oder Neugründung der »Demokratischen Bank«, lautet die Frage?

In Ankündigungen taucht aber auch immer wieder die Frage nach dem Wie auf: Wie erreichen wir das eigentlich? Wie verhindern wir die Umverteilung von öffentlichem in privaten Reichtum? Wie geht Kooperation zwischen Bewegungen und Institutionen? Eine Reihe einstiger Attac-Köpfe sitzt mittlerweile für Parteien in Parlamenten. Bisherige Aktionsformen und Ansätze stehen auf dem Prüfstand. Sollten soziale Bewegungen besser auf lokale Klimabewegungen statt auf anstrengende Mobilisierungen zu Gipfel-Events setzen? Gleich zweimal sind »Streitgespräche« zum Bankentribunal angekündigt: Über die gespielte Gerichtsverhandlung, bei der im April die Ursachen der Finanzkrise erörtert, aber am Ende keinerlei Strafen verhängt wurden, gibt es kontroverse Diskussionen.

Das Interesse an Strategiedebatten spricht für das reformorientierte Profil des Netzwerks, folgt aber auch einer Einsicht, die bei den internationalen Treffen der sozialen Bewegungen gewachsen ist: Alternative Konzepte liegen zuhauf auf dem Tisch. Woran es hapert, ist die Durchsetzung.

Und so beschäftigt auch Attac, warum die Linke insgesamt so wenig von der Krise profitiert, obwohl sie doch eigentlich mit ihren Warnungen auf ganzer Linie bestätigt wurde. Wie weiter in der »multiplen Krise« wird deshalb am Sonntag beim Abschlusspodium diskutiert. Dabei will Attac Antworten suchen, wie es besser gelingen kann, in der aktuellen politischen Situation nicht nur die Debatten zu beeinflussen, sondern tatsächliche Hebel für gesellschaftliche Veränderung zu bedienen. Sich mit aller Kraft gegen den festen Rahmen stemmen, ist klar: Nur wie macht man das genau?

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