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28.07.2010

Ich will mit einer Medaille nach Hause kommen

Diskuswerferin Nadine Müller aus Halle ist eine der wenigen deutschen Titelfavoritinnen

Im offiziellen Programmheft der Europameisterschaften werden für jeden Wettbewerb die Favoriten vorgestellt. Obwohl die Deutschen zu den Spitzennationen zählen, wird in dem Stadionmagazin für 47 Titel nur eine Athletin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes vorgestellt: Diskuswerferin Nadine Müller (24) aus Halle an der Saale. Im Mai warf sie Weltjahresbestleistung: 67,78 Meter. Gestern überstand sie in Barcelona mit 60,54 Metern im ersten Versuch locker die Qualifikation. ND sprach mit ihr vor dem heutigen Finale.

ND: Frau Müller, was haben Sie sich vorgenommen?
Müller: Nachdem ich ja – für mich selbst überraschend – die 67,78 geworfen habe, geht es gar nicht anders: Mit einer Medaille möchte ich gerne nach Hause kommen. Und was meine Laufbahn anbetrifft: Ich möchte mindestens einmal über 70 Meter werfen in meiner Karriere.

Sie gelten als die neue, blonde Hoffnungsträgerin der Leichtathletik. Sie sind 1,90 Meter groß. Hat sie Ihre Größe je gestört?
Nein, im Gegenteil. Ich bin ja schon immer die Längste gewesen, da hab ich mich dran gewöhnt. Das macht mir nichts aus, ich bin dadurch eher selbstbewusster geworden. Schließlich kann man auch auf viele herabgucken.

Die Trainer schwärmen von Ihren körperlichen Voraussetzungen ...
Ja, ich habe eine Armspannweite von 2,06 Meter. Für Diskus ist das ideal. Da ist in Zukunft noch mehr herauszuholen.

.Sind Sie wegen Ihrer Größe Diskuswerferin geworden?
Unter anderem. Aber auch mein Vater hat schon Diskus geworfen, bei meinem damaligen Trainer. Er war allerdings nicht so erfolgreich. Mit elf Jahren hat er mich langsam ans Diskuswerfen herangeführt. Das hat mir von Anfang an riesigen Spaß gemacht.

Seither begeistert Sie der Diskus?
Ja. Ich liebe den Diskuswurf, die Leichtathletik überhaupt. Und ich möchte deswegen immer auch ein bisschen Werbung machen für den Sport. Die Leute sollen ihre Kinder wieder zur Leichtathletik schicken. Und am besten selbst mehr Sport treiben.

Im Diskuswurf der Frauen treten Sie in große Fußstapfen, so in die von der dreimaligen Weltmeisterin Franka Dietzsch. Wie viel haben Sie von Ihr lernen können?
Unheimlich viel. Im vergangenen Jahr haben wir unter anderem in Portugal geübt, oft auch in Kienbaum. Ich konnte dabei wirklich zu ihr gehen und fragen: Sag mal, wie machst Du das eigentlich? Das war immer ganz ungezwungen. Und so muss es auch sein.

Gespräch: Jirka Grahl

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