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Von Anouk Meyer 30.07.2010 / Berlin / Brandenburg

Herzblut und Mühen

André Schmitz besichtigt Kulturprojekte in Friedrichshain-Kreuzberg

Keine Hitze, kein Regen: Ein angenehmeres Wetter als das am vergangenen Mittwoch hätte sich Staatssekretär André Schmitz für seine Kulturtour durch Friedrichshain-Kreuzberg kaum wünschen können. Ein Glück, denn das umfangreiche Programm führte mit dem Bus und per pedes in gut sechs Stunden quer durch den Bezirk zu etlichen ausgewählten Orten kultureller Arbeit, zu kommunalen ebenso wie zu freien Initiativen. Für Schmitz war es bereits die dritte bezirkliche Kulturtour nach Lichtenberg und Neukölln. Nach und nach will er so alle Bezirke Berlins abklappern.

Ausgangspunkt war das Kulturhaus alte feuerwache in der Marchlewskistraße, von dort ging es über die Frankfurter Allee und den Rudolfkiez mit der Zwinglikirche auf die Kreuzberger Seite zur Kaianlage und zum Projekt West Germany im NKZ am Kottbusser Tor, von dort ins Bezirksmuseum, Ballhaus Naunynstraße und ins Bethanien, wo die Tour mit einem Abendessen im neu eröffneten Restaurant »3 Schwestern« endete. Organisiert hatte das Ganze der Stadtrat für Kultur, Finanzen, Bildung und Sport, Jan Stöß, der Friedrichshain-Kreuzberg als innovativen, experimentellen und jungen Bezirk darstellte.

André Schmitz ist immer wieder begeistert von den vielen Menschen »an der Basis«, die ihre Kraft und Zeit opfern für Projekte, die ihnen am Herzen liegen. »Normalerweise lerne ich immer die kennen, die Geld von mir wollen«, lacht der Staatssekretär. »Hier geht es mal um etwas ganz anderes.« Um Herzblut nämlich und freiwilliges Engagement, wie es zum Beispiel die Mitglieder vom Verein KulturRaum Zwinglikirche aufbringen. Die Leute um Martin Wiebel mühen sich seit 2008, das lange ungenutzte und von der evangelischen Landeskirche mehr oder weniger aufgegebene Gotteshaus zu einer Plattform für Kunst, Kultur und Lokalgeschichte zu machen. Noch fehlen angemessene sanitäre Einrichtungen und eine Heizung, auch müsste die wertvolle Dinse-Orgel auf der Empore dringend saniert werden. Doch die interessanten Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten der Lokalgeschichte ziehen jede Menge Besucher an, und Wiebel holt mit guten Kontakten und seiner Überredungskunst immer wieder namhafte Künstler her, die ohne Honorar auftreten. Ein super Programm verspricht die sechswöchige Veranstaltung »Sommer im Quartier« (30. Juli bis 12. September), es lesen u.a. Bruno Ganz, Otto Sander und Günter Lamprecht. Staatssekretär Schmitz kann vor Ort nichts versprechen, merkt sich das Zwingli-Projekt aber vor und will versuchen, hinter den Kulissen zu helfen, vielleicht mit einer einmaligen Bauinvestition.

Besonders am Herzen liegen Schmitz die Bezirksbibliotheken als »Basis der kulturellen Bildung«. Die Kulturtour führte gleich zu zweien – zur noch im Bau befindlichen neuen Bezirkszentralbibliothek in der Frankfurter Allee 14a, die ab November die bisherige »Hinterhofbücherei« in der Grünberger Straße ersetzen soll, und zur Interkulturellen Familienbibliothek am Kottbusser Tor, die ebenfalls gerade umgebaut wird. Gerade ersteres ist ein ehrgeiziges Projekt: Aus einem drögen, dunklen Schulgebäude, das seit 1995 leer stand, soll eine luftige und ansprechende Kultureinrichtung werden, das »Wohnzimmer des Bezirks«, wie Stöß erläuterte. Mit Platz zum Lesen, Arbeiten und Spielen will man sowohl Studenten anlocken als auch den Bedürfnissen der vielen jungen Familien entgegen kommen.

Auch noch im Umbau befindet sich die Doppelanlegestelle am ehemaligen Gröbenufer, nun May-Ayim-Ufer, gegenüber der East-Side-Gallery. Noch fehlen die Granitplatten für den Bodenbelag, doch steigt man die Treppe der historischen Kaianlage hinunter, entdeckt man einen echten Geheimtipp: Die neue Restaurantlounge »Rio Grande«, direkt am Wasser gelegen, hat bereits geöffnet. Dem Bezirk geht es sowohl mit der Umbenennung des Ufers als auch mit der kleinen Ausstellung »Von der Industriespree zur Mediaspree« im Café um die »Umkehrung der Erinnerungskultur«, erläutert BVV-Mitglied Elvira Pichler (Bündnis 90/Die Grünen).

»Die Stadt lebt von den Berlinern und Berlinerinnen, die sich einsetzen. Diese Akteure mal kennen zu lernen, finde ich spannend«, zieht Schmitz am Ende der langen Tour Bilanz.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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