Schon probehalber die Rote Kelle rausgehalten – Tarifstreit bei der Bahn
Foto: dpa/Kay Nietfeld
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Frankfurt/Berlin (dpa/ND). Bei den Tarifverhandlungen für die 165 000 Beschäftigten der Deutschen Bahn (DB) haben sich der Konzern und die Gewerkschaften in einem entscheidenden Punkt angenähert. Die DB sagte am Donnerstag in Frankfurt während der zweiten Gesprächsrunde zu, den umstrittenen Branchentarifvertrag mitzutragen. »Wir haben heute das Angebot gemacht, an einer flächendeckenden Regelung mitzuwirken«, sagte ein DB-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.
Der Branchentarif soll für einheitliche Tarifstandards sowohl bei der DB und ihren nicht tarifgebundenen Töchtern als auch bei der privaten Konkurrenz sorgen. Darüber hinaus fordert das Gewerkschaftsbündnis aus Transnet und GDBA mehr Geld im Volumen von sechs Prozent. Dazu machte die DB-Arbeitgeberseite am Donnerstag allerdings keine Offerte. »Wir haben noch kein prozentuales Angebot abgeben. Wir werden ein konkretes Angebot abgeben, wenn der Branchentarifvertrag steht«, sagte der Bahnsprecher.
Insgesamt verliefen die Verhandlungen aus Sicht des Sprechers in einer guten Atmosphäre. »Es gab deutliche Fortschritte.« Die nächste Verhandlungsrunde sei für den 20. August geplant. Da die beiden Seiten sich nun annährten, ist die Wahrscheinlichkeit für bundesweite Streiks damit gesunken. Zum 31. Juli endet die Friedenspflicht, dann sind Arbeitskämpfe erlaubt.
Die privaten Bahnbetreiber in Deutschland sind unterdessen zu Verhandlungen über einen Branchentarifvertrag bereit. Das ist das Ergebnis eines Sondierungsgesprächs der Verkehrsunternehmen Veolia, Abellio, Arriva, Benex und Keolis mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA am Mittwoch in Berlin. Wie die beiden Organisationen mitteilten, sind noch zahlreiche Themen strittig, darunter das Bezahlungsniveau. Dies solle als einer der ersten Punkte in den Tarifverhandlungen geklärt werden. »Das Thema hat für uns höchste Priorität«, stellten der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann fest.
Mit einem Branchentarifvertrag wollen Transnet, GDBA und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Lohndumping verhindern. Bei privaten Bahnen liegt das Einkommensniveau teils 20 Prozent unter dem der Deutschen Bahn. Die Verhandlungen mit den beteiligten Unternehmen werden den Angaben zufolge im August beginnen. Der Prozess sei ausdrücklich offen für andere Unternehmen. »Nur wenn weitere Unternehmen dazukommen, können wir einen Branchentarifvertrag erreichen«, erklärten Kirchner und Fuhrmann.
Er sei zuversichtlich, »auf dem Verhandlungsweg zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen, und zwar auch ohne Streiks«, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch. Die Bahn unterstütze das Anliegen, dass Wettbewerb nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen dürfe.
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