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Von Fabian Lambeck 30.07.2010 / Inland

Etwas weniger Sozialabbau

Bundesbauministerium nimmt geplante Kürzungen beim Wohngeld teilweise zurück

Geringverdiener müssen genau kalkulieren.
Geringverdiener müssen genau kalkulieren.

Kommando zurück! Wie am Donnerstag bekannt wurde, soll das Wohngeld weniger stark gekürzt werden als bislang geplant. Dafür bekräftigte das zuständige Bundesbauministerium seine Absicht, den Heizkostenzuschuss für Geringverdiener komplett zu streichen.

»Das Wohngeld dient der wirtschaftlichen Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens«, heißt es unmissverständlich im Wohngeld-Gesetz. Nach Schätzungen des Deutschen Mieterbundes erhalten derzeit rund 800 000 Geringverdiener und Kleinrentner den staatlichen Zuschuss. Die Höhe des Wohngeldes richtet sich dabei nach der Anzahl der Haushaltsmitglieder, der Miethöhe und dem Gesamteinkommen. Durchschnittlich zahlt Vater Staat 142 Euro Wohngeld pro bedürftigem Haushalt. Gerade weil der Bund den sozialen Wohnungsbau vernachlässigt, während die Mieten steigen und immer mehr Menschen als Billiglöhner arbeiten, ist der Zuschuss für viele von enormer Bedeutung.

Darum war der Aufschrei groß, als Anfang Juni bekannt wurde, dass die Bundesregierung plant, ihren Anteil zum Wohngeld um 200 Millionen Euro zu kürzen. Ein entsprechender Entwurf aus dem Bundesbauministerium sah vor, den Zuschuss um 40 Prozent zu kürzen und den Heizkostenzuschlag ganz zu streichen. Die Maßnahmen sollten Teil des gigantischen 80-Milliarden-Sparpakets der Bundesregierung sein. Die wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Heidrun Bluhm, bezeichnete die Pläne des Bauministeriums als »sozialpolitischen Kahlschlag«. Bluhm betonte, dass »sozial benachteiligte Haushalte bis zu 50 Prozent ihres Einkommens für Miete, Wohnnebenkosten und Heizkosten« ausgeben würden. Doch die Sparpläne stießen nicht nur bei Opposition und Sozialverbänden auf Kritik. Selbst der Koalitionspartner FDP wandte sich gegen das Vorhaben. Und so gelangte der Sparentwurf nicht einmal zur Ressortabstimmung.

Besonders heftig wetterte der Deutsche Städtetag gegen die Pläne. Aus gutem Grund: Denn durch die Kürzung des von Bund und Ländern finanzierten Wohngeldes hätten viele Betroffene Anspruch auf Unterkunftskosten nach dem Sozialgesetzbuch II. Hierfür sind hauptsächlich die Kommunen zuständig. »Das ist Haushaltssanierung des Bundes auf Kosten der Kommunen«, schimpfte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Städtetages, Monika Kuban, noch vor wenigen Tagen im Nachrichtenmagazin »Spiegel«.

So unter Druck geraten, entschloss man sich nun zur teilweisen Rücknahme der geplanten Einsparungen. Auch weil die Länder dem Vorhaben im Bundesrat wohl niemals zugestimmt hätten. Und so hieß es am Donnerstag in einer Meldung des Ministeriums, dass die Bundesregierung darauf verzichten werde, das Wohngeld um rund 40 Prozent zu kürzen. Allerdings halte man an der Streichung des erst im Jahre 2009 eingeführten Heizkostenzuschusses fest. Bundesbauminister Ramsauer (CSU) erhofft sich hier Einsparungen von rund 100 Millionen Euro.

Begründet wurde die Sparmaßnahme allerdings mit den im vergangenen Jahr gesunkenen Energiekosten. Offenbar ist dem Ministerium entgangen, dass die Preise inzwischen wieder angezogen haben.

Noch ist fraglich, ob der Zuschuss wirklich der ministeriellen Sparwut zum Opfer fallen wird. Denn die Länderkammer müsste der Streichung zustimmen. Ob sie das tut, ist ungewiss, denn Schwarz-Gelb hat dort keine Mehrheit mehr. Kommentar Seite 4

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