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Von Heidi Diehl und Michael Müller 31.07.2010 / Reise

Der nächste Reise-Winter kommt bestimmt

Veranstalter stellen Programme 2010/11 vor: Europa günstiger als die Welt / Pauschalreise lebendiger denn je / Thomas Cook übernimmt Öger Tours

Die großen deutschen Reisekonzerne gehen mit branchenüblichen Optimismus in die Wintersaison 2010/11. Tendenziell wird Urlaub in Europas Sonne und Schnee etwas günstiger als der auf der Fernstrecke sein. Mit den schillerndsten Rabattangeboten werden Käufer gelockt. Die wissen aber, dass sie jähe Wendungen wie jüngst die Aschewolke, demnächst eine Luftverkehrsabgabe oder auch eine plötzliche eigene Hartz-IV-Situation ebenso einkalkulieren müssen. Und die Reiseanbieter hoffen, dass die Kunden sich nicht zuletzt deshalb unter dem Schirm der gewinnbringend organisierten Veranstalterreise am besten aufgehoben wissen – und genau eine solche buchen.
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REWE: Markenpolitur – »edel, elegant, schick«

Seit einem Jahr sortiert und konturiert man bei REWE die drei Hauptmarken neu. ITS (Vermarktungsstrategie: »Lebensfreude«, »familiengerecht«) ist bereits optisch und inhaltlich überarbeitet, und für die neue Wintersaison erscheint nun Jahn Reisen in neuem Gewand. »Edler, eleganter, schicker«, wie Sören Hartmann, Sprecher der Geschäftsführung, betont.

Das betrifft »natürlich nicht nur die Verpackung, sondern vor allem den Inhalt«, versichert Marketingleiter Dr. Ingo Markgraf. Da laute die neue Markenverheißung »Genuss«, und die richte sich an die Altersgruppe ab 40 Jahre. Allerdings speziell an eine, von der man annimmt, dass sie bei Qualität, Service und Extras nicht nur an den reibungslosen Zimmer-Gepäcktransport oder gute Hotellage denkt, sondern auch an Golfplatznähe, Jogakurse oder einen Conciergedienst, der Einreiseformalitäten ebenso erledigt wie die Ausflugsplanung mit dem Leihwagen.

Qualitätsorientierung gelte aber für alle drei Marken, betont Sören Hartmann. Denn was es so gut wie gar nicht mehr gibt seien Kunden, »denen Qualität egal, wenn nur der Preis niedrig ist«. Das werde man auch bei der noch ausstehenden Profilierung der Niedrigpreismarke Tjaereborg berücksichtigen. Deren Kernbotschaft laute »Lust« und richte sich an jugendliche Single und Paare.

Was in den REWE-Winterkatalogen im Detail auf und auch aus dem Rahmen fällt: Bei Jahn Reisen kann, wer mag, in Tirol auch im Exquisit-Iglu übernachten. Bei ITS-Städtereisen steht in Prag u. a. ein Bierbad auf dem Programm und in Amsterdam eine »geführte Rotlichttour«. Über Tjaereborg INDI lassen sich Hotel und Flug unabhängig von allen gedruckten Katalogangeboten frei tagesaktuell kombinieren, buchbar im Internet sowie im Reisebüro.

www.rewe-touristik.com

TUI: Expansion aufs Wasser

Auch der deutsche Marktführer TUI setzt strategisch auf die Veranstalterreise, die als Pauschalreise in der Branche noch vor Kurzem als Auslaufmodell angesehen worden ist. Mehr noch. »Die Veranstalterreise wird zum Krisengewinner«, zeigt sich Dr. Volker Böttcher, Chef der TUI-Deutschland, sogar überzeugt, denn Krise rücke Sicherheit noch mehr in den Vordergrund. »In Form von verlässlicher Reisedurchführung, Preissicherheit, festen Ansprechpartnern und persönlicher Betreuung«, verweist er auf Ergebnisse einer jüngsten Emnid-Umfrage.

Für seinen Konzern sieht Böttcher die Wintersaison mit verhaltenem Optimismus, »also mit einer Geschäftsentwicklung mindestens auf dem Vorjahresniveau«. Doch selbst dafür – und auch das zeigt, wie schwierig die Zeiten geworden sind – muss die TUI sowohl eine Angebotsoffensive als auch ein echtes Expansionsprogramm starten.

Die Angebotsoffensive werde, so Böttcher, beispielsweise am »größten Winterflugangebot aller Zeiten« deutlich. Die Reisekapazitäten von deutschen Flughäfen aus seien um 14 Prozent zur Vorsaison ausgebaut worden. Neu darunter etwa alle zwei Tage direkt Köln – Marrakesch. Das Flugangebot nach Ägypten sei sogar um 28 Prozent erhöht worden. Selbstverständlich gibt es in den 23 TUI-Katalogen nicht nur über 3000 Hotels in fast 100 Ferienzielen, sondern auch Schmeckerchen wie diese: Langzeiturlaubende Winterflüchtlinge bekommen nach 60 Tagen einen kostenlosen Heimatflug hin und zurück. Und wenn die Wetterprognose für Fernreiseziele eine Woche vor dem Urlaubsstart nicht mindestens 20 Grad anzeigt, kann man kostenlos woandershin umbuchen.

Ein Beispiel fürs Expansionsprogramm sind indes die Flussreisen. Bis April 2011 will die TUI ihr Angebot in diesem Sektor tatsächlich versechsfachen, nämlich von jetzt 180 auf 1052 Passagierplätze. Bereits Mitte August wird auf der Kölner Frankenwerft dafür die »Sonata« getauft. »Flussreisen sind ein absoluter Wachstumsmarkt, und mit eigenen Schiffen können wir uns ganz klar vom Wettbewerb abgrenzen«, betont TUI-Kreuzfahrtmanager Andreas Casdorff. Die zu erschließenden Potenziale sieht Casdorff vor allem in den Quellmärkten (starke US-Nachfrage), in den Reisebüros (bei denen Flusskreuzfahrt noch Beratungsstiefkind ist) sowie in der Zielgruppe. Bei letzterer will man vom bisher »solide-bodenständigen« mehr ans »schick-anspruchsvolle« Segment der 55-plus-Generation heran.

www.tui-deutschland.de

Thomas Cook AG: Die Pauschalreise lebt

Die Vorstellung der Winterkataloge der Thomas Cook AG, zu der Neckermann und Thomas Cook Reisen gehören, begann mit einem Paukenschlag: Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Fankhauser gab bekannt, dass sie Öger Tours, einen der führenden deutschen Spezialveranstalter für Pauschalreisen in die Türkei, für 30 Millionen Euro gekauft hat. Für die Zukunft geht das Unternehmen davon aus, dass die Transaktion Synergien in Höhe von acht Millionen Euro pro Jahr bringen wird. Die Marke Öger Tours soll aber auch in Zukunft weiter genutzt werden. Gesetzt auf diesen guten Namen will Thomas Cook seine Präsenz in der Türkei stärken und so seine Position als zweitgrößter Reisekonzern in Deutschland weiter ausbauen.

Anders, als beim Mitbewerber TUI, versucht man bei Thomas Cook nicht, für die gute alte Pauschalreise einen neuen, trendigeren Namen zu finden. »Die Pauschalreise lebt und ist lebendiger denn je«, so Fankhauser. »Mir gefällt der Begriff Pauschalreise. Er hat eine lange Tradition und gehört zum Sprachgebrauch wie Tempo oder Cola.« Allerdings sei sie heute nicht mehr starr und unveränderlich, sondern »individuell und lässt jedem Kunden die freie Wahl.« Freiheit und Betreuung, wenn es darauf ankommt – das seien die Stärken, die Thomas Cook bieten könne. Die 14 000 Gäste des Unternehmens, die der Eyjafjallajökull im April an der Heimkehr hinderte, hätten miterlebt, was ein gutes Krisenmanagement wert ist. Während andere Reisende auf Flughäfen strandeten, beschwerliche Bus- und Bahntouren auf sich nehmen oder zusätzliche Hotelübernachtungen selbst zahlen mussten, hätten Thomas Cook-Gäste entspannt im Hotel abwarten können, bis die Maschinen wieder flogen. Die Mehrkosten habe das Unternehmen komplett übernommen, so Fankhauser.

Ab dem kommenden Winter will man mit der Marke Thomas Cook Reisen noch breitere Kundenschichten ansprechen. Mehr Ziele und Regionen soll es geben sowie mehr 4- und 5-Sterne-Hotels und Rundreisen auf der Fernstrecke. So gibt es erstmals für das Trendziel Indien einen eigenen Katalog »Indien-à-la-carte«.

Wie alle anderen hat natürlich auch Neckermann wieder Frühbucherermäßigungen en masse. Bis zu 30 Prozent, Rabatte sind mit weiteren Preisvorteilen kombinierbar, es gibt Urlaubsgeld und Gutscheine, Gratisflüge usw. Wer da durchblickt, dem sollte man eigentlich einen Bonusbonus zukommen lassen. Doch: »Neckermann macht's möglich« und bietet jetzt mit dem »Preisrechner« ein Navigationsgerät durch den Tarifdschungel. Den soll jeder normal intelligente Mensch problemlos bedienen können, vorausgesetzt, man verfügt über Computer mit Internetzugang, iPhone oder ein anderes Smartphone. Und funktionieren soll es so: Allen Hotel aus den neuen Winterkatalogen ist eine Webadresse zugeordnet, die über jeden Internet-Browser geöffnet werden kann. Dann nur die gewünschten Reisedaten eingeben und schon werden der individuelle Reisepreis berechnet und freie Kapazitäten angezeigt. Ausdrucken und ab damit zur weiteren Beratung ins Reisebüro raten die Neckermänner.

www.neckermann-reisen.de:

www.thomascook-reisen.de

1-2-FLY: Erfolgsroute mit spitzem Bleistift

1-2-FLY, also die Billigmarke der TUI, bietet für den Winter um bis zu fünf Prozent bessere Preise als in der Vorsaison. »Wir haben mit spitzem Bleistift gerechnet«, sagt Markenchef Oliver Müller-Dukat. »Die höchste Preissenkung konnten wir für die Türkei aushandeln, dem derzeit beliebtesten 1-2-FLY-Urlauberziel«. Laut Müller-Dukat sinken die Reispreise auf allen Flugmittelstrecken. Besonders günstig stehen da wie gesagt die Türkei und Tunesien da (minus fünf Prozent), Portugal (minus vier Prozent) und Mallorca (minus drei Prozent). Selbst Fernreisen würden um durchschnittlich ein Prozent günstiger angeboten.

Bereits vor Beginn der regulären Buchungsfreigabe am 29. Juli verzeichnet die Marke im Wintervorverkauf (ab Ende März) ein Buchungspuls zum Vorjahr. Das betrifft auch hier besonders die Türkei, aber auch das kanarische Fuerteventura sowie Tunesien. Markenchef Müller-Dukat nennt 45 Euro je Reise als Durchschnittsersparnis bei Frühbuchern. In allen Hotels des Flugbereiches und in 80 Prozent des Autoreisesegments seien solche Rabatte vorgesehen. »Die Nachfrage nach diesen Angeboten gibt uns recht: Über 50 Prozent aller 1-2-FLY Reisen werden im Frühbucherzeitraum gebucht. Dies ist ein im deutschen Veranstaltermarkt unerreichter Wert«, versichert er. Besonders beliebt sei dieses Angebot bei Familien, die generell langfristig planen müssen und aufgrund der Schulferien auf die Hochsaison angewiesen sind.

www.1-2-fly.com

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