03.08.2010

BA-Chef gegen Brüderles Begrüßungsgeld

Weise: Statt ausländische Experten zu werben, erst einmal auf einheimische Bewerber setzen

Arbeitslose statt Ausländer: Die Arbeitsagentur fährt dem Wirtschaftsminister in die Parade und hält eine stärkere Anwerbung ausländischer Fachkräfte nicht für den Königsweg.

Berlin (dpa/ND). Eine stärkere Zuwanderung von Ausländern ist nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) nicht die beste Antwort auf den dramatischen Fachkräftemangel. Staat und Wirtschaft sollten vor allem auf einheimische Bewerber setzen: »Wir können nicht zulassen, dass Menschen in Arbeitslosigkeit sind, nur weil ihre Talente nicht genutzt werden«, sagte BA-Chef Frank Jürgen Weise der »Financial Times Deutschland«.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte eine Art Begrüßungsgeld vorgeschlagen, um ausländische Experten nach Deutschland zu locken. Die Bundesregierung erklärte aber am Montag, grundsätzlich würden die Regeln für die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte nicht überarbeitet. Erst zum Jahresanfang 2009 sei ein entsprechendes Gesetz zur Steuerung der Zuwanderung eingeführt worden, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin. Die Regelungen wirkten durchaus positiv.

Daneben arbeitet die Regierung an der Umsetzung des europäischen Bluecard-Modells. Damit will die EU erreichen, dass ausländische Experten unkompliziert mehrere Jahre in Europa arbeiten können. Auch sollen künftig ausländische Berufs- und Hochschulabschlüsse europaweit anerkannt werden.    

Weise sieht die Anwerbung von Fachkräften erst als zweiten Schritt. Zunächst seien die Unternehmen gefragt: »Wer qualifizierte Kräfte haben und halten will, muss etwas bieten. Das können die Unternehmen selbst gestalten, da braucht man nicht nach dem Gesetz zu rufen.«    Auch müsse die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden. Viele qualifizierte Frauen würden nicht arbeiten, weil sie keinen Kita-Platz für ihr Kind hätten. »Das Kinderbetreuungsangebot reicht nicht aus, und die Kommunen haben in der Krise keinen Spielraum«, sagte der BA-Chef

Auch CSU-Chef Horst Seehofer sieht die Brüderle-Initiative skeptisch. Dies sei nicht der richtige Weg zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Er würde in der richtigen Reihenfolge vorgehen und zunächst das Arbeitskräftepotenzial im Land ausnutzen, hatte der bayerische Ministerpräsident am Sonntag in der ARD gesagt. Bayern sei weltoffen. Aber: »Wir haben nur entschieden etwas dagegen, dass man aufgrund unserer Sozialsysteme dann die Bundesrepublik Deutschland zum Sozialamt für die ganze Welt macht«, sagte Seehofer.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf begrüßte den Vorschlag von Brüderle, die Zuwanderung zu erleichtern. »Der Fachkräftemangel wird sich aufgrund der demografischen Entwicklung weiter verschärfen, gerade im Ingenieurbereich«, sagte VDI-Direktor Willi Fuchs. Aktuell fehlten knapp 36 000 Ingenieure.

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