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04.08.2010
31. Kalenderwoche 2010

Im Dienste der Stauffenbergpartei

Das Tagebuch des Jeremy-Maria zu Hohenlohen-Puntiz – 6. Folge

Am Vormittag ein Überraschungsbesuch bei Renate. Ich will über ihre Bürgermeisterkandidatur sprechen. Zwei müde Äuglein blicken mich verdutzt an, das kecke Kurzhaar sympathisch verwuschelt, der fliederfarbene Morgenmantel, vermutlich in Eile übergeworfen, ist Strickmode vom Ende der 70er Jahre.

Sie hat noch geschlafen, will sich sogleich frisch machen, währenddessen soll ich es mir erst im Wohnzimmer, dann lieber in der Küche bequem machen. Doch als ich mich auf den Weg dorthin begebe, prescht sie wie ein von einer Bremse gestochenes Zugpferd an mir vorbei. Ich hechte hinterher. Offensichtlich befindet sich etwas in der Küche, das sie vor mir verbergen will. Der Fratz versucht die Tür vor mir zu verschließen, doch schon habe ich meinen Fuß auf der Schwelle. Nach einem Scharmützel gelingt es mir, über ihre Schulter zu blicken, und ich entdecke ihr Geheimnis. Auf dem Küchentisch eine 1,5-Liter-Flasche Coca Cola und ein frisch angebrochenes Glas Wiener Würstchen.

Renate ist beschämt. Verständlich, ein ausgewogenes Preußenfrühstück sieht anders aus, doch haben wir nicht alle unsere kleinen Schwächen? Jauch sammelt Überraschungseier, Roland kann das Zündeln nicht lassen und ich benötige hin und wieder Benzodiazepine, um in den Schlaf zu finden. Es sind Marotten wie diese, die uns menschlich machen.

Ich komme mir grausam vor und will gehen, ringe ihr aber noch das hoch und heilige Versprechen ab, sich in allem, was ihre Kandidatur betrifft, bedeckt zu halten, solange Jauch seine Schmutzkampagne gegen Wowereit nicht losgetreten hat.

Später im Lafayette. In der freundlichen Anonymität der Lebensmittelabteilung des Luxuskaufhauses sollte meine erste Begegnung mit »Frau Elster« stattfinden, der neue Kontakt zu den Kommunisten. Wie von »Frau Elster« vorgeschlagen, nehme ich am russischen Imbiss Platz, bestelle mir einen Teller Borschtsch und verzichte auf den Klecks saure Sahne. Die Speise mundet himmlisch. Mir ist, als läge ich auf dem Schoß eines dickzöpfigen Ukrainermädchens, als hörte ich aus der Ferne den tief traurigen Bass Ivan Rebroffs. Und war es der Duft der Steppe, den ich gerade witterte?

Der Teller ist beinahe leer, immer wieder sehe ich mich nach jener Luxus liebenden Femme Fatale um, die ich hinter dem Decknamen »Frau Elster« vermute, doch außer mir hat sich nur ein Herr, der eine Brille mit abgedunkelten Gläsern und den schwarzen Schnurrbart nach Vorbild Kaiser Wilhelm II. trägt, für die Leibspeise der Slawen entschieden. Zweifelsohne hat mich »Frau Elster« versetzt. Ich breche auf, da kommt jener Herr auf mich zu, zieht mich am Ärmel, sagt, dass das Weiß der Sahne das schöne Rot der Suppe trübe. Offensichtlich ist der Alte verwirrt, ich reiße mich los und verschwinde.

Ich berichte Roland davon, der sich unbeeindruckt zeigt, auf Chaoten sei nunmal kein Verlass. Außerdem sei es riskant, Geschäfte mit den Stalinisten zu machen, schließlich werfe sogar der lasche Kuschelstaat ein achtsames Auge auf sie.

Ich bin missmutig. Aber Roland vertreibt die schwarzen Wolken der Verzagtheit, indem er mir Handyfotos brennender Fahrzeuge zeigt. Besonders die Stichflammen, die von einem LKW der Firma Vattenfall ausgehen, tun es mir an.

Es ist längst Mitternacht, der Aquavit neigt sich dem Ende und wir geben uns albernen Blödeleien hin. Roland will Ursel anrufen und sie drängen, die Sozialhilfe tatsächlich zu erhöhen, damit der Schock über die straffe Kürzung nach der konservativen Revolution noch größer wird. Ich lache Tränen.

Der Tagebuchroman des konservativen Verschwörers Baron zu Hohenlohen-Puntiz erscheint jeweils in der Mittwochausgabe des ND. Die nächste Folge erwarten wir am 11. August 2010.

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