Das Unfertige, Schnipselhafte als Prinzip: Abstrakte Gemälde, Collagen, Cartoons hängen in der aktuellen Ausstellung »Prolog 6« der Galerie Parterre neben Miniatur-Porträts und Installationen. Und egal, wer die Werke geschaffen hat, ob namhafte deutsche Künstler wie Oskar Manigk und Ottfried Zielke oder junge, noch wenig bekannte Kollegen – sämtliche Werke sind lediglich durch kleine Pappschildchen mit dem Namen des Künstlers gekennzeichnet.
Das ist ungewohnt, zumal weder Titel noch Erschaffungsjahr weiteren Aufschluss geben, doch beabsichtigt: Die Werke sollen für sich sprechen. Sämtliche Arbeiten sind abgedruckt im neuen »Prolog 6 – Heft für Zeichnung und Text«, das kürzlich erschienen ist. Seit 2007 gibt der Berliner Künstler Anton Schwarzbach, unterstützt von Autor Mikael Vogel und der Künstlerin Dorit Trebeljahr das Magazin heraus, das in seiner kunstvollen Selfmade-Ästhetik an die in Eigenregie erschienenen Künstlerhefte der 80er und 90er Jahre erinnert. Für die »Prolog«-Ausgaben legt Schwarzbach ein Thema fest und ruft dazu auf, Gezeichnetes, Gemaltes und Geschriebenes einzuschicken.
Das aktuelle Heft dreht sich um den Themenkreis Liebe, Sex und Sucht – und es ist schon erstaunlich, wer alles an Magazin und Ausstellung mitgewirkt hat. Da verspottet ein Cartoon des Karikaturisten Ottfried Zielke die Freundschaft im Kapitalismus, spielt eine bunte, teils übermalte Collage von Oskar Manigk mit Symbolen, bildet die Künstlerin Christa Cremer Nonnen im Ordensgewand mit nackter Scham ab. Seltsam steif stehen die beiden schwarz gewandeten Frauen auf dem Bild dicht nebeneinander, frontal dem Betrachter zugewandt. Feine Miniatur-Porträts, mit Bleistift gezeichnet von Gerhard Schraut, hängen neben einer großformatigen abstrakten Collage in Pastellfarben der Grafikerin Katja Sehl.
Während Thari Jungen hübsche Blümchen-Bettdecken, zu Bündeln zusammengeschnürt, auf den Boden gelegt hat, geht es in den Bildern von Alexander Pertemov um Sex, Unterwerfung und Sadomaso-Fetische. Und einen Raum weiter lässt die junge Künstlerin Katalin Pöge die Protagonisten ihrer mit flinkem Stift gekonnt aufs Papier geworfenen Skizzen klischeehafte Sätze sprechen, zum Beispiel: »Ich war auf der Suche nach der reinen Liebe. Was ich fand, war nur Liebe.«
Sicher, es irritiert, dass keines der ausgestellten und im Heft abgedruckten Werke benannt wird, dass der Betrachter ganz auf seine eigenen Assoziationen zurückgeworfen ist. Doch wer Zeit mitbringt und offen ist für dieser Art des Sehens, mag Geschmack finden an dieser völlig demokratischen Ausstellungsweise, die unbeeindruckt ist von großen Namen der Kunstwelt. Auch haftet dem Spontanen, Durcheinandergewürfelten eine ganz eigener Charme an.
Und wer Näheres erfahren will, für den eignen sich die Lesungen, Gesprächsreihen und Filme, die immer mittwochs ab 18 Uhr stattfinden und in denen sich einzelne Künstler Gesprächen stellen, vortragen oder Videoarbeiten zeigen. Ein regelrechtes Stelldichein von bekannten und weniger bekannten Kunstschaffenden gibt’s zur Langen Nacht der Museen am 28.8. ab 18 Uhr, wenn über »Kleinzeitungen und Ich-Giganten« diskutiert wird.
Bis 29.8., Mi.-So. 14-20 Uhr; Galerie Parterre, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg
Preis: 25,00 €
Preis: 9,95 €
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