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Von Aert van Riel 05.08.2010 / Berlin / Brandenburg

Selbstständig und prekär beschäftigt

Ver.di kritisiert Arbeitsbedingungen beim Meinungsforschungsinstitut forsa

Würde forsa – eines der führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute Deutschlands – eine Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit im eigenen Unternehmen durchführen, würde das Ergebnis wohl nicht besonders positiv ausfallen.

Denn nach Informationen der Gewerkschaft ver.di gelten die meisten Menschen, die für forsa arbeiten, als prekär Beschäftigte. Meist verdingen sich Studierende, Nebenberufler sowie Rentner in den Standorten Dortmund und Berlin als Interviewer, um etwas zum Lebensunterhalt dazuzuverdienen.

Über 60 Mitarbeiter sind nach Unternehmensangaben bei forsa fest angestellt. Laut ver.di werden zudem rund 700 Interviewer beschäftigt, die mit dem Institut Verträge als »Selbstständige« abschließen. Dadurch entledige sich das Unternehmen von vielen Verpflichtungen gegenüber seinen Mitarbeitern. Demnach wird bezahlter Urlaub sowie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eingespart.

Auch das geringe Honorar und die Arbeitsbedingungen werden von ver.di Berlin-Brandenburg kritisiert. »Die selbstständigen Interviewer erhalten lediglich acht Euro pro Stunde. Davon müssen sie einen Euro für die Einmietung an Computer und Telefon abgeben«, sagte Gewerkschaftssekretär André Pollmann gegenüber ND. Wer eine Pause mache oder auch nur auf die Toilette gehe, müsse sich dafür aus dem System ausloggen, damit diese Zeit nicht als Arbeitszeit berechnet werde.

Es würden teilweise alte und schmutzige Headsets zur Verfügung gestellt. Einige Mitarbeiter berichteten zudem von einer unerträglichen Lautstärke in den Büros.

Trotzdem sind nur wenige bereit, sich gegen diese Zustände zur Wehr zu setzen. Ursachen seien zum einen die fehlenden Strukturen betrieblicher Mitbestimmung. Einen Betriebsrat gebe es nämlich nicht. Viele würden auch aufgrund fehlender anderer beruflicher Perspektiven die schlechten Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen. Außerdem gehen Gewerkschafter davon aus, dass die Menschen Angst haben, bei Protestaktionen vor dem Werkstor von der Geschäftsführung gesehen zu werden und damit auf Konfrontationskurs mit ihren Chefs zu gehen. »Die Sorge ist bei vielen Mitarbeitern groß, dass sie dann keine Schichtzuteilungen mehr bekommen«, erklärte Pollmann. Aber einige Studierende hätten bisher durchaus Interesse gezeigt.

Als ver.di für vergangenen Freitag vor dem forsa-Gebäude in Berlin-Mitte eine Kundgebung ankündigte, wurden an diesem Tag beim Institut kurzfristig Netzwerkreparaturen durchgeführt. Einige Gewerkschafter vermuteten, dass das Unternehmen verhindern wollte, dass Beschäftigte und ver.di auf diesem Weg miteinander in Kontakt treten könnten.

Ob zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft und forsa Gespräche über Bezahlung und Arbeitsbedingungen stattfinden werden, ist offen. Ver.di will sich dabei für höhere Honorare, moderne und saubere Arbeitsgeräte sowie Lärmschutzwände einsetzen. Zudem soll der Status als Selbstständiger oder Angestellter frei wählbar sein. Zunächst habe sich forsa kooperativ gezeigt, berichtete Pollmann. Die Initiative zu Gesprächen sei von Geschäftsführer Manfred Güllner ausgegangen. Aber dann habe das Unternehmen seit etwa einem Monat keinen der vorgeschlagenen Termine bestätigt.

Der Gewerkschaftssekretär zeigte sich trotzdem optimistisch, dass ein Treffen zustande kommen werde. Ein renommiertes Unternehmen wie forsa könne nicht durch eine solche Verweigerungshaltung seinen guten Ruf aufs Spiel setzen.

Jedoch scheint es derzeit sehr schwierig zu sein, mit dem Institut in Kontakt zu treten. Telefonisch nicht erreichbar, blieb auch eine schriftliche Anfrage des ND unbeantwortet.

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