Vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Venezuela ist im kolumbianischen Alltag bisher wenig zu spüren. Zwar hat die Regierung für die Grenzregionen den »ökonomischen Notstand« ausgerufen. Doch im Rest Kolumbiens kann von Krise oder Kriegsangst keine Rede sein.
Die neuerliche Krise brach vor zwei Wochen aus, als die Regierung des Präsidenten Álvaro Uribe Venezuela vorwarf, die kolumbianischen Guerillas FARC und ELN zu unterstützen. Der Zeitpunkt der Anklage war auffällig: Staatschef Uribe, der 2002 mit dem Versprechen angetreten war, die FARC in einem Jahr zu besiegen, übergibt sein Amt am kommenden Wochenende dem früheren Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Die Attacken gegen Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez erfüllen offensichtlich die Funktion, dem Wahlvolk einen Verantwortlichen für die Nichterfüllung des wichtigsten Wahlversprechens zu liefern. Denn auch wenn die Guerillaorganisationen in den vergangenen Jahren stark geschwächt wurden, sind sie nach wie vor unbesiegt.
Darüber hinaus hat der kolumbianische Präsident erhebliches Interesse daran, von diversen Skandalen abzulenken. So wurde gegen seinen Sohn Tomás vergangene Woche ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption eingeleitet, weil er die Vergabe öffentlicher Lizenzen an die Unterstützung der Wiederwahlkampagne seines Vaters geknüpft haben soll.
Zudem werden immer neue Vorwürfe gegen die Geheimpolizei DAS bekannt, die in den vergangenen Jahren nicht nur Oppositionspolitiker und Gewerkschafter, sondern auch die obersten Verfassungsrichter ausspionierte und Todeslisten an Paramilitärs übergab. Außerdem hat ein ehemaliger Polizeimajor ältere Aussagen bestätigt, wonach Santiago Uribe, der Bruder des Präsidenten, Mitgründer einer Paramilitärorganisation gewesen ist. Und als wäre das alles nicht gravierend genug, wurde im südkolumbianischen Macarena kürzlich das größte Massengrab des Landes entdeckt, in dem mehr als 2000 Tote von der kolumbianischen Armee verscharrt worden sein sollen.
Die heftige Reaktion der Chávez-Regierung, die die Vorwürfe aus Bogotá sofort als Kriegsvorbereitungen anprangerte, ist durchaus verständlich. Caracas hat durchaus Gründe, gegenüber Bogotá misstrauisch zu sein. Seit Chávez' Amtsantritt haben kolumbianische Paramilitärs, die eng mit dem kolumbianischen Staatsapparat verwoben sind, immer wieder im Nachbarland operiert. 2004 wurden 100 Paramilitärs in Caracas verhaftet, als sie bewaffnete Aktionen in Venezuela vorbereiteten. Ein hochrangiger Beamter der kolumbianischen Geheimpolizei sagte in diesem Zusammenhang schon vor einigen Jahren vor der Justiz aus, seine Behörde habe mit Rückendeckung der Uribe-Regierung systematisch gegen Chávez konspiriert. Und auch dass sich Kolumbien durch das Militärabkommen mit den USA als Stützpunkt für Interventionen angedient hat, schürt begreiflicherweise das venezolanische Misstrauen.
Andererseits nutzt auch die Chávez-Regierung die Krise, um von hausgemachten Problemen abzulenken. Im September stehen Parlamentswahlen auf der Tagesordnung, bei denen dem Regierungslager empfindliche Verluste vorhergesagt werden. Die Gründe sind vielfältig: Die Korruption wuchert wie eh und je, das Land ist nach wie vor völlig abhängig von den Erdöleinnahmen, und die unter Chávez gegründeten genossenschaftlichen und staatlichen Betriebe zeichnen sich vor allem durch Ineffizienz aus. Dazu kommt, dass die in der bolivarianischen Verfassung angelegte Demokratisierung kaum umgesetzt wird. Die neue Staatsbürokratie kontrolliert das öffentliche Leben, und der Personenkult um Chávez trägt auch nicht gerade zu einer kritischen Debatte im Land bei.
Es ist sicherlich verkürzt, die Krise mit persönlicher Rivalität zwischen Uribe und Chávez zu erklären, wie es die brasilianische Regierung und zahlreiche Beobachter getan haben. Doch es geht auch nicht nur um Außenpolitik. Die Sachlage an der Grenze ist komplexer: Es stimmt, dass die kolumbianischen Guerillas – nicht erst seit Chávez' Amtsantritt – auf beiden Seiten der Grenze operieren und dass sich die venezolanischen Streitkräfte nicht der Guerillabekämpfung widmen. Doch der venezolanische Außenminister Nicolás Maduro hat zu Recht immer wieder darauf hingewiesen, dass der bewaffnete Konflikt in Kolumbien einer politischen Lösung bedürfe und Caracas nicht einfach 2000 Kilometer Grenze militarisieren könne.
Die Unternehmerverbände auf beiden Seiten hoffen auf jeden Fall, dass sich die Situation mit dem Amtsantritt Juan Manuel Santos' wieder entspannen wird. Tatsächlich waren die letzten Signale aus Bogotá versöhnlicher. Santos hat zwar angekündigt, die Politik Uribes fortzusetzen, sich in einigen Punkten aber doch leicht von seinem Vorgänger distanziert. Für Santos, der anders als Uribe aus einer alten Politikerdynastie stammt und den traditionellen Machteliten verbunden ist, dürfte das ökonomische Argument schwer wiegen: Venezuela ist der wichtigste Absatzmarkt für kolumbianische Produkte.
In einem brasilianischen "Blog" welcher von Privat ueber die Ereignisse innerhalb des Militaers und den Sicherheitsorganen berichtet, erschien im Oktober 2007 : "Ein Bericht des Nachrichtendienstes (Intelligenz) der GTAM informierte den Praesidenten Lula da Silva: "...dass die Regierung von Hugo Chavez leidet unter den Auswirkungen einer internationalen Medienoperation welche es fertig bringt ihn als verrueckt und diktatorisch zu charaterisieren. Dieser Plan ist wahrscheinlich ein Teil der Strategie der USA um ihre direkte militaerische Anwesenheit zu sichern in der Region Anden-Amazonas und im Suedzapfen, rund um Brasilien". --- (GTAM ist die Verbindung der brasilianischen Bundessicherheitsorganisationen im brasilianischen Amazonasraum: Militaer, Bundespolizei, Staatsnachrichtendienst. Der Kommentar steht in "Blog Militar Legal" 30. 10.2007. Dieser Blog erscheint von Privat und ist nicht eine offizielle Publikation).---Seit der Dekade 1970 haben Brasilianer (wie Orlando Villas Boas, Ethnologe) immer wieder darauf hingewisen, dass die USA und die Briten die Strategie verfolgen mehr direkte Kontrolle ueber Suedamerika zu erwirken. Besonders im brasilianischen Militaer und Staatssicherheit wird dieses Projekt der USA schon seit Jahren beobachtet und diskutiert: Besonders durch die Infiltrierung von NROs der USA und Europas in die Indigenenbezirke Suedamerikas und sie dreiste Einmischung der katholischen Kirche gegen die sozialen und wirtschaftlichen Plaene aller Regierungen in Suedamerika. Jetzt berichten Brasiliens Akademiker ueber den USA-Plan die Landwirtschaftsentwicklung in den "tropischen Laendern" zu hemmen unter dem Vorwand des "Regenwaldschutz" und damit der USA-Agrarindustrie einen EXTRA Gewinn im Agrarexport von bis zu $272 Millarden bis 2030 zu sichern. ("Blog do Mercio", 19.7. 2010, und "Farms here forests there" bezahlt von National Farm Union, erstellt von U.S. Experten mit Regierungsverbindung. Die USA und NATO kommen nach Suedamerika...
Das Thema Kolumbien und Venezuela ist ja spannend, weil so viel Unsinn geschrieben wird. Bislang habe ich immer die FTD oder FAZ gelesen, um die Angriffe gegen den bösen, bösen Chávez zu lesen. Das ist immer ganz lustig. Da ist dann von der Opposition die Rede und von Wirtschaftsverbänden. Danach hab ich dann die sozialistische Tageszeitung Neues Deutschland gelesen, um die Analyse zu erfahren, die in der Mainstreampresse nicht zu finden ist.
Hier aber? Das ND argumentiert mit und macht sich Sorgen um die Haltung der Unternehmerverbände? Keine andere Analyse? Keine alternative Meinung?
Stattdessen die These, beide Staatschefs würden von eigenen Problemen ablenken. Mehr als eine These ist es nicht, Zahlen fehlen, andere Belege auch. Es ist eine Stammtischmeinung, in die Zeitung gehoben wird. Will der Autor davon ablenken, dass er den Kern des Konfliktes nicht verstanden hat?
Dafür spricht, dass er vieles auslässt:
- die klare Haltung der südamerikanischen Staaten;
- ein Angriff Kolumbiens auf Ecuador, der fast im Krieg mündete;
- die Hochrüstung der kolumbianischen Armee durch die USA;
- Kriegesdrohungen durch Kolumbien;
- die massive Stationierung von US-Soldaten in Kolumbien.
Was macht Autor Zelik eigentlich in Medellin? Ein Praktikum bei der Deutsch-kolumbianischen Handelskammer?
Beste Grüße
Jörg Meinhardt
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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