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Von Peter Strutynski 06.08.2010 / Ausland

Atomwaffen sind größte Bedrohung

Verhandlungen über globale Abrüstung nötig

Es dauerte nur wenige Wochen vom ersten Atomtest im US-Bundesstaat New Mexico und bis zum ersten Praxistest in Hiroshima. Am 16. Juli 1945 war die im Manhattan-Projekt entwickelte Atombombe auf dem Testgelände bei Alamogoro gezündet worden. Die Explosion konnte nichts Definitives über die tödliche Wirkung aussagen. 20 Tage später detonierte eine Bombe mit dem niedlichen Namen »Little Boy« in Hiroshima, drei Tage später eine weitere namens »Fat Man« über Nagasaki.

Japan war zu dieser Zeit faktisch militärisch besiegt. Doch die USA fürchteten, die Sowjetunion könnte Einfluss auf die Nachkriegsordnung Japans beanspruchen. Der Atombombeneinsatz sollte die japanische Kapitulation beschleunigen und einen sowjetischen Kriegseinsatz verhindern. Zugleich sollten die Bomben der Sowjetunion als Mahnung gereichen: Seht her, wir verfügen über die tödlichste Waffe seit Menschengedenken und sind bereit sie einzusetzen!

Die UdSSR zog bald nach: 1949 mit der Atombombe, 1955 mit der Wasserstoffbombe. Das Gleichgewicht des Schreckens etablierte sein zweifelhaftes Angstregime des Kalten Krieges. Dazu kamen Großbritannien, Frankreich, später China als weitere offizielle Kernwaffenstaaten. Ihnen folgten Indien, Pakistan, Israel sowie Nordkorea mit eigenen größeren und kleineren Nuklearpotenzialen.

In den nächsten Jahren werden neue Staaten hinzu kommen – wenn nicht endlich Ernst gemacht wird mit der Abrüstungsverpflichtung aus dem Atomwaffensperrvertrag. Trotz zahlreicher Sonntagsreden über »Global Zero« (weltweit null) sind die Großmächte nicht bereit, mit gutem Beispiel voran zu gehen und ihre Arsenale wirklich auf null zu reduzieren. Wer Angst hat vor der iranischen Bombe, muss für einen atomwaffenfreien Nahen Osten antreten – so wie es die Überprüfungskonferenz in New York gefordert hat. Und wenn Iran nur auf den Verdacht hin, es könnte den Besitz von Nuklearwaffen anstreben, von der EU mit den schärfsten Wirtschaftssanktionen bestraft wird – wie müssen dann die Sanktionen gegen einen Staat wie Israel aussehen, der nachweislich seit Jahren über mehr als 200 Kernwaffen verfügt?

Es führt kein Weg an der atomaren Abrüstung vorbei, die zunächst jene Staaten beschreiten müssen, die diese Waffen haben. Der 6. und der 9. August dürfen deshalb keine Tage des ritualisierten Gedenkens werden, sondern sie müssen Anstöße zur politischen Gegenwehr gegen die Atommächte liefern. So versteht die Friedensbewegung die Aktionen von über 90 Initiativen zum Hiroshima-Tag. Sie reichen vom Fahrradmarathon in Heilbronn über nächtliche Lichterdemonstrationen bis zu Aktionen auf öffentlichen Plätzen und an Gedenkorten (z.B. Hiroshima-Park in Kiel, Hiroshima-Ufer in Kassel).

Die Hauptforderung der Friedensbewegung an die Atomwaffenstaaten lautet: Verhandelt endlich über eine Nuklearwaffenkonvention mit dem Ziel »Global Zero«! Und an die Bundesregierung: Verlangen Sie von Barack Obama ultimativ den Abzug der US-Atomwaffen von deutschem Boden!

Der Autor ist Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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