Dass trotz der Verschiebung des Bahn-Börsengangs der Druck und das Auspressen der Arbeitskraft weiter zunehmen, zeigt der aktuelle Konflikt um einen Tarifvertrag zur Flexibilisierung des Lokführereinsatzes. Dieser von der Lokführergewerkschaft GDL für die DB-Gütersparte vereinbarte »Flexi-LfTV« soll im Rahmen eines auf sechs Monate begrenzten »Pilotprojekts« ermöglichen, dass an mehreren Einsatzstellen bis zu 20 Prozent der Lokführer ihre Arbeitszeiten »freiwillig« flexibilisieren.
Zu den Regelungen gehören deutlich längere Schichten und Rufbereitschaftsdienste, mehr Nachtdienste in Folge, unbezahlte Pausen auch auf der Lok und die Verpflichtung zur ständigen telefonischen Erreichbarkeit. Der Arbeitgeber soll künftig eine Schicht ohne Zustimmung des Betriebsrats um bis zu zwei Stunden verlängern, verkürzen oder verschieben können. Die Diensteinteilung soll am Vortag bis 16 Uhr möglich sein, ebenso mehrere Einsatzorte innerhalb eines Radius von 50 Kilometer. Für die Betroffen kann dies deutlich längere Arbeitswege bedeuten. Die bisher gültige Begrenzung der Nachtarbeit auf 500 Stunden im Jahr soll entfallen. Wer zum Pilotprojekt »Ja« sagt, ist daran sechs Monate gebunden und kann sich nicht mehr auf günstigere Betriebsvereinbarungen berufen.
Den für diese Kröten vereinbarten Zuschlag von maximal 280 Euro brutto im Monat dürften die »Freiwilligen« mit einem spürbaren Verlust an Freizeit und Lebensqualität bezahlen. Damit wird die für Schichtarbeiter ohnehin schwierige Freizeitgestaltung mit Familie und Freundeskreis noch chaotischer. Eine Mitbestimmung der Betriebsräte gibt es dann nicht mehr.
Manche Beobachter fragen sich, ob solche Zugeständnisse die Gegenleistung der GDL an den Arbeitgeber dafür sind, dass er auf ihre Forderung nach einen eigenständigen Lokführertarif eingegangen ist. Die GDL sieht mit dem Flexi-Opfer für 20 Prozent »mehr Planungssicherheit« für 80 Prozent. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob es nach einem propagierten »Erfolg« des »Pilots« tatsächlich bei der «Freiwilligkeit« und bei »nur« 20 Prozent bleibt. So könnte die Sogwirkung noch größer werden und die geschlagene Bresche sich flächendeckend ausweiten.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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