Von Chile bis Japan, von Ruanda bis Kirgistan – Moderatorin Anna Weber zählt ein Land nach dem anderen auf, und fast immer meldet sich jemand im Saal. Nur Vertreter aus den USA fehlen, was leicht spöttisches Gelächter hervorruft. Eine Frau fühlt sich bemüßigt, die abwesenden Grünen in den USA zu verteidigen, die dort »wirklich gute Arbeit« leisteten.
»Der ›Green New Deal‹ – ein Konzept für eine globale ökonomische Veränderung?« heißt die Veranstaltung, zu der die Global Young Greens in die Räume der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin geladen haben. Eigentlich sollte wegen einer ausgefallenen Diskussion die Frage mitbehandelt werden, ob man das System nicht vielleicht doch gründlicher verändern müsste als es das grüne Konzept vorsieht. Man gewinnt allerdings den Eindruck, dass kaum jemand im Saal daran zweifelt, dass der »Green New Deal« die Welt retten kann – würde es nur klappen, ihn zu verwirklichen.
Skepsis sei berechtigt, sagt Reinhard Bütikofer, grüner Abgeordneter im Europa-Parlament, als ein junger Mann anzweifelt, dass China sich zur »ersten grünen Supermacht« entwickeln könnte. Dies hatte zuvor Jonathan Watts, Korrespondent des »Guardian« in Peking, als eine Möglichkeit für die Zukunft des Landes genannt, bei allem Wissen um die aktuellen Probleme. Schließlich investiere das Land in gewaltigem Umfang in den Umweltschutz und alternative Energien. Die »große Erfolgsgeschichte« der erneuerbaren Energien in Deutschland und des gleichnamigen, unter Rot-Grün eingeführten Gesetzes, die Bütikofer mit großem Nachdruck referiert, klingt dagegen beinahe so, als sei die Wirtschaft hierzulande schon »sauber«. Eine Teilnehmerin fragt, wie denn eine »grüne« Wirtschaft mit gerechter Verteilung einher gehen könne. Automatisch geht das wohl nicht.
»Auf globaler Ebene« sind die Global Young Greens seit ein paar Jahren aktiv, schließlich lassen sich viele Probleme längst nicht mehr auf einzelne Länder begrenzen. So erfährt man etwa, dass Wälder in Sibirien und Indonesien für chinesische Papierfabriken abgeholzt werden, die wiederum in ihrer Umgebung die Flüsse verschmutzen und ihre Produkte zu einem großen Teil in die westlichen Industrieländer verkaufen, wo man schon fast wieder in den Flüssen baden kann. Vom »Outsourcing« der schmutzigen industriellen Produktion spricht Watts.
Rund 100 junge Leute sind mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung und weiterer Institutionen zu dem einwöchigen Kongress in Berlin zusammengekommen. Sie alle verbindet, dass sie in ihren Herkunftsländern im Sinne grüner Politik aktiv sind. Das Programm ist straff – sich kennen lernen und die jeweiligen Herkunftsländer vorstellen, Treffen nach Regionen und mit grünen Abgeordneten, Workshops, Podiumsdiskussionen und »Open Space«. Themen wie Klimawandel, Migration, Entwicklung, Welthandel und Gender werden besprochen, Bäume gepflanzt und natürlich die Stadt erkundet.
Auf der Vollversammlung schließlich will sich das junge Netzwerk neu strukturieren. Dafür müssen zunächst die vor drei Jahren beim ersten Kongress in Nairobi beschlossenen Statuten und Entscheidungsstrukturen vorgestellt und die Frage geklärt werden, ob den etwaige neue Beschlüsse sofort gültig sein sollen oder erst beim nächsten Kongress. Wird nicht auf Anhieb der angestrebte Konsens gefunden, kann die Klärung einer solchen Frage schon eine Weile dauern.
Mareike Rehl vom Berliner Organisationsteam ist zufrieden. Diesmal laufe schon alles wesentlich professioneller ab als beim ersten Treffen. »Die Leute sind begeistert von der deutschen Perfektion«, sagt sie und lacht.
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