Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Robert Luchs 17.08.2010 / Ausland

Neuer Prozess gegen »Duch«?

Staatsanwaltschaft legte beim Kambodscha-Tribunal Berufung ein

Wird der Prozess gegen den Cheffolterer Kaing Guek Eav alias Duch (67) neu aufgerollt? Der frühere Leiter des Foltergefängnisses Tuol Sleng des Pol-Pot-Regimes war am 26. Juli vom internationalen Völkermordtribunal in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Das Strafmaß hatte damals zu einer Welle der Empörung unter den Tausenden von Opfern im Land geführt, die unter dem Terror-Regime von 1975 bis 1979 gelitten und viele Angehörige verloren hatten. Auch die Anklage am Tribunal ist der Auffassung, dass die Richter die Rolle Duchs bei den schweren Verbrechen nicht ausreichend berücksichtigt haben und fordern eine längere Gefängnisstrafe.

Während der Herrschaft des Diktators Pol Pot sollen mindestens 1,7 Millionen, vermutlich jedoch mehr als zwei Millionen Menschen in Kambodscha getötet worden oder durch Hunger, Seuchen und Zwangsarbeit ums Leben gekommen sein.

Duch selbst soll Folter wie Elektroschocks und simuliertes Ersticken und Ertränken angeordnet haben. Unter seinem Kommando im Foltergefängnis, einer ehemaligen Schule, seien Gefangenen Fuß- und Fingernägel ausgerissen und Menschen sogar ausgeblutet worden. Wer von den über 14 000 Gefangenen nicht an den Folgen der Folter starb, wurde auf den sogenannten Killing Fields vor den Toren Phnom Penhs erschlagen und verscharrt.

Die Staatsanwaltschaft teilte am Montag in ihrem Berufungsantrag mit, beim Urteil gegen Duch seien mildernde Umstände in einem unverhältnismäßig hohem Maße berücksichtigt worden. Das Gericht habe zahlreiche schwere Verbrechen wie Folter, Inhaftierung, Versklavung, Vergewaltigung separat ahnden müssen und nicht unter wenige Anklagepunkte subsummieren dürfen. Die Anklage fordert daher separate Urteile.

Hatte die kambodschanische Staatsanwältin Chea Leang nach dem Urteil von einem historischen Tag und der juristischen Anerkennung der verbrecherischen Natur des damaligen Regimes gesprochen, so sagten prominente Opfer des Regimes, sie erfülle die Vorstellung mit Schrecken, dass Duch noch einmal auf freien Fuß gelangen könne. Das Urteil könne aber einen Impuls für Rechtsstaatlichkeit in Kambodscha bedeuten.

Das 2006 eingerichtete Tribunal dauert erheblich länger als ursprünglich geplant – mit einem Ende wird nicht vor 2012 gerechnet. Es gibt Überlegungen, den Kreis der Zeugen zu erweitern und auch Politiker aus dem Umfeld von Regierungschef Hun Sen, der unter Pol Pot agierte, vor den internationalen Gerichtshof zu laden.

In einem zweiten Prozessabschnitt müssen sich unter anderen der frühere Außenminister Ieng Sary und der im »Demokratischen Kampuchea« eingesetzte Staatspräsident Khieu Samphan verantworten.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
Vernetzung

»nd in der Schule«

Medienkompetenz und politische Bildung
nd-Newsletter

Täglich gut informiert.

Jetzt hier kostenlos abonnieren!
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.