Aus ihrer eigenen Sicht sieht die Welt von Astrid Grotelüschen wie folgt aus: Im August 2010 hat die CDU-Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen ein festliches Abendmahl mit Muslimen besucht, ist für den Vorstand der Landespartei vorgeschlagen worden, macht endlich Dampf beim »Hundegesetz« – und stellt der heimischen Lebensmittelindustrie ein gutes Zeugnis aus: Zwar sei fast jeder vierte der über 40 000 Betriebe in der Branche kritisiert worden, doch seien die meisten Fälle Lappalien. Das sind die Neuigkeiten aus ihrer Arbeit, die sie selbst im Internet präsentiert.
Die für ihren krawalligen Stil bekannte Tierschutzorganisation Peta sieht das ganz anders. Auf ihrer Internet-Startseite ist »Grotelüschen« ein eigener Menüpunkt – neben »Sexy Veggies«, dem erotischen Fotowettbewerb für Vegetarier, Rezepten und Argumenten gegen Rassehunde. Seit Wochen wirft Peta der Ministerin vor, über die Putenbrüterei ihres Mannes, die sie bis zu ihrem Amtsantritt im Frühjahr selbst geleitet hatte, von Tierquälerei in Mastbetrieben zu profitieren. Bisher hatte Grotelüschen die Vorwürfe zurückgewiesen – jetzt geht sie in die Gegenoffensive: Peta habe die Stimmung im Land vergiftet; von »Morddrohungen« berichtet die Ministerin, von »Hass-E-Mails« und »versuchten Brandanschlägen«.
Tatsächlich wurde am Samstag in der Putenkükenproduktion der Ministerinnenfamilie eine Papiertonne entzündet – und angeblich unter den Stromversorgungskasten der Stallungen geschoben.
Der Betrieb der Familie, die Mastputenbrüterei Ahlhorn, ist ein Riese. 8,5 Millionen Putenküken schlüpfen hier jährlich. Gemästet werden die Tiere unter anderem in der Putenerzeugergemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern, einer GmbH mit Sitz in Neubrandenburg, die zwei Dutzend Ställe betreibt. Peta behauptet, in zwei Ställe der Erzeugergemeinschaft eingedrungen zu sein; die Videos kann sich jeder in Internet ansehen. Sie zeigen verendende Puten, Tiere, die einander verletzen, Kadaver, die zwischen den dicht gedrängten lebenden Tieren liegen.
Dem ARD-Magazin »Report« sagte Grotelüschen zu den Bildern, derlei sei nicht »wünschenswert«. Die Ställe stünden auch nicht in Zusammenhang mit der eigenen Brüterei. Tatsächlich hält die Mastputenbrüterei Ahlhorn aber 30 Prozent der Anteile an der Erzeugergemeinschaft. Auf der Internetseite der Brüterei war noch bis vor Kurzem zu lesen, dass die Mäster vom Kükenlieferant durch »geschultes Personal« unterstützt würden, auch medizinisch. Inzwischen wird die Seite umgebaut.
Die Betriebe der Erzeugergemeinschaft seien eigenständig, so Grotelüschen zunächst. Dann änderte sie die Strategie und bezweifelte die Echtheit der Bilder. Dann wieder besorgte sie eidesstattliche Erklärungen der Stallbetreiber: Beanstandungen habe es nie gegeben. Ein Grünen-Landtagspolitiker deckte auf, dass eine dieser Erklärungen vom Privatfax der Familie stammte. Auch »Bild« legt eine enge Verflechtung von Privatem und Amtlichem nahe: »Merkwürdig: Die kritisierten Betriebe wurden kurz vor der TV-Sendung vom Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern überprüft – auf Bitten des Grotelüschen-Ministeriums.«
In Hannover fordert die Opposition Grotelüschens Entlassung. Für Marianne König, die Linkspartei-Agrarpolitikerin in Hannover, ist es dabei nicht wichtig, ob die Vorwürfe stimmen. »Entscheidend ist, dass ihre privaten wirtschaftlichen Interessen die Ausübung ihres Amtes beeinflussen. Sie ist als Betreiberin von Massentierhaltung voreingenommen. Frau Grotelüschen hätte deshalb niemals Agrarministerin werden dürfen.«
Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat sich deutlich hinter seine Ministerin gestellt. Das ist inzwischen aber auch schon zehn Tage her.
monatelang in dermaßen überfüllten Ställen, dass ein Flügelschlagen oder Beinestrecken nahezu unmöglich ist. Sie stehen in ihrem eigenen Kot und die Urin- und Ammoniakdämpfe verätzen ihnen die Augen und Lungen. Millionen Puten überleben schon die ersten Wochen nicht.
Jedes Jahr werden hunderttausende Menschen krank und Tausende sterben, weil sie verseuchtes Fleisch gegessen haben. Untersuchungen ergeben, dass nicht weniger als 90% des Geflügels im Supermarkt mit Salmonellen, Campylobacter oder anderen Bakterien verseucht sind. Putenfleisch enthält weder Ballaststoffe noch Kohlenhydrate, statt dessen jede Menge Fett und Cholesterin.
Ich verstehe das nicht mehr: Arbeitnehmer werden fristlos gekündigt, weil sie ein Krümmelchen unbezahlt gegessen haben, in der Fleischindustrie werden Betriebsräte dadurch umgangen, dass lauter Fremdarbeiter in den Betrieben tätig sind über die Entsendegesetze und dem sog. Outsourcing. Keine Rechte für Verbraucher, Arbeitnehmer ... ganz zu schweigen, von den Millionen von Tieren, die für den Fleischverzehr qualvoll gemästet, transportiert und dann auch noch oft lebendig zerstückelt werden.
Aber so eine Ministerin die klebt ja förmlch auf dem Stuhl. Trotz der massiven bundesweiten Proteste. Es interessiert gar nicht, was da alles ans Tageslicht kommt, das wird einfach ignoriert. Ich frage: wer bezahlt denn eigentlich die Politiker? Ist das nicht das Volk? Das ist was in Vergessenheit geraten. Einmal an der Macht, immer an der Macht? Grotelüschen muss gehen!
Und warum gibt es so viele "überzählige" Tiere hier, währenddessen täglich mehrere Zehntausend Menschen auf der Welt verhungern?
Tierschutzverbände haben kein Klagerecht, wenn es um die Interessen der Tiere geht, denn ihnen fehlt im Gegensatz zu Umweltschützern das Verbandsklagerecht. Ein Aufrütteln der Öffentlichkeit auch über die Medien ist daher immer wieder nötig. Man gelangt in die Betriebe oft nur durch Einbruch, dem Verbraucher wird per Werbung eine Scheinwelt vorgegaukelt. Nicht nur PETA, auch die Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e. V., der Politische Arbetiskreis für Tierrechte in Europa und weitere Tierschutzverbände weisen schon seit langem auf die unzureichenden Vorschriften in Bezug auf Putenhaltung in Deutschland hin. Unabhängige, aktuelle Studien beweisen, dass fast 100% der untersuchten Tiere an Fußentzündungen oder Fußschäden litten, ein großer Teil der Tiere auch unter Brustblasen, Mit diesen Wunden stehen und liegen die Tiere im eigenen Kot, ein Nachstreuen erfolgt bei den zuwachsenden Ställen oft nicht mehr, die Kontrollen sind zu lasch, die Amtstierärzte überlastet, vor allem aber entsprechen selbst die "freiwilligen Vereinbarungen" der Geflügelwirtschaft keiner Haltung, die ohne Schmerzen und Leiden der Tiere auskommt. Fünf 9-kg-Puten müssen sich einen Quadratmeter teilen!
Unter diesen Umständen kann man fast in jedem Betrieb ähnliche Bilder filmen. PETA ist dennoch für die Bilder zu danken, denn die übliche Abschirmung der Betriebe und Verdummung der Verbraucher spricht aller demokratischen Transparenz Hohn! Wunden sind Eintrittspforten für Bakterien - von gesunden Puten kann somit keine Rede sein, auch wenn die Ministerin das zu suggerieren versucht!
Tatsache ist: Die Ministerin müsste die Probleme kennen, doch negiert sie anstatt sie zu lösen. Die von mit zitierten Studien dürften auch ihr bekannt sein, denn sie entstammen einer aktuellen vom BMELV geförderten Untersuchung zur Ermittlung von Kriterien für tiergerechte Putenmast. Die Ministerin leugnet die Probleme, verdrängt die Zustände, ja leugnet ihre Beteiligung
"des reichen vieh frisst des armen brot"
www.arbeitskreis-tierschutz.de/Massentierhaltung/Intensiv_Massentierhaltg.htm
"des reichen vieh frisst des armen brot"
www.arbeitskreis-tierschutz.de/Massentierhaltung/Intensiv_Massentierhaltg.htm
Die Putenhalter kommen und gehen, die Massentierquälereien und die Politiker aber bleben.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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