Qualitativ ist es nichts Neues, allein die Quantität lässt aufhorchen: 72 Leichen auf einen Schlag sind auch im unbarmherzigen Drogenkrieg Mexikos ein trauriger Rekord. Seit Beginn der von Präsident Felipe Calderón 2006 verordneten Offensive wurde noch kein größeres Massengrab entdeckt. Auch dass es sich um Zivilisten handelt, ist kein Novum. Der entgrenzte Krieg gegen das Drogengeschäft trifft schon seit zwei Jahren verstärkt Unbeteiligte, allein dass es sich samt und sonders um lateinamerikanische Migranten handelte, ist ungewöhnlich.
Der grausige Fund ist ein Beleg mehr dafür, dass Calderón mit seinem Krieg gegen die Drogenkartelle gescheitert ist. 28 000 Menschen sind in seiner Amtszeit den Revierkämpfen und Auseinandersetzungen mit Polizei und Militär zum Opfer gefallen. Dabei hat die Kooperation zwischen staatlichen Institutionen und dem Narco-Business eine lange Geschichte. Militärs, die gegen Entgelt Handelsrouten schützen, Polizisten, die gegen Entgelt Drogendealer gewähren lassen, sind allgegenwärtig. Es bedarf eines neuen Ansatzes im Krieg gegen die Drogen. Calderóns Vorgänger, der ebenfalls den Konservativen zugehörige Vicente Fox, sieht nur noch in der Legalisierung von Handel und Verkauf einen Ausweg. Welcher Weg auch immer – Mexikos Staatsversagen ist jedenfalls offensichtlich.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Ausufernde Gewalt im Drogenkrieg Mexiko verzeichnet mehr als 100 Tote in drei Tagen
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