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Von Gesine Kulcke, Stuttgart
27.08.2010

»Oben bleiben«

Die Gegner des Projektes Stuttgart 21 geben ihren Kampf gegen den Abriss des Bahnhofs nicht auf

Auch einen Tag nach Beginn der Abrissarbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof gehen die Proteste weiter. Die Stimmung ist aufgeheizt.

Am frühen Donnerstagnachmittag ruht der Bagger noch immer. Knapp 200 Menschen sitzen im Gras, direkt hinter der Bannmeile, die die Polizei gestern mit Absperrgittern vor dem Bauzaun errichtet hat. Immer wieder blicken sie nach oben, vorbei an dem klaffenden Loch in der Bahnhofswand. »Oben bleiben«, rufen sie den fünf Männern und zwei Frauen auf dem Dach zu, die Mittwochabend über ein Baugerüst aufs Bahnhofsdach gestiegen waren und einen sofortigen Baustopp fordern. Die da oben wirken entspannt, winken, lassen sich von der Sonne wärmen. Doch dann, es ist kurz vor 15 Uhr, stehen sie plötzlich hinter ihnen: Zehn vermummte SEK-Beamte in Zivil stürmen das Dach und nehmen die Männer und Frauen fest. Leute springen aus dem Gras, auf den Bahnhofsvorplatz, fangen an zu trommeln, pfeifen und brüllen. Sie fordern die sofortige Freilassung der Besetzer.

»Ich hab's am Mittwoch im Radio gehört, da war das Loch schon in der Wand«, erzählt Markus N., Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Stuttgart. Er rannte los, erwischte die falsche Bahn, landete nicht am Bahnhof, sondern vor der Stadtbücherei am Charlottenplatz. »Und ich war genau richtig. Die Kreuzung war voll mit Leuten. Es muss kurz nach vier gewesen sein. Alles war dicht, die B14, die B10 und B27.« Irgendwann tauchte dann die Polizei mit Pferden und Schlagstöcken auf. »Die sind einfach mit ihren Pferden durch die Menschenmenge, die friedlich auf der Straßenkreuzung saß.«

Zu dieser Zeit eröffnete Oberbürgermeister Schuster im Alten Schloss das diesjährige Weindorf. »Unglaublich«, sagt Markus N. Sie liefen vor das Schloss, trommelten, brüllten, forderten den Oberbürgermeister auf herauszukommen. Und er kam. Zu Fuß. Ohne ein Wort. Hinter ihm ein Polizeitrupp mit 20 Leuten. »Wir haben Schuster bis zum Rathaus verfolgt. Der ist gerannt wie ein Kind.« Dabei wollten sie nur wissen, wie er sich jetzt fühlt, als Zerstörer eines weltweit anerkannten Kulturerbes.

Schon vor Jahren hat sich Markus N. die Pläne angesehen, die die Stadt zu Stuttgart 21 veröffentlicht hat. »Diese ganzen Hochglanzbroschüren. Das war mir von Anfang an suspekt. Dieses seltsame Interesse, Menschen unter der Erde zu versenken und dann darauf Bürotürme zu stellen.« 11 000 Einsprüche gab es während des Planfeststellungsverfahrens für Stuttgart 21. Aber Schuster wird nicht müde zu erklären, dass alles demokratisch legitimiert sei. Dass er Stuttgart 21 Ende der 90er Jahre noch als ein Geschenk angekündigt hatte, das die Stadt null Euro kosten würde, scheint er vergessen zu haben. Allein für den Kauf der frei werdenden Gleisflächen hat sie 460 Millionen zugeschossen. Darauf sollen Wohnungen, Büros, Kaufhäuser entstehen. Doch Investoren stehen bisher nicht gerade Schlange.

Die Bürger aber haben Angst um die Mineralquellen in der Gegend, befürchten durch die Tunnelbohrungen aufquellendes Gestein und nach oben drängendes Grundwasser. Keiner sagt, dass sie mit ihrer Angst unrecht haben. Technische Lösungen gibt es aber auch nicht: ein bisschen Grundwassermanagement da, Testbohrungen hier. Der Stuttgart-21-Architekt Christoph Ingenhoven vertraut den Ingenieuren, die an seiner Seite stehen.

Nach Ansicht der Polizei haben die Proteste »ihren friedlichen Charakter verloren«. Markus N. hat keine Lust mehr, darüber zu diskutieren, ob der Protest legitim ist oder nicht. »Aggressiv ist, wer ein Kulturerbe einreißt.« Als die erste Baggerschaufel in die Bahnhofswand krachte, schrien Demonstranten am Bauzaun laut auf, einige brachen in Tränen aus. »Die Sitzblockade der Baustellenzufahrt war noch gar nicht vollständig aufgelöst, da fingen die schon mit dem Abriss an. Und Stadtrat Michael Conz von der FDP steht davor und spendet auch noch Applaus.«

Als die ersten Leute dann nach Hause gingen, dachte Markus N: »Jetzt ist es aus. Jetzt haben die gewonnen und können das durchziehen.« Doch auch am Tag danach geben sich die Gegner nicht geschlagen. Am frühen Abend strömen mehr und mehr Leute zur Baustelle. Gegen 17 Uhr setzt sich der Bagger wieder in Bewegung. Die Leute schreien, pfeifen und ziehen los auf die Kreuzungen.

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