Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Kai Böhne 30.08.2010 / Umwelt

Wechsel oder Kapitulation

Neue Publikation beleuchtet Konzepte für Energieversorgung der Zukunft

In wenigen Jahren wird es die Welt der Energie, wie wir sie heute kennen, nicht mehr geben. Entweder gibt es eine Richtungsentscheidung für Klima- und Ressourcenschutz oder Politik und Gesellschaft kapitulieren vor strukturkonservativer Großtechnik und monopolisierten Konzernstrukturen. So lautet das Fazit einer neuen Publikation.

»Energierevolution« – unter dem sind die notwendigen Veränderungen in der Energiepolitik für Peter Hennicke und Susanne Bodach nicht zu haben. In ihrem Buch beschreiben sie die weitreichenden gesellschaftlichen Folgen einer verfehlten Energiepolitik in Entwicklungs-, Schwellen- sowie Industrieländern und suchen nach Auswegen.

Die Autoren betrachten die Energie als öffentliches Gut. Ein wesentliches Merkmal öffentlicher Güter bestehe darin, dem Allgemeinwohl zu dienen und allen zugänglich zu sein. Von diesem Anspruch ist die heutige Energieversorgung jedoch weit entfernt. Etwa 1,6 Milliarden Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern – ein Viertel der Weltbevölkerung – haben keinen Zugang zu Elektrizität. Die Mehrheit der Betroffenen lebt in Afrika.

Es ist ehrenwert, dass sich Hennicke und Bodach bei der Suche nach Lösungsansätzen nicht auf die Industrieländer beschränken, sondern einen besonderen Fokus auf die Entwicklungsländer legen. Das Energiesystem in den Industrieländern versorgt in der Regel mit wenigen großen zentralen Kraftwerken eine Vielzahl von Verbrauchern mit Energie. Dieses Konzept wurde anfangs von den Entwicklungsländern kritiklos übernommen. Die Folge: Nur in Ballungsräumen gab es Elektrizität. Ländliche Regionen gingen leer aus. Energiearmut zementierte Hunger, Armut und Abhängigkeit.

Auch die ökonomischen Interessen der Energiekonzerne, die an zentralisierten Technologien festhalten, werden von Hennicke und Bodach klar benannt. Die Errichtung von Offshore-Windparks, solarthermische Großanlagen zur Stromerzeugung im Sonnengürtel der Erde und Wasserkraft mit Riesenstaudämmen dienen in erster Linie dem Erhalt der marktbeherrschenden Stellung der Konzerne.

Die in vielen Entwicklungsländern reichlich zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energieressourcen können nur mit technischer und finanzieller Hilfe der Industrienationen erschlossen werden. Die Autoren raten zu globalen Partnerschaften auf gleicher Augenhöhe. Forschungsnetzwerke oder »Public Private Partnership« wären ein Weg. Hennicke und Bodach sehen vielerorts bereits zukunftsweisende Projekte. Die Chancen für einen sanften Pfad aus der Energiekrise hätten sich erhöht.

Übersichtliche Schaubilder, Glossar und Literaturverzeichnis runden die spannende Lektüre ab.

Peter Hennicke, Susanne Bodach: Energierevolution. Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien als neue globale Herausforderung. Oekom Verlag. München 2010. 221 S., brosch., 19,90 €.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
16. - 17. Juni 2012

nd-Pressefest / Fest der Linken

Wir laden ein zu Musik, regen Markttreiben, zu Polittalks, Lesungen, Diskussionen...
nd-Probeabo

Jetzt »nd« testen

Hier Ihre kostenlose Leseprobe bestellen.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.