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Platte Kritik ist auch nicht besser

Humor als Lebenshilfe – neue Comedy-Serie »Wir müssen reden!« auf Sat.1

Cordula Stratmann und Annette Frier sind Exotinnen der Comedyszene: witzig und weiblich. In »Wir müssen reden«! improvisieren sie auf Sat.1 jetzt gemeinsam. Vergangenen Freitag wurde die erste Folge der neuen Serie ausgestrahlt. Gegenüber Jan Freitag verteidigen die beiden die Comedy gegen die Kritik der Feuilletons.
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Gibt es Humorbiografien, die unvermeidbar in die Comedy führen?

Stratmann: Um Gottes Willen, nein!

Frier: Jedenfalls keine furchtbare Kindheit. Schauspieler kommen in der Regel ohnehin aus der Tragödie und wundern sich, wenn sie irgendwann im leichten Fach landen. Auch ich bin im Herzen, was ich gelernt hab: Tragödin. Aber weil ich mir die Komödie ausgesucht habe, kann ich den Wechsel als Privileg empfinden. Vielen Kollegen fehlt da die Selbstironie.

Stratmann: Ohne die Tragödin in sich wird man keine Komödiantin. Umgekehrt ist möglich, aber ohne die Dramatik des Moments zu erfühlen, kann man ihm keinen Humor abringen.

Was ist denn überhaupt Humor?

Stratmann: Mich macht es glücklicher, wenn ich durchgängig frohe Gesichter sehe, als solche, die sich zwischen ein paar lauten Lachern langweilen. Humor hat nichts mit Leichtigkeit zu tun. Viele Härten des Lebens lassen sich überhaupt erst aushalten, wenn sie sich die Komik nicht verbieten.

Frier: Was ich witzig finde und was nicht, folgt keinem Gesetz. Wenn ich einen Film in zwei Stimmungen sehe, werde ich ihn auch verschieden bewerten. Was ich eben lustig fand, nervt mich eine halbe Stunde später.

Comedy hat einen furchtbaren Ruf in Deutschland, zumindest unter Intellektuellen.

Stratmann: Da wird mir zu viel über einen Kamm geschoren. Es gibt unterschiedlichste Arten: seriös, brachial, banal.

Frier: Markus Maria Profitlich und Anke Engelke sind Gastgeber absolut verschiedener Sketch-Shows. Die Serien der beiden laufen sehr erfolgreich und vermutlich sprechen sie sehr unterschiedliche Leute an. Gäbe es nur eine Scherzebene in Deutschland, hätten wir ein Problem.

Stratmann: Deshalb finde ich die Pauschalkritik im Feuilleton so schmallippig deutsch, dass sie mich genauso wenig interessiert wie schlechte Witze. Ich biete das an, was ich mag. Niemand muss das toll finden, jeder kann umschalten.

Frier: Platte Kritik ist auch nicht besser als platte Comedy. Prinzipienreiterei ist wie ein Kalauer. Ein Verriss interessiert mich deshalb genau die Zeitspanne, in der ich auf Kritik angesprochen werde. Nach zwei Tagen stehe ich drüber.

Stratmann: Wer sich eine Meinung über etwas bildet, das er nur vom Hörensagen kennt, soll in der Ablage arbeiten. Kritiker wie Comedian haben zwei Arbeitsgrundlagen: Neugier und Fragen.

Behindert »Comedy« den Weg ins ernste Fach?

Stratmann: Seit ich nicht mehr als Familientherapeutin arbeite, habe ich alles in die Hand genommen, um nicht drauf warten zu müssen, dass es andere tun. Insofern wäre ich woanders, wenn ich es denn wollte.

In Ihrer Comedy improvisieren Sie wie im richtigen Leben zwei Freundinnen. Muss das unbedingt witzig sein?

Frier: Humor hilft, ist aber nicht sein Grundelement.

Stratmann: Schmunzeln sollte aber schon drin sein.

Wie wichtig ist die Konfrontation in Ihrer neuen Comedy-Serie? In der »Schillerstraße«, die ebenfalls auf improvisierte Dialoge setzt, arbeiten die Darsteller oft gegeneinander.

Frier: Die »Schillerstraße« fand ich genau dann anstrengend, wenn Wettbewerbe um den besten Witz begannen. Kampf kann in den Figuren herrschen, aber nicht in uns Schauspielern.

Stratmann: Ich versuche entspannt zu bleiben. Verkrampfung ist selten witzig. Und ganz ehrlich? Schwanzvergleiche sind – das steckt schon anatomisch im Begriff – ein Männerding. Frauen sind da anders, ausgleichender.

Frier: Aber nicht nur wir. Bastian Pastewka tickt auch eher wie eine Frau, ungemein professionell. Grundsätzlich erfordert Improvisieren viel Selbstvertrauen. Es geht mehr um Atmosphäre als Fertigkeiten, um Energien zwischen den Teilnehmern.

Stratmann: Humor ist reine Physik. Sich zurückzunehmen, wo es redundant wird, zu intervenieren, wo es nötig ist, ergibt sich erst aus dem Miteinander. Für gute Improvisation darfst du kein Problem mit deinem Ego haben. Du musst den Moment genießen, ihm vertrauen. Und ganz wichtig: Mut zur Pause haben.

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