Von Jörg Meyer
02.09.2010

Nazis wollen wieder in die Schule

Mit einer Propaganda-CD versucht eine Zossener Kameradschaft, Jugendliche zu rekrutieren

Mit einer Schüler-CD wollen Brandenburger Nazis Jugendliche anwerben – im brandenburgischen Zossen, das wegen seiner braunen Szene immer wieder in den Schlagzeilen war.

Nachdem das CD-Laufwerk die Scheibe eingelesen hat, erscheint ein schwarzer Hintergrund, links unten eine Menüleiste, darüber eine schwarze Fahne, zentral ein Jugendlicher mit Halstuch vor dem Mund – sieht alles ganz hip aus, ist es aber nicht. Auf dem schwarzen Pullover steht »Volksgemeinschaft«, die Einführung beginnt mit »Heil euch liebe Schüler«.

Die Worte lassen keinen Zweifel daran, wer spricht: Nazis. Eine Gruppe mit dem Namen »Nationale Sozialisten Zossen« will eine Neuauflage ihrer Schüler-CD ans »Jungvolk« bringen. Die CD war erstmals im April aufgetaucht, herausgegeben von der Nazigruppe mit ihrem stadtbekannten Anführer Daniel Teich. Die Zossener Nazis sind Teil der »Freien Kräfte Teltow Fläming«, eine Kameradschaft, die nach Angaben des Innenministeriums eng mit der lokalen NPD kooperiert. Nachdem im Mai ein erster Downloadlink nicht mehr funktionierte, tauchte Ende August ein neuer Link im Internet auf. Die Zossener Nazis werben auf ihrer Homepage mit ihrer »neu überarbeiteten« CD.

»Die versuchen jetzt zum Schulanfang, die CD unter die Leute zu bringen«, weiß Jörg Wanke, Sprecher der Initiative »Zossen zeigt Gesicht«. Verglichen mit den NPD-Schulhof-CDs in den letzen Jahren weise dieses Machwerk einen aggressiveren Rassismus und Antisemitismus auf, sagt Wanke. Wirklich Neues sei nicht dabei, sondern weite Teile der Schulhof-CDs und Filmchen, die auch schon im Internet kursierten.

Bereits im April hätten Neonazis die CD vor der Schule verteilt, erzählt Burkhard Sattler, Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Zossen/Dabendorf. »Es ist schon fast Tradition, dass die Rechten zu Schulbeginn versuchen, ihren Schund zu vertreiben.« Die älteren Schüler und das Kollegium seien aber sehr aufmerksam. Erstere hätten im April den Nazis die CD abgenommen und auf dem Schulhof zertreten. Von neuen Verteilaktionen sei ihm nichts bekannt, sagte Sattler, kündigte aber an, verstärkt darauf zu achten.

Auf dem braunen Silberling finden sich unter anderem Videos, Flugblätter, Musik und Sprühschablonen. Er wurde im April sichergestellt. »Eine rechtliche Prüfung erfolgte durch Polizei und Staatsanwaltschaft«, sagte Polizeisprecherin Svea Kallies. Strafrechtlich relevante Inhalte seien nicht festgestellt worden. Ob dagegen Jugendgefährdendes enthalten ist, müsse noch geprüft werden, hieß es auf Anfrage seitens der Kommission für Jugendmedienschutz. Dort war die CD noch nicht bekannt.

Im Brandenburger Innenministerium schon. Die CD stehe überwiegend zum Download bereit, in rechten Foren werde der Link beworben. Die Gruppierung habe anscheinend nicht die Kapazitäten, die CD zu verteilen, sagte Sprecher Geert Piorkowski. »Besonders perfide« sei, dass die Zossener Nazis so gezielt Jugendliche für ihre Ziele ansprechen, mobilisieren und rekrutieren.

»Jeder Internetnutzer kann sich bei Anbietern beschweren, dass die CD dort zum Download steht«, heißt es bei jugendschutz.net auf die Frage nach dem Umgang mit derlei Propaganda. Falls die CD verteilt wird, gebe es die Möglichkeit, sie umzutauschen oder die »Aktion Braune Tonne«, und wie das geht, haben die Dabendorfer Schüler im April vorgemacht.

Werbung in eigener Sache

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