»Mann flüchtet bei Verkehrskontrolle und bricht leblos zusammen« lautet die Überschrift einer Polizeimeldung zum Tod von Stanley Ch.. Der 39-jährige Deutsch-Nigerianer wurde am vergangenen Sonntag in Britz von einer Zivilstreife gestellt, weil er am Steuer mit einem Handy telefoniert habe. Als die beiden Polizisten die von ihm gemachten Angaben überprüft hätten, sei er »unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund geflüchtet«, heißt es in dem Bericht.
Zweifel an der Polizeiversion hegt die Frau, mit der Stanley Ch. telefoniert hat. Um 23.16 Uhr habe das Gespräch begonnen, berichtet sie gegenüber Mitgliedern der afrikanischen Community. Nur wenige Minuten später ereignete sich die Kontrolle, deren Beginn sie am Telefon noch mitgehört habe. Sie berichtet von einem Streitgespräch, das die Polizisten in einem aggressiven Ton geführt hätten. Unbestritten ist, dass Ch. ohne gültige Fahrerlaubnis mit einem Mitsubishi unterwegs war, der auf den Namen seiner Ehefrau zugelassen war. Ch. habe widersprochen, als ihm unterstellt wurde, dass der Wagen geklaut sei. Dann eskalierte der Streit offenbar und die Verbindung brach mit einem lauten Knirschen ab.
»Als seine Bekannte nochmals versuchte anzurufen, war das Handy ausgeschaltet. Später war es dann wieder eingeschaltet, aber niemand nahm mehr ab«, berichtet Mbolo Yufani, ein Aktivist der afrikanischen Community gegenüber ND. Er sprach mit der Frau, die über das Schicksal von Stanley Ch. erst am Montag erfahren hat. »Wir haben viele Fragen und wollen wissen, was dort wirklich passiert ist«, sagt Yufani. So habe Ch. am Telefon berichtet, gerade zu tanken. Der Ort der Kontrolle wird in dem Polizeibericht aber etwa hundert Meter von einer Araltankstelle entfernt angegeben, an einer Bushaltestelle Britzer Damm Ecke Mohriner Allee. Niemand kann sich erklären, warum er geflüchtet sein soll. Auch Benedikt Lux (Grüne) will sich dafür einsetzen, dass der Hergang dieser tödlichen Polizeikontrolle rekonstruiert wird.
Mysteriös bleibt weiterhin, dass Stanley Ch. erst kurz nach Mitternacht in einem Durchgangsweg zwischen Buckower Damm und Schlosserweg von einer 54-Jährigen leblos gefunden wurde. Das ist zwei Bushaltestellen weiter stadtauswärts. Der Polizeibericht gibt keine Auskunft darüber, was die Polizisten nach Ch. Flucht unternommen haben. Zwar ist der Buckower Damm auf dem Mittelstreifen mit Eichen bepflanzt, aber er ist dennoch eine breite und übersichtliche Straße. Auch wenn es dunkel war, dürfte es schwer sein, unerkannt davonzulaufen.
Eine halbe Stunde nach Mitternacht hat ein Notarzt den Tod festgestellt. Eine vorläufige Obduktion hat ergeben, dass Stanley Ch. an Herzversagen gestorben ist. Der 39-Jährige hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder.
... das möchte man tatsächlich wissen, was da genau vorgefallen ist. Dass Rassismus und ein Corpsgeist, der Aufklärung solcher Vorfälle verhindert, bei der deutschen Polizei weit verbreitet ist - dieser Eindruck drängt sich ja des öfteren nachhaltig auf.
Menschen mit dunkler Hautfarbe oder "südländischem Aussehen könnnen vermutlich ziemlich oft ein Liedchen davon singen, dass man als "Ausländer" öfter kontrolliert wird, unfreundlicher behandelt wird u.s.w.
Der Fall Oury Jalloh, der vor 5 Jahren unter "nicht geklärten Umständen" in seiner Zelle verbrannte, ist da noch gut in Erinnerung...
Ja, ich kenne das. Obwohl ich in Sachsen gebürtig bin, wo meine Familie "schon immer" lebte, habe ich schwarze Haare und werde im Sommer schnell braun, und das ist es wahrscheinlich, was mir schon desöfteren "spontane" Polizeikontrollen eingebracht hat. Und seit meiner Jugend werde ich auch an Grenzübergängen schärfer kontrolliert als andere Reisende. Hoffentlich werden meine Haare bald grau, damit das endlich mal aufhört....
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