Im Rahmen des 19. Weltkongresses der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) fand in Basel auch eine Uran-Konferenz statt. Sie hatte zum einen das Ziel, die Ärzteorganisation von Betroffenen aus erster Hand über die Folgen des Uranabbaus zu informieren. Außerdem sollten Erfahrungen im Kampf gegen die Atomindustrie ausgetauscht sowie ein globales Netzwerk für den Kampf gegen den Uranabbau aufgebaut werden.
Wissenschaftler des Londoner Imperial College und der Universität von Cambridge plädieren für eine Renaissance der Atomenergie. Ihre Mitte August veröffentlichte Studie zeige die außergewöhnlichen Chancen, die ein Wiederaufleben der Atomenergie der Welt bringen könnte, so Co-Autor Robin Grimes vom Imperial College London. Grimes schwärmt von einer neuen Generation von mobilen Atomreaktoren, die am Ende ihrer Laufzeit wieder per Schiff zum Hersteller zurückgesandt und dort recycelt werden könnten. Äußerungen, die die Delegierten der gerade in der Schweiz beendeten Konferenz über die Folgen des Uranbergbaus »Sacred Land, Poisoned Peoples« (Heiliges Land, vergiftete Völker) in der Schweiz eher erschauern lassen, fordern sie doch in ihrer Abschlusserklärung eine »atomfreie Zukunft für alle Völker«.
Radioaktives Uran ist der Brennstoff der Atomindustrie und sein Abbau keinesfalls ohne Risiko. Die Repräsentanten der von Uranminen betroffenen indigenen Völker aus Kanada, den USA, Niger, Mali, Namibia, Tansania, Malawi, Russland, Australien und Indien lehnen aus eigener schmerzlicher Erfahrung die Nutzung der Nuklearenergie kategorisch ab. »Die nukleare Produktionskette führt zur radioaktiven Verseuchung der Menschen, des Landes, der Luft und des Wassers und bedroht unsere Existenz und die zukünftiger Generationen«, schreiben sie. »Uranabbau, die Weiterentwicklung von Atomenergie und internationale Abkommen, die die nukleare Produktionskette fördern, verletzten Menschenrechte und das Recht von Mutter Erde auf eine unversehrte Natur.«
Charmaine White Face von der Tetuwan Lakota Nation: »Uranabbau hinterlässt ein giftiges Erbe, lange nachdem die Bergbauunternehmen den Betrieb einstellen und gegangen sind. Das Gift der Radioaktivität bleibt in unserem Boden und in unserem Wasser, es schadet unserer Gesundheit.« Kaum anders die Erfahrung von Rebecca Bear-Wingfield, Mitglied des Ältestenrats der Arabunna, Kokatha und Kupa Pita Kungka Tjuta in Australien. »Mein Volk muss mit Uranabbau und den Folgen von Atomwaffentests in unserem eigenen Territorium leben. Wir spüren die zerstörerischen Folgen der Radioaktivität am eigenen Leib.«
Obwohl Atomkraftprojekte und Uranbergbau auch in Südamerika und besonders von der brasilianischen Regierung massiv vorangetrieben wird, war die Region in Basel kaum vertreten. Lediglich der Indianer-Führer Davi Kopenawa Yanomami vertrat über eine Video-Schaltung die Indigenen des Amazonasstaates.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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