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Von Hans-Gerd Öfinger 06.09.2010 / Inland

Streitobjekt Moselbrücke

Verkehrsprojekt in Rheinland-Pfalz sorgt seit Jahren für Aufregung

Die Hochmoselbrücke ist ein gigantisches Verkehrsprojekt, das als Zubringer für den Flughafen Hahn im Hunsrück gedacht ist. Doch das Projekt ist nicht unumstritten: Seit Jahren stößt es in der Region auf Widerstand.
Elisabeth Reis von »Pro Mosel« will den Brückenba
Elisabeth Reis von »Pro Mosel« will den Brückenbau verhindern

Gegen den Bau einer Hochbrücke über das Moseltal rund 40 Kilometer nordöstlich von Trier wehrt sich seit Jahren eine Bürgerinitiative. »Die Mosel weint – Bildung statt Brücke«, lautet eine Aufschrift auf einer Weinbergsmauer hoch über dem Fluss. Unbekannte haben die Parole gut sichtbar genau dort aufgemalt, wo eine wuchtige Betonbrücke im Zuge der geplanten Neutrassierung der Bundesstraße 50 das Tal überqueren soll.

Demnächst wird sich der zwanzigtausendste Bürger einer Petition an den Bundestag gegen das beklagte »Millionengrab« und für einen Baustopp angeschlossen haben. Kürzlich kam die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast, zu einer Protestveranstaltung. Dabei stiegen 330 rote Luftballons als Symbol für rund 330 Millionen Euro Baukosten auf.

Das Bauwerk wurde in den 1960ern im Rahmen einer europäischen Achse zwischen den Benelux-Ländern und Südwestdeutschland geplant. Im Kalten Krieg war die Strecke vor allem für Truppenbewegungen und Schwertransporte von den Nordseehäfen Antwerpen (Belgien) und Rotterdam (Niederlande) über die US-Militärflugplätze Spangdahlem (Eifel) und Hahn (Hunsrück) bis zur DDR-Westgrenze bei Fulda konzipiert. Ursprünglich als Autobahn gedacht, wurde das Projekt später zur Bundesstraße herabgestuft, weil das Verkehrsaufkommen geringer als erwartet war. Nun wird die Brücke als Zubringer für den von Billigfliegern frequentierten Verkehrsflughafen Hahn und als Motor für die regionale Wirtschaft angepriesen.

Um die Jahrtausendwende suchte man einen Privatinvestor, der die Brücke finanzieren und Mauteinnahmen kassieren sollte. Doch der fand sich nicht. Offenbar war das Risiko zu hoch. Viele Fahrzeuge hätten den wenige Minuten längeren Weg durch das Tal auf sich genommen, um die Maut zu sparen.

Brückenkritiker führen nicht nur ästhetische Bedenken oder Sorgen um römische Kulturdenkmäler und seltene Tier- und Pflanzenarten an, die vom Bau verdrängt würden. Sie befürchten, dass die Brücke Gäste etwa aus Benelux vergrault, die hier seit langem Erholung suchen. »Jeder vierte Arbeitsplatz hängt am Fremdenverkehr«, gibt Elisabeth Reis, eine Sprecherin der Initiative »Pro Mosel«, zu bedenken. Die Sportwissenschaftlerin warnt vor unabsehbaren Folgen für den Weinbau. So könnte die südlich der Brücke in Angriff genommene, 15 Meter tief in den Berg gegrabene Trasse über den Höhenzug »Moselsporn« den Wasserhaushalt auf dem nahen »längsten Riesling-Steilhang der Welt« empfindlich stören und die Weinqualität beeinträchtigen.

Hier gedeihen in Südwestlage auf Schieferböden Riesling-Weine. Sie locken Fachleute aus aller Welt an und wurden sogar bei G8-Gipfeltreffen serviert. So gehören auch Winzerfamilien zu den schärfsten Kritikern. Für sie sind die Weinberge eine Lebensversicherung.

Dass viele Menschen nicht offen gegen die Brücke aufmucken, führt Elisabeth Reis auch auf den starken Druck politischer und wirtschaftlicher Eliten in der CDU-beherrschten Region zurück. Wer Kritik äußere, müsse mit Nachteilen rechnen. So etwa ihr Bruder Markus Reis, der als Gastronom Einbrüche bei Catering-Aufträgen erlitten hat. Während CDU, FDP und die in Rheinland-Pfalz regierende SPD den Hochmoselüber-gang propagieren, sind Grüne und LINKE dagegen. Begleitet von Protestplakaten und einem Pfeifkonzert wurde Anfang 2009 der Spatenstich mit Ministerpräsident Kurt Beck und dem damaligen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) verhindert, als ein Bürger den Bagger besetzte.

Kurt Becks Argument, die Brücke sichere Arbeitsplätze im Exportland Rheinland-Pfalz, lässt Elisabeth Reis nicht gelten. Sie hat mit Hilfe von Routenplanern und Navigationssystemen akribisch ermittelt, dass der Weg vom Rhein-Main-Gebiet über die Hochmoselbrücke nach Antwerpen und Rotterdam inzwischen sogar ein Umweg wäre. Andere bereits bestehende Autobahnverbindungen seien um bis zu 40 Kilometer und rund eine halbe Stunde kürzer.

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