Bei der Helgoländer Bürgermeisterwahl am Sonntag hat der von fast allen Rathausparteien unterstützte Unternehmer Jörg Singer bei einer Wahlbeteiligung von 75,2 Prozent mit 449 Stimmen (47,5 Prozent) die absolute Mehrheit verfehlt. 291 Stimmen (30,8 Prozent) entfielen auf die Bewerberin der Helgoländer LINKEN, Felicitas Weck, die den als unabhängiger Kandidat angetretenen Ulrich Voßhal klar auf den dritten Platz verwies. Voßhal errang 21,7 Prozent. Die Gemeinde Helgoland gehört zum schleswig-holsteinischen Kreis Pinneberg. Der Wechsel im Bürgermeisteramt soll zum 1. Januar 2011 vollzogen werden.
Dass sich die Kandidatin der LINKEN gegen den Bewerber aller anderen Parteien mit fast 31 Prozent gut behauptete und in die Stichwahl kommt, gilt weit über die Insel hinaus als kleine Sensation. »Dieses Abstimmungsergebnis ist eine gute Ausgangsposition, um in drei Wochen auch noch die letzte Hürde zu nehmen«, erklärte Felicitas Weck am Wahlabend im Kreise ihrer Wahlhelfer und Sympathisanten und zeigte sich »noch ganz geplättet von den mehr als 30 Prozent Vertrauensvorschuss«. Sie setzt auf Sieg und möchte in den letzten beiden Wochen vor dem entscheidenden Urnengang mit Hausbesuchen noch möglichst viele Wahlberechtigte aufsuchen und im persönlichen Gespräch gerade auch die Unentschlossenen und bisherigen Anhänger ihrer Mitbewerber überzeugen. Den Endspurt will die Partei mit einem Weinfest am 19. September einleiten.
Den Erfolg von Felicitias Weck in der ersten Runde sehen Beobachter nicht nur als Ausdruck einer Sehnsucht vieler Insulaner nach »frischem Wind« in der Verwaltung und einer erfahrenen Person an der Spitze des Rathauses, die mit niemandem vor Ort verwandt oder verschwägert ist. Felicitas Weck ist kommunalpolitische Referentin der Bundestagsfraktion DIE LINKE und berät in dieser Eigenschaft bundesweit Kommunalpolitiker der Partei. Die Kandidatin hatte im Wahlkampf über ihren eigenen Internetauftritt und den ihrer Partei fast täglich neue politische Botschaften verbreitet und sich damit ein für die Insulaner höchst wichtiges Medium optimal zunutze gemacht.
In den letzten Tagen vor der Wahl hatten Gegner von Felicitas Weck in zahlreichen Einzelgesprächen das Gerücht gestreut, dass der Gemeinde nach einem Sieg der Kandidatin die Pleite drohe, weil dann keine öffentlichen Gelder aus Landkreis, Land und Bund mehr auf die Insel fließen würden. Diese »Panikmache« griff Felicitas Weck souverän auf und stellte klar, »dass es für die finanzielle Ausstattung der Kommunen selbstverständlich eine rechtliche Grundlage gibt und keine Gemeinde – auch Helgoland nicht – von politischer Willkür abhängig ist«. Zudem könnten sich weder der Landkreis noch das Land oder der Bund leisten, Helgoland »aushungern« zu lassen. Vor allem werde sie aus ihrer »jahrelangen Erfahrung in der Fachberatung weitere Finanzquellen – hauptsächlich auf europäischer Ebene – anzapfen, die bisher nicht genutzt wurden«, versichert Felicitas Weck den Helgoländern. Die EU habe »gerade für abgelegene Gebiete und Insellagen spezielle Förderprogramme – für die aber zumindest Anträge geschrieben werden müssen«, erklärt Weck in einem Seitenhieb auf den bisherigen Bürgermeister Frank Botter und ihre Mitbewerber.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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