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Von Angelika Nguyen
09.09.2010

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Zarte Parasiten

Was immer junge Menschen heute ratlos, mutlos oder untätig macht, das Pärchen Jakob und Manu hat einen Weg gefunden, seinen Lebensunterhalt zu verdienen: Die beiden verkaufen menschliche Wärme, Zuwendung, Liebe an Einsame. Das, was man angeblich nicht kaufen kann.

Zunächst erwachen die beiden nach einer Diskothekennacht in einem Waldcamp. Jakob läuft eine Schnecke übers Gesicht, die Manu behutsam berührt. Ihre schmutzigen Fingernägel weisen auf längeres Waldleben hin. Dann ist Manu zu sehen, wie sie eine alte Frau in deren Wohnung liebevoll pflegt. Als die Frau sich bei Manu bedankt, sagt diese trocken: »Sie bezahlen mich doch dafür!« Parallel dazu täuscht Jakob auf einer Landebahn für Privatflugzeuge einen Unfall vor, um den wohlhabenden Segelflieger Martin kennenzulernen. Offenbar forschen Manu und Jakob ihre Kunden zuvor gründlich aus. Über Martin wissen sie, dass er und seine Frau kurz zuvor ihren Sohn verloren haben. Distanziert beobachtet der Film, wie Jakob sich in die leer gewordenen Räume von Haus und Psyche des verwaisten Ehepaares schleicht, bald isst er bei ihnen Abendbrot, hilft beim Bau eines Flugzeugs.

Die Arglosigkeit Martins und das Tempo, mit dem Jakob sich einnistet, wirken eher modellhaft als realistisch. Die tiefe Skepsis der Ehefrau spielt keine Rolle. Komplikationen gibt es, als Jakob seine eigenen Emotionen in die Quere kommen. Plötzlich scheint er selber Wärme und Geborgenheit zu brauchen. Für eine dramaturgische Wende sorgt schließlich Manu, indem sie einfach an der Haustür des Fliegers klingelt …

Das Lehrstück wirkt wie ein Albtraum. Surreale Elemente geben dem Film etwas Kühl-Poetisches. Alles scheint in diesem Stil möglich. So taucht der tote Sohn des Ehepaares (Tom Schilling mit einem Spezialauftritt) als Straßenmusiker in einem S-Bahnhof auf oder wirkt die alte Frau, die Manu irgendwann leblos in deren Wohnung findet, auch nach Tagen unter einer Plastiktüte noch sehr lebendig.

Die »zarten Parasiten« Jakob und Manu wirken desillusioniert und erschreckend hoffnungslos. Parasitär ist das Pärchen, aber bestimmt nicht zart. Maja Schöne als Manu wirkt physisch und psychisch eher robust. Robert Stadlober, der hier nichts mehr von einem jungen Wilden ausstrahlt, zeigt als Jakob seinen teigigen Körper gleich mehrmals nackt. Gegen die Energielosigkeit der Jungen erscheint besonders Martin in der Darstellung von Sylvester Groth (Jahrgang 1958) kraftvoll und intensiv. Hier findet ein gewisser Rollentausch der Generationen statt. Das verdeutlicht der Film in einer schönen Szene, als beim gemeinsamen Jogginglauf Martin immer weiter rennt, während der fast 25 Jahre jüngere Jakob aufgeben muss.

Das Regieduo Christian Becker und Oliver Schwabe (auch Kamera) zeigt in sorgfältig gebauten, von jeder Zufälligkeit befreiten Bildern eine Welt großer sozialer Kälte. Ob es die Reflexion eines gesellschaftlichen Zustandes ist oder Ideenspielerei, bleibt offen.

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