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Von Hans-Gerd Öfinger 13.09.2010 / Wirtschaft

Frankfurter Societät vor der Zerschlagung

Dem renommiertem Verlagshaus in Frankfurt am Main droht Tarifflucht

Gegen die Aufspaltung der renommierten und traditionsreichen Frankfurter Societätsdruckerei (FSD) und eine damit einhergehende Aushebelung von Tarifverträgen und Arbeitnehmerrechten macht jetzt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mobil.

Ende August hatten FSD-Betriebsräte zwischen Tür und Angel erfahren, dass das Management der Firma eine Aufspaltung des Unternehmens mit weitreichenden Folgen betreibt. So sollen dem Vernehmen nach bisherige FSD-Betriebsteile mit derzeit insgesamt rund 700 Beschäftigten in drei neue Firmen umgewandelt werden. Dabei entstünde eine separate Verwaltungs-Holding für den kaufmännischen und Verwaltungsbereich und eine Medien GmbH vor allem für den Redaktionsbereich der Tageszeitung »Frankfurter Neue Presse« (FNP) mit ihren Lokalablegern in Rhein-Main-Gebiet, Taunus, Wetterau und der Region Limburg. Das moderne FSD-Druckzentrum in der Gemeinde Mörfelden-Walldorf südlich des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens soll die dritte Firma umfassen. Eine Eintragung in das Handelsregister ist dem Vernehmen nach bis zum 30. September geplant.

Da die angedachte Verwaltungsholding mit rund 95 Angestellten unter der magischen Grenze von 100 läge, bestünde der Betriebsrat hier nur noch aus fünf Mitarbeitern. Ein Wirtschaftsausschuss, wie ihn das Betriebsverfassungsgesetz für Betriebe ab 100 Beschäftigten vorsieht, würde hier entfallen. Damit wäre den Betriebsräten der oftmals wichtige Einblick in wirtschaftliche Angelegenheiten und entscheidende Geschäftsvorgänge verwehrt. Für die Verwaltungs-GmbH soll die bisher bestehende Bindung an die derzeit gültigen Branchentarifverträge ebenso entfallen wie für die angedachte Medien GmbH. In diesem Betrieb mit dann unter 200 Beschäftigten würde zudem die im Gesetz vorgesehene Freistellung eines Betriebsratsmitglieds von seiner beruflichen Tätigkeit ohne Minderung des Arbeitsentgelts entfallen. Für die Druckerei soll vorerst der bestehende Tarifvertrag mit ver.di für die Druckindustrie noch gelten.

Die FSD gehört ebenso wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zur FAZIT-Stiftung. Im Druckzentrum in Mörfelden-Walldorf werden neben FAZ und FNP auch andere Blätter produziert. Der Konflikt um die Tarifbindung und Rechte der FSD-Beschäftigten dürfte auch Teil eines zunehmenden Konzentrationsprozesses im Bereich großer Zeitungsdruckereien sein.

»Die Tarifflucht eines so bedeutenden Verlagshauses werden wir nicht kampflos hinnehmen«, erklärte der Leiter des ver.di- Fachbereichs Medien in Hessen, Manfred Moos: »Offenbar ist es der Geschäftsführung nicht gelungen, nachvollziehbar zu erklären, warum ein seit 150 Jahren erfolgreich funktionierender einheitlicher Betrieb jetzt zerschlagen werden soll.«

»Die angedachte Zerschlagung der Interessenvertretung ist ein Fehdehandschuh an uns«, so ver.di-Fachsekretär Jörg Jungmann auf ND-Anfrage. »Die klugen Köpfe in der Belegschaft lassen sich nicht für dumm verkaufen«, erklärte Jungmann in Anspielung an den FAZ-Werbespruch »Dahinter steckt immer ein kluger Kopf«. Ver.di fordert von der FSD die Beibehaltung der Bindung an die Branchentarifverträge der Druckindustrie und der Zeitungsverlage für alle Unternehmensteile.

Um die angekündigten Widerstandsaktionen der FSD-Beschäftigten zu flankieren, streben die Gewerkschafter nun die Bildung eines breiten regionalen Solidaritätsbündnisses an.

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