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Von Uta Herrmann 16.09.2010 / Berlin / Brandenburg

Kellergalerie Coop

Mosaiksteinchen

1. September 1968 auf dem Berliner Alexanderplatz. Ein Mädchen malt am Nachmittag ihres ersten Schultages eine Blume mit Kreide auf das Straßenpflaster. Weltfriedenstag hat die damals noch sehr junge Fotografin Gabriele Senft ihre Aufnahme genannt. Und so sieht sie diesen Tag bis heute. Daher ist dieses Foto auch in der Ausstellung mit Arbeiterfotografien »Berlin gegen Krieg« in der Kellergalerie des Coop Café in der Rochstraße in Mitte zu sehen.

»Wir sind stolz, dass wir mit diesen Fotografien die neue Galerie einweihen«, meint Hartmut Ihlefeldt, auf dessen Initiative die Ausstellung von engagierten Berliner Fotografen zusammengestellt wurde. Auch der Betreiber des Cafés ist zufrieden. Sieht Heiner Bücker doch darin ein weiteres Mosaiksteinchen zur Verwirklichung seines Konzeptes, verschiedenen linksgerichteten alternativen Gruppen einen Ort zu bieten, an dem sie sich regelmäßig treffen, andere kennen lernen, sich vernetzen können. Seit fünf Jahren betreibt er das kleine Café an der S-Bahn zwischen Alex und Hackeschem Markt. »Viele solcher Orte sind mittlerweile nicht nur in Mitte verschwunden«, meint der Gastwirt. »Daher kommen die Stammgäste auch aus anderen Teilen Berlins«. Touristen fühlen sich ebenfalls angezogen. Die Galerie könnte nun weitere Besucher anlocken.

Entstanden ist die Idee der Kellergalerie – wie könnte es anders sein – am Tresen des Cafés. Im Coop wurde Ende 2009 die Erklärung »Berlin gegen Krieg« verfasst. Dieses kurze politische Manifest ist inzwischen von über 700 Bürgern, Künstlern, Gewerbetreibenden, Umwelt- und Friedensaktivisten sowie Politikern unterzeichnet worden. Dabei haben sich der Hausherr und der Fotograf Hartmut Ihlefeldt, der seit Jahren politische und soziale Bewegungen begleitet, kennen gelernt. Beiden ist es wichtig, mehr zur Verbreitung der Erklärung zu unternehmen.

Der als Lager genutzte Keller kam dem Arbeiterfotografen für seine Idee einer Antikriegsbilder-Schau sehr gelegen. Die schwarzen Räumlichkeiten wurden geweißt, kleine Nischen mit Sofas und Tischchen versehen, Teppichboden verlegt. Freunde und Familien haben mit angepackt, so dass genau am Weltfriedens- oder Antikriegstag die Ausstellung zur Erklärung »Berlin gegen Krieg« eröffnet werden konnte.

Neben Aufnahmen von Ihlefeldt und Senft sind Fotografien, Collagen und Montagen von Dietrich Eckhardt, Andreas Bräutigam und John Heartfield (1891-1968) zu sehen. »Die Werke des bekannten Künstlers, der während der Nazizeit Deutschland verlassen musste, gehören einfach in solch eine Ausstellung und haben hier einen Ehrenplatz«, meint Ihlefeldt. Es sind vor allem die eindrucksvollen Porträts, die dem Betrachter auffallen. Keine anonyme Masse bekundet ihren Willen zum Frieden. Die Fotografen geben den Friedensaktivisten ein Gesicht. Ob Christen, afghanische Frauen, Schülerinnen oder der einzelne junge Mann – sie alle sind Berliner, die sich gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr aussprechen. Ihnen gegenüber hängen Bilder aus eben diesen Kriegsgebieten.

Ergänzt wird die Fotoschau mit Veranstaltungen der Aussteller. Am 25.9. etwa spricht Andreas Bräutigam über das Woher und Wohin der Berliner Geschichtswerkstatt und am 9.10. geht es im Vortrag von Hartmut Ihlefeldt um die geschichtliche Entwicklung der Arbeiterfotografie.

Bis 25.10., Kellergalerie Coop Café, Rochstraße 3, 10178, Mitte, Tel: 25 76 27 64

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