Von Nissrine Messaoudi
17.09.2010

Mädchen wollen Kosmetikerin werden

Kampagne der Bundesagentur für Arbeit informiert Schüler über mögliche Ausbildungsplätze

»Wenn ich groß bin, will ich Feuerwehrmann werden.« Diese Antwort bekommt man häufig, wenn man kleine Jungs fragt, was sie später mal werden wollen. Bei vielen ändert sich allerdings die Meinung im Laufe der Jahre. Einige entwickeln neue Interessen, andere wissen jedoch oft nicht, welche Berufslaufbahn sie einschlagen sollen. Um Schülern Ideen für mögliche Berufe zu geben, veranstaltete die Bundesagentur für Arbeit gestern in Berlin eine Schulhofaktion, bei der sich Jugendliche über Anforderungen und Berufsbilder informieren konnten.

Eine lange Schlange bildet sich auf dem Schulhof der Max-von-Laue-Schule in Steglitz-Zehlendorf besonders vor dem Infostand für Kosmetikerin und Friseurin. Mädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren werden mit bunten Lidschatten, Haarbürsten und anderen Schmink-Utensilien gelockt. Auch Buse Bung wartet darauf, von den Profis geschminkt zu werden. Sie erhofft sich so einen Einblick in den Beruf. »Ich will Kosmetikerin werden, weil ich gut Zeichnen und mit Farben umgehen kann«, sagt die 14-Jährige. Ob sie sich nach der zehnten Klasse für eine Ausbildung in diesem Bereich entscheiden wird, ist ihr jedoch nicht klar. »Noch gehe ich in die achte Klasse. Abitur wäre eigentlich ganz schön, allerdings weiß ich nicht, ob ich das schaffen werde.« Den Stand findet sie hilfreich, weil sie sich schon um einen Platz für das Praktikum kümmern kann, das Schüler der neunten Klasse absolvieren müssen.

Friseur-Meisterin Rena Gläsel nimmt seit 1990 regelmäßig an Schulaktionen teil. »An unserem Stand ist es immer voll«, erklärt sie. Nur selten steht ein Junge in der Schlange. Nach wie vor bleibt der Beruf eine klassische Frauenwahl. Während sich die Mädchen anmalen lassen, werden die Jungs von einem kleinen Roboterarm unterhalten, der die Tätigkeit eines Mechatronikers verdeutlichen soll. Die Ausbildung bei Mercedes dauert drei Jahre. »Man sollte ein Interesse für Mathematik und Physik mitbringen«, weiß Catharina Wolf, die sich selbst im letzten Jahr der Ausbildung befindet. Von 24 Auszubildenden seien in ihrem Jahrgang nur fünf Frauen dabei.

Chris Weßelowski hat nächste Woche sein erstes Bewerbungsverfahren. Auch er möchte Mechatroniker werden. Trotz seines Wunsches blickt der 16-Jährige nicht sorgenfrei in die Zukunft. »Gute Bewerbungen zu schreiben, ist nicht leicht. Außerdem habe ich nicht die besten Noten, ich muss also mit vielen Konkurrenten rechnen«, sagt der Zehntklässler nüchtern. Was stattdessen in Frage käme, weiß er nicht. Er möchte die nächste Woche zunächst abwarten.

Jeder Berliner Schule steht ein Berufsberater der Agentur für Arbeit zur Seite, versichert Kathleen Kuhnt. »Die Schulhofaktion ist zunächst einmalig. Die Infostände bieten ja auch nur eine Auswahl möglicher Berufe. Bei einem persönlichen Gespräch versuchen wir dann Talente, Interessen und Berufsbilder miteinander zu verknüpfen«, so Kuhnt.

Mert Koc bringt die Schulhofaktion wenig. »Ich möchte im sozialen Bereich tätig werden. Dazu gibt es hier keine Experten«, kritisiert der 15-Jährige. Hilfe brauche er allerdings nicht, denn er wird sein Praktikum bei der Türkischen Gemeinde zu Berlin (TGB) absolvieren. »Dort bin ich Mitglied. Und mein Vater engagiert sich in dem Verein.«

Die Berufswahl, für die sich die wenigsten Schüler interessierten, war leicht zu ermitteln. Vertreter von Zahnarztpraxen haben es schwer, für ihre Berufe zu werben. »Die Anforderungen sind sehr hoch. Das schreckt viele ab«, meint Zahnarzthelferin Petra Sandmann.

Tja, wer geht schon gern zum Zahnarzt?

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