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Installation von Natascha Stellmach
Foto: Galerie Wagner
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Was ist das Unterbewusstsein – eine Funktion der Orientierung, weil nicht relevant erscheinende Informationen dorthin geschoben werden können? Soziales Sein hängt von Zuspruch ab, deshalb beurteilen wir kommunikative Situationen wohl meist nach ihren Stabilitäten. Welche Art »Seelenland« aber entstehen kann, wenn Empfindungen nicht mit den Aktualitäten korrespondieren können, weil sie nie gezeigt werden konnten und deshalb in alten ungelösten Bindungen im sprachlichen Brachland festhängen, zeigt die Ausstellung »Come Live in my Head« der australischen Künstlerin Natascha Stellmach in der Galerie Wagner.
Verletzung, Verdrängung, Unterbewusstsein – zu diesem Themenkreis zeigt die Künstlerin Objekte und Bilder, die zwar wie Fotografien aussehen, aber Scannerprodukte sind. Stellmach »schickt« Bilder und Texte durch einen Scanner und bearbeitet sie dann.
Diese Ausstellung sollte man mit etwas Abstand betrachten, weil in den einzelnen Werken auch viel Zorn steckt. Abstand, nicht um sich der Wirkung der Bilder zu entziehen, sondern um die Bedeutung der gezeigten Emotionen besser zu erfassen. Mitunter kann der Eindruck entstehen, im Ganzen auf Stereotype zu blicken – nicht unvertraute Bilder, die die Dynamik von Verdrehtsein, Zorn, Angst und Abseits vermitteln.
Besonders zwei Objekte bilden einen starken optischen Fang: Ein Püppchen mit Mädchengesicht, das auf einen Sockel steht, der von einer Art Zaun abgeschirmt wird, über dem Püppchen hängt ein Galgenseil. An der Wand dahinter sind mit Kunstblut drei große rote Farbkleckse an die Wand geklatscht, nach unten laufen »Blutstreifen«, nach oben hin werden Farbpartikel »verschossen«, was den Eindruck wecken kann, vor roten Sonnen zu stehen. Betrachtet man für einen Augenblick nur Püppchen und Farbkleckse, kann das Bild einer bedrohlichen roten Blutsonne entstehen, die von großem Unheil kündet.
Zu den besonders aggressiven Bildern gehört »Stop the Barking Dog«, das einen Wolf mit geöffneten Rachen zeigt und einen Text, in dem das englische Wort »Fuck« dominiert. Zu den weiteren aufschlussreichen Werken gehört ein Bild, das drei junge fliegende Frauen in »Supergirl«-Gewändern zeigt, allen drei fehlt Nase und Mund! Bei dem Püppchen spielt wohl auch das Prinzip der Übertragung eine Rolle. »Worry dolls«, in Guatemala gefertigte Puppen, sollen Kinder von Sorgen befreien – ein wenig wohl wie der in unseren Breiten bekannte Teddybär, auf den sich alles mögliche abwälzen lässt. Stellmach entwickelt solche »Worry dolls«.
Fazit: Eine sehr sehenswerte Ausstellung, die viel über das Verhältnis von Bewusstsein und Unterbewusstsein erzählen und dabei auch die Frage aufwerfen kann, stecken wir, was das Wissen über unser Gehirn anbelangt, noch arg in den Kinderschuhen?
Bis 23.10. Galerie Wagner + Partner, Karl-Marx-Allee 87, Di.-Sa., 12 - 18 Uhr.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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