Dass die Gewerkschaften nur zukunftsfähig sind, wenn sie sich um die ärmsten und besonders stark ausgebeuteten Lohnabhängigen kümmern, war schon Karl Marx und Friedrich Engels klar. »Wenn sie sich selbst als Vorkämpfer und Vertreter der ganzen Arbeiterklasse betrachten und danach handeln, muss es ihnen gelingen, die Außenstehenden in ihre Reihen zu ziehen«, forderte 1866 die I. Internationale auf Antrag von Marx und Engels. Dabei müssten die Gewerkschaften »sich sorgfältig um die Interessen der am schlechtesten bezahlten Gewerbe kümmern, z. B. der Landarbeiter, die durch besonders ungünstige Umstände ohnmächtig sind«.
Diese Erkenntnis hat nichts an Aktualität eingebüßt. So gilt etwa bei der IG BAU die Gebäudereinigung neben dem Bauhauptgewerbe inzwischen als zweitwichtigste Branche. Durch Ausgliederungen und Privatisierungen ist der Sektor in den letzten 20 Jahren sprunghaft angewachsen. Von den damit einhergehenden Lohnsenkungen profitieren große Konzerne ebenso wie neureiche Aufsteiger, die den Kostendruck an die Beschäftigten weitergeben.
Letzten Herbst streikten viele »Putzfrauen« und Fensterputzer und erreichten eine Anhebung ihres Mindestlohns. Das brachte auch neue Gewerkschaftsmitglieder. Mit der aktuellen Kampagne »Sauberkeit braucht ihre Zeit« macht die IG BAU jetzt gegen Leistungsverdichtung und Arbeitshetze mobil. Diejenigen im Gewerkschaftsapparat, die den Einsatz für Niedriglöhner aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht für wenig ergiebig halten, sind in der Baugewerkschaft klar in der Minderheit.
Auch in der Gewerkschaft NGG kümmern sich Gewerkschaftssekretäre von Bremen bis Berlin seit Jahren um die Belange von Männern und Frauen in Fast-Food-Restaurants. Eine Ausnahme dürfte jedoch Hamburg sein. Hier wandten sich »Burger King«-Mitarbeiter wegen Mobbing und willkürlicher Kündigungen an das örtliche NGG-Büro. Die erhoffte Unterstützung fanden sie dort allerdings nicht: »Man wird meistens abgewiesen. Ich habe das Gefühl, die wollen nicht richtig helfen und geben uns noch die Schuld«, berichtet ein NGG-Mitglied gegenüber ND. Statt dessen würden Probleme »schöngeredet«. Hier tut Abhilfe Not.
Mir fehlt in Ihrem Bericht die Stellungnahme der NGG. Schließlich geht es doch um den nicht unerheblichen Vorwurf, dass die NGG in Hamburg bei offensichtlichen Missständen untätig bleiben und ihren Mitgliedern nicht helfen würde. Sorry, aber das ist keine besonders ausgewogene Berichterstattung, da erwarte ich als Leser mehr!
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Gemeinsame Front gegen Dumpinglöhne Dänemark: Arbeitgeber für Gewerkschaftsaktion
Preis: 12,95 €
Preis: 14,95 €
Werbung:
Werbung: