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Von Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
25.09.2010
Kurzweil

Sonnenbraut und Sonnenhut

Sie bauen Stockwerke üppiger Blütenmassen, die von kaltgelb bis samtrotbraun leuchten, zauberhafte Landschaftswelten gestalten und abenteuerliche Raumsensationen erzeugen – so schwelgte begeistert der Züchter und Gartenphilosoph Karl Foerster von den Spätsommerstauden der Heleniumfamilie. Die Sonnenbraut, gebürtige Nordamerikanerin, kam um 1620 nach Europa, konnte sich aber erst im 19. Jahrhundert in den Gärten mit ihren Hybriden durchsetzen. Foerster, der fasziniert von der »neuen gelben Welt aus dem Indianer- und Aztekenland« war, hat großen Anteil an der farbigen Vielfalt, wobei er besonderen Wert auf Standfestigkeit der hohen Gewächse gelegt hat.

Sonnenbräute lieben natürlich sonnige Plätze, die jedoch nicht zu trocken werden dürfen. Ansonsten sind sie genügsam, wachsen mit einer guten Portion Kompost als Start in die neue Saison problemlos zu voller Schönheit heran. Wer Sorten hat, die ob ihrer Höhe zum Umfallen neigen, kann sie im Frühsommer um die Hälfte kürzen. Dann werden sie nicht so hoch, können aber ihre Blütenfülle, die natürlich später einsetzt, aufrecht tragen. Sonnenbräute lassen sich leicht teilen, da sie einen locker verzweigten Wurzelstock haben; beste Voraussetzung, um mit anderen Brautbesitzern zu tauschen.

Wer den Bräuten ein Domizil einräumt, kann eigentlich zu Hüten, sprich Sonnenhüten bzw. Rudbeckien (Foto: B. Müller) nicht nein sagen. Sie sind gleichen Ursprungs, passen in Standort und Anspruchslosigkeit gut zusammen. Auch die Hüte präsentieren sich viele Wochen von Juli bis Oktober in nicht zu bremsender Blühlaune. Gräser, Goldrute, Herbstastern und Indianernessel sind für Braut und Hut passende Gefährten. Mit ihnen kann man sogar Licht auf halbschattige Plätze zaubern, wenn man Rudbeckia fulgida pflanzt. Sie sorgt zudem durch Ausläufer für reichlich Nachwuchs. Und wer ihnen Tulpen und andere Frühblüher zu Füßen legt, sorgt auch für Blütenflor im Frühling am Platz der Herbstschönheiten, die spät austreiben. Dass abgeblühte Rudbeckien nicht dem Herbstputz (den wir ohnehin besser aufs Frühjahr verschieben sollten, wie es die Natur selber auch tut) zum Opfer fallen, versteht sich von selbst. Denn die schwarzen Blütenköpfe schmücken lange den Garten, besonders zur Rauhreifzeit oder im Schnee.

Im April hatte ich an dieser Stelle zu einem Experiment eingeladen: Kartoffelanbau in der Tonne. Es hat mir die Erkenntnis beschert, dass ich eine ganz schlaue Bäuerin sein muss, wenn der Spruch von den dümmsten Baunern ... denn stimmt. Das Kraut ist bei mir lang und länger geworden, aber dass dort etagenweise Kartoffeln gewachsen wären, konnte ich leider nicht entdecken. Falls jemand das Experiment auch probiert und bessere Erfahrungen gemacht hat, könnte sie oder er es mich wissen lassen. Es würde vielleicht nicht nur mich interessieren.

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