|
Foto: ND/Burkhard Lange
|
Genau heute vor zwanzig Jahren erschien das ND mit einer roten Überkopf-Zeile und dem Brecht-Zitat »Und nicht über und nicht unter andern Völkern woll'n wir sein«. Dieser Wunsch blieb – neben vielen anderen Erwartungen der Deutschen an die Einheit – unerfüllt. Seit dem Tabu-Bruch 1999, als sich die Bundesrepublik am völkerrechtswidrigen NATO-Krieg in Jugoslawien beteiligte, sind deutsche Soldaten an allen Ecken und Enden des Erdballs zugange – und erfüllen, wie wir nicht erst seit Kundus wissen, eben längst nicht nur humanitäre Aufgaben.
Das vor zwanzig Jahren größer gewordene Land hat nicht nur auf militärischem Gebiet eine riesige Chance vertan, ein neues, besseres Deutschland zu werden. In diesem an sich reichen Land nimmt nicht nur die Zahl der Armen täglich zu. Armut, die man in der alten Bundesrepublik einst peinlich verschwieg, wird heute, wie mit den jüngsten Hartz-IV-Beschlüssen, von der Regierung geradezu verhöhnt. In diesem demokratischen Land wächst die Kluft zwischen denen da oben und denen da unten beinahe stündlich. Stuttgart 21, der Ausstieg aus dem Atomausstieg oder die Gesundheitsreform sind dafür nur einige aktuelle Beispiele. In diesem humanistischen Land werden, wie uns Thilo Sarrazin gerade beschämend vorführte, offen Ressentiments gegen Mitbürger geschürt, die anders aussehen, leben oder glauben.
Fest steht, die trunkene Freude von vor zwanzig Jahren ist längst der Ernüchterung gewichen. Dass es dennoch nicht zu durchgängiger Katerstimmung im Lande kam, ist den vielen Neu- wie Altbundesbürgern zu verdanken, die sich ihrer eigenen Kraft besannen oder Solidarität übten – nachdem sich Helmut Kohls Versicherungen von blühenden Landschaften wie dem aus der Portokasse zu entrichtenden Preis der Einheit als faustdicke Lügen erwiesen.
Daraus allerdings eine »große Erfolgsgeschichte« zu machen, wie das Bundesregierungen aller Farbkonstellationen seit zwanzig Jahren immer wieder tun, zeugt von einer großen Ignoranz. Gegenüber entwerteten Biografien, gegenüber einer immer noch existierenden Ungleichheit zwischen Ost und West, gegenüber der anhaltend höheren Arbeitslosigkeit und der überdurchschnittlich hohen Zahl von Hartz-IV-Betroffenen in den inzwischen nicht mehr ganz so neuen Ländern.
Auch dass die Vorurteile dies- und jenseits der nicht mehr vorhandenen Grenze zumindest abgenommen haben, verdanken wir nicht den vielen Sprechblasen der Politiker – sondern eigenen Erfahrungen, Begegnungen und gemeinsamer Gegenwehr. Weil unser aller Problem weder die im Osten noch die im Westen sind – sondern jene, die dieses Land zu ihrem Privatbesitz erklärt haben und diejenigen, die solche Beutezüge inzwischen völlig schamlos gesetzgeberisch unterstützen.
Und weil das so ist, ist ND in den vergangenen neun Monaten auf der Spur ehemaliger Schlagzeilen aus der eigenen Zeitung den Schicksalen von Menschen im In- und Ausland nachgegangen. Menschen, für die sich vor zwanzig Jahren das Leben dramatisch geändert hat – und die dennoch nicht aufgegeben haben. Arbeiter, deren Betriebe abgewickelt wurden. Künstler, deren Theater auf der Kippe stand. Wissenschaftler und Ärzte, für die hierzulande keine Verwendung mehr war. Sportler, denen ihre einst auch im Westen bejubelte DDR-Karriere hinderlich geworden war. Naturschützer und Antifaschisten, die vor völlig neuen Herausforderungen standen.
Der Blick ins eigene Blatt kann übrigens auch durchaus amüsant sein. Fast auf den Tag vor zwanzig Jahren war im ND zu lesen, dass Gregor Gysi auf einer Veranstaltung in Saarbrücken auf die Frage nach einem möglichen Zusammengehen der Linken aus Ost und West und seiner Haltung zum dortigen SPD-Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine zu Protokoll gegeben hat: »Solange wir nicht auf die Politik zu sprechen kämen, würden wir ganz gewiss gut miteinander auskommen.« Auch an diesem Beispiel kann man sehen, was sich doch so in zwei Jahrzehnten alles verändern kann.
Soldaten erfüllen ganz ganz selten "hunanitäre Aufgaben" (so,wenn sie Sandsäcke auf Oderdeichen stapeln) - ausgebildet aber werden sie zum Töten. Insofern war die Teilnahme der Bundeswehrmacht am Krieg gegen Serbien kein Tabubruch. Auf militärischem Gebiet, Frau Oertel, hatte dieses Land niemals gute Chancen,ein besseres Deutschland zu werden. Das ist einfach Unsinn. Und Sie halten dies Land für humanistisch?
Klar hat sich der größte Teil über die "Vereinigung" (Beitritt) gefreut, aber bei vielen Menschen war bald die Ernücherung eingetreten. Auch bei denen, die über andere Länder in den Westen geflohen sind. Beispiele im Fernsehen gab es darüber genug.
Was bei dem Beitritt der DDR ablief waren keine Fehler, sondern die bewußte Zerstörung eines Landes. Herr Most (Vorsitzender der Staatabank der DDR) sagte, dass diese Wunde noch 3 Generation bestehen bleibt. Es ist und bleibt einmalig, was der Westen seinen angeblichen Brüdern und Schwestern angetan hat. Rückgabe vor Entschädigung war für mich ein Verbrechen, aber da läßt der Kapitalist keine Diskussion zu. Und genau in dieser Fortsetzung sind die Scharen der Wessis durch Lande der DDR gefahren um zu sehen, was zu erbeuten war. Da helfen heute auch nicht die warmen Worte von Wulff, die ich auch nur für heuchlerisch halte.
Was hat denn die DDR mit in die Vereinigung gebracht, eine kleine Geste, der grüne Pfeil. Mehr hat man nicht zugelassen.
Ich wäre dafür, dass nur für den Osten dieser Feiertag eingeführt worden wäre, die Wessis könnten an diesen Tag ruhig arbeiten gehen.
Und was die ständigen Vohaltungen der Transferleistungen angeht, hat sich die Wirklichkeit schon seit einiger Zeit konkret geändert. Jetzt läuft das Geld in Richtung Westen, weil 70% der Waren aus dem Westen kommen und die Ostdeutschen davon leben. Gleichzeitig werden dadurch ein großer Teil von Arbeitskräften im Westen gesichert. Das alles und viele anderen Wahrheiten werden verschwiegen, um bei den Ostdeutschen ein Gefühl der Dankbarkeit hervorzurufen.
Nein, die damals 40 Millionen Westdeutschen sollten den durch die Wende dazukommenden 17 Millionen Ostdeutschen dankbar sein. So wird ein Schuh daraus.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Im Dienste der Stauffenbergpartei Das Tagebuch des Jeremy-Maria zu Hohenlohen-Puntiz – 17. Folge
Preis: 15,90 €
Preis: 17,99 €
Werbung:
Werbung: