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Foto: ND/Burkhard Lange
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ND: Unter dem Motto »Berlin stöpselt um« planen die Klimapiraten am kommenden Sonntag in Berlin eine »Stromwechselparty«. Was gibt es denn zu feiern?
von Zwehl: Im Rahmen des weltweiten Klimaaktionstages am 10.10. möchten wir am Brandenburger Tor darauf aufmerksam machen, dass es viele Menschen gibt, die sich bereits jetzt gegen den Klimawandel stemmen. Die einfachste Möglichkeit ist seinen privaten Stromanbieter zu wechseln. Daher fordern wir die Berliner auf, uns in einer symbolischen Aktion zu helfen Gegenstände von einem fossilen Energiepark in einen erneuerbaren umzustecken. Wir feiern also den Energie- und Bewusstseinswandel in der Bevölkerung.
Werden Ökostromanbieter vor Ort sein?
Ja, Berliner können sich von drei Ökostromanbieter beraten lassen und wenn sie ihre Zählernummer mitbringen, sofort einen Vertrag abschließen. Interessierte können des Weiteren energieeffiziente Geräte kaufen und so viele Tonnen von CO2 einsparen.
Wer sich lieber von Klimaaktivisten beraten lassen möchte, kann dies auch auf der sogenannten Klimacouch tun, die vom Alexanderplatz im Bezirk Mitte zum Pariser Platz wandern wird. Geplant ist außerdem eine »Silent Climate Parade« mit 350 Ravern, die emissionsfrei durch die Stadt tanzen werden.
Partys feiern und tanzend durch die Stadt ziehen – glauben Sie, so die Klimapolitik der Bundesregierung beeinflussen zu können?
Direkt vielleicht nicht, aber indirekt. Die Bundesregierung soll durch unsere Aktionen sehen, dass die Bevölkerung nicht auf die Politik und die Unternehmen wartet und selbst etwas für den Klimaschutz tut. Die rückwärtsgewandte Klimapolitik der Regierung findet keinen Zuspruch bei den Bürgerinnen und Bürgern. Dadurch geraten Politiker und Unternehmer unter Druck, ebenfalls mehr für den Umweltschutz zu tun.
Die geplante Verlängerung der Atomkraftwerk-Laufzeiten hat die Piraten also nicht verunsichert?
Nein, medienwirksame Initiativen und Veranstaltungen können sehr wohl Einfluss auf die Politik haben. Die Proteste gegen Stuttgart 21 zeigen, wie wichtig es ist, für seine Forderungen einzustehen. Einen so großen weltweiten Klimaaktionstag wie am kommenden Sonntag gab es bisher außerdem nicht. Weltweit vernetzen sich die Menschen, um sich Gehör zu verschaffen.
Wer verbirgt sich hinter den Piraten und was fordern Sie?
Die Klimapiraten sind ein Netzwerk junger Aktivisten, die sich gegen das geplante Kohlekraftwerk in Brunsbüttel engagieren und einen Wechsel zu 100 Prozent Erneuerbarer Energie fordern. Der Kampagnenauftakt war bereits im August in Tübingen, wo das umstrittene Kraftwerk geplant wird, an dem sich rund 70 Stadtwerke beteiligen. Wir haben Gruppen gegründet, die an den jeweiligen Kraftwerksstandorten weitere Aktionen planen. Unter anderem in Tübingen, Lüneburg und Stuttgart. Größere Events wird es zu der Gesellschafterversammlung geben, auf der der Bau des Kraftwerkes beschlossen werden soll.
Kritiker behaupten, eine Umstellung auf erneuerbare Energien sei zu teuer.
Natürlich muss man erst investieren, bevor man profitieren kann. Wenn man aber beispielsweise beim Atomstrom die Kosten für die Endlagerungen mit einbezieht, schrumpfen die Unterschiede auf ein Minimum. Der Klimawandel ist eine reale Bedrohung. Unsere Zukunft sollte jedem ein paar Euro mehr wert sein.
Fragen: Nissrine Messaoudi
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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