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Türkiyemspor vor dem Aus

Dem Regionalligisten droht die Insolvenz / Hohe Verbindlichkeiten

Berlin feiert heute ein deutsch-türkisches Fußballfest, doch ausgerechnet dem Migrantenverein Türkiyemspor ist vor dem EM-Qualifikationsspiel zwischen beiden Ländern nicht zum Feiern zumute. Der von vielen Seiten für seine Integrationsarbeit gelobte Kult-Klub kämpft ums finanzielle Überleben und fühlt sich von Politik, Wirtschaft und Sportverbänden im Stich gelassen. Die Hoffnung, dass die zahlreichen Schulterklopfer irgendwann einmal auch konkrete Hilfe anbieten, haben die Verantwortlichen längst aufgegeben.

»Wenn es Länderspiele gegen die Türkei gibt oder jemand ein Buch über Integration herausbringt, dann ist Türkiyemspor plötzlich wieder in«, sagt die Aufsichtratschefin Süreyya Inal. »Es dauert nicht lange, dann ist der Verein wieder vergessen und steht mit seinen Problemen allein da.«

Die Steuerberaterin weiß, dass ihre Kritik in ein paar Tagen wohl wieder ungehört verhallen wird. Dennoch nutzt sie die Chance, auf die ambivalente Situation ihres Vereins aufmerksam zu machen: »Wir haben Leute, die anpacken, und Jugendliche, die auf uns zukommen und denen wir helfen können. Was wir nicht haben, sind finanzielle Mittel.«

Den wenigen Sponsoren des Klubs, meist türkische Händler, fehlt das Geld für eine breitere Unterstützung. »Sie haben in der Vergangenheit schon oft bluten müssen, viele gehen schon gar nicht mehr an ihr Handy ran«, sagt Inal. Deutsche Unternehmern spreche sie gar nicht mehr an: »Das ist aussichtslos. Die sind nicht an Integration interessiert. Vielleicht sollten wir unseren Namen ändern, dann kommen sie vielleicht.«

Von ihrer Kritik darf sich auch der Deutsche Fußball-Bund angesprochen fühlen. Zwar ehrte der DFB den Klub vor drei Jahren mit dem Integrationspreis, doch materielle Hilfe gab es bis auf einen Kleintransporter keine. »Es reicht nicht, uns alle zehn Jahre einen Preis zu geben, damit wir die Klappe halten«, sagt Ehrenpräsident Celal Bingöl. Willkommen im harten Leben ehrenamtlich geführter Vereine, mag da so mancher denken. Doch Türkiyemspor, was übersetzt »kleine Türkei« heißt, ist nicht irgendein Klub. Seit 32 Jahren bemüht er sich, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu fördern.

Der Verein aus dem Berliner Stadtteil Kreuzberg, wo der Ausländeranteil über 30 Prozent liegt, ist mit Schulen vernetzt, fördert den Mädchenfußball, nimmt an Protesten gegen Rassismus und Gewalt teil und unterstützt Kampagnen von Schwulen- und Lesbenvereinigungen, wofür es in der Türkei heftige Kritik hagelte.

Das alles leistet der Verein, obwohl er seit seiner Gründung 1978 weder ein eigenes Vereinsheim noch einen Spiel- und Trainingsplatz hat. »Wir sind seit über 30 Jahren heimatlos«, klagt Inal. Und aus eigener Kraft kann der Verein seine Strukturen nicht verbessern. Die 1. Männermannschaft, die in der Regionalliga spielt, droht Türkiyemspor mit Kosten von monatlich mindestens 20 000 Euro in den finanziellen Abgrund zu reißen. »Wir können uns diese Liga nicht leisten«, sagt Inal: »Die Spieler sagen: ›Typisch Frau, hat keine Ahnung vom Fußball.‹ Aber ich habe Ahnung von Finanzen.«

Den Klub drücken nach ihren Aussagen aktuell 639 360 Euro Verbindlichkeiten. Erst kürzlich war der gesamte Vorstand des Berliner Vereins aufgrund der wirtschaftlichen Probleme zurückgetreten. Wenn die ehemaligen Vorstandsmitglieder auf ihren Forderungen bestehen, will der Verein das Handtuch werfen und am kommenden Montag Insolvenz anmelden. Dieser Schritt sei dann unausweichlich, sagt Aufsichtsratschefin Inal. SID/dpa

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