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Von Katja Herzberg
13.10.2010

Seitenwechsel auf der Straße

Gangway e.V. blickt mit »Down Town Berlin« auf 20 Jahre Sozialarbeit zurück

Gangway leistet seit 1990 Straßensozialarbeit.
Gangway leistet seit 1990 Straßensozialarbeit.

»Ich mochte einfach diese Jugendlichen und fand, dass man etwas für sie tun müsste«, sagt Detlef Kumlehn. Er ist einer der ersten Sozialarbeiter bei Gangway, die auf Jugendgangs in den Straßen Berlins zugegangen sind.

Ob diese »Streetwork« erfolgreich war, fragen sich an diesem Dienstag anlässlich des 20. Jubiläums des Vereins viele seine Mitarbeiter. In dem Buch »Down Town Berlin – Geschichten aus der Unterstadt« haben sie Erlebnisse aus ihrer langjährigen Jugendarbeit zu Papier gebracht. So sollen »Geschichten erzählt werden, die täglich erlebt, aber oft nicht gesehen werden«, erläutert die Gangway-Geschäftsführerin, Elvira Berndt, bei der Präsentation in der Zentrale des Vereins in Mitte.

Die ehrenamtliche Vorstandvorsitzende von Gangway, Hanna Biamino, zieht eine positive Bilanz der zwei Jahrzehnte langen Arbeit und bereut nach eigener Aussage keinen Tag. »Die Rechnung ist aufgegangen«, erklärt Biamino. Mit einem Dutzend Sozialarbeiter habe der Verein angefangen. Nun ist das Kollegium auf 65 Mitarbeiter angewachsen, das in neun Bezirken und 15 Streetwork-Teams aktiv ist.

In den zwei Dekaden habe sich einiges verändert, erzählen die Mitarbeiter. In den 1990er Jahren bestimmten Jugendgangs die Arbeit der Streetworker. In nächtlichen Straßenschlachten und Messerstechereien zwischen verfeindeten Banden griffen sie ein. An feste Arbeitszeiten war dabei nicht zu denken. »Damals musste man funktionieren«, fasste Britta Feustel zusammen. »Jugendliche lassen ihren Schmerz oft auf eine Weise raus, die wir nicht verstehen.« Die Sozialarbeiterin hatte mit einem rechtsextremen Jungen zu tun, der an einer Borderlineerkrankung verstarb. Ein Ereignis, das sie auch mit ihrem Text in dem Buch verarbeitet.

Dass die Arbeit von Gangway vielen Jugendlichen geholfen hat, zeigt sich schon daran, dass einige der einst Betreuten die Seite wechselten und heute Sozialarbeiter sind. Einer von ihnen ist Taner Avci. »Ich habe irgendwann verstanden, dass es so nicht weitergehen kann«, erklärte Avci seine Entwicklung. Bei Gangway konnte er eine Ausbildung zum Erzieher abschließen und ist inzwischen seit 13 Jahren für den Verein tätig.

Er beteiligte sich an »Down Town Berlin«, um »Sprachrohr« für die Jugendlichen zu sein. Sie seien heute ärmer und hätten größere Gefahren zu bewältigen als noch vor zehn Jahren. Kriminelle und radikale Organisationen würden laut Avci verstärkt versuchen, Jugendliche auf der Straße anzusprechen. Außerdem seien Jugendliche Opfer von Sparmaßnahmen.

Stärker denn je beschäftigen sich die Sozialarbeiter von Gangway mit den Einzelschicksalen. Große Gangs gebe es so nicht mehr, stellte Hüseyin Yoldas fest. »Die Jugendsozialarbeit ist vielschichtiger geworden, aber wir werden nicht locker lassen«, erklärte Yoldas abschließend.

»Down Town Berlin« von Gangway e.V. ab sofort im Buchhandel für für 12,80 Euro erhältlich

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