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Von Caroline M. Buck 15.10.2010 / Berlin / Brandenburg

Ein Ort zum Luftholen

Der Dokumentarfilm »Berlin: Hasenheide« bemüht sich um Rehabilitation eines viel gescholtenen Viertels

Wenn Nana A.T. Rebhan durch die Hasenheide joggt, wünschen die Drogendealer ihr einen guten Tag. Trotzdem ist der Blick der Filmemacherin auf den Park vor ihrer Haustür ein anderer als der des Boulevardblattlesers, der »Neukölln« hört und »Rüttli-Schule« denkt. Der sich von Detlev Buck in »Knallhart« zeigen ließ, wie gewaltbereite Migrantensöhne mit deutschen Wohlstandskindern umgehen. Und in den Lokalzeitungen liest, wie sich türkisch- und arabischsprachige Banden Territorialkriege um die Neuköllner und Kreuzberger Drogenabsatzmärkte liefern.

Dass türkisch- und arabischsprachige Jugendliche tatsächlich die Dealer in der Hasenheide stellen – und sich schon mal »halbe Baumstämme« um die Ohren hauen, um ihre Territorialansprüche durchzusetzen –, das wird auch in »Berlin: Hasenheide« nicht verschwiegen, dem Porträt, das Nana A.T. Rebhan dem Park und seinen Menschen widmete. Gedreht wurde im heißen Sommer 2008, weshalb die Hasenheide stellenweise aussieht wie versteppt. Die staubigen Wege sehen erlaufen aus, nicht angelegt, und wenn sich die schwarzafrikanische Multikulti-Truppe in der südöstlichen Ecke des Parks zu ihrem wöchentlichen Fußballmarathon trifft, finden sich die öffentlichen Abfallbehälter schon mal als Torpfosten wieder.

Bei der Runde singender, spielender und tanzender Türken werden aus den Torpfosten Tischbeine, weil man ein Picknick nicht nur für den handzahmen Falken mitbrachte, der hier jeden kennt und nur der Kamera wegen noch ein wenig fremdelt. Auch eine reine Männergruppe, aber Gesprächsthema ist hier nicht die leidige Frage, wer denn nun in dieser Woche die Trikots für die ganze Mannschaft wäscht, sondern die Sehnsucht, die man in Deutschland nach der Türkei und bei jedem Türkeibesuch innerhalb weniger Wochen nach Deutschland verspüre.

Powerwalkenden Kopftuchfrauen begegnete Rebhan bei ihren Parkspaziergängen mit Kamera und Tonmann. Einem Graffiti-Künstler, der die Hasenschänke mit Zille-Motiven verschönert und einer Nudisten-Gruppe, schwul, rheinisch, blondiert und vergnügt im aufblasbaren Minischwimmbecken Abkühlung suchend. Einem golfenden Vietnamesen begegnet Rebhan – und dem Bürgermeister von Neukölln, der sich bei der spirituellen Grundsteinlegung eines hinduistischen Tempels auf der Hasenheide mit dem Bindi schmücken lässt, dem zeremoniellen roten Pigmentfleck auf der Stirn.

Der Trainer einer Gruppe von Tai Chi-Anhängern erlebte den heutigen Problembezirk um die Hasenheide noch als deutschsprachige Arbeitergegend. Seine Anwesenheit, so hofft er, kann vielleicht dazu beitragen, dass sich im Kiez wieder bürgerlicher Gemeinschaftssinn ausbreitet und die Dealer zurückgedrängt werden. Erste Ansätze dazu gebe es bereits: es werden wieder Spielplätze und Kindertagesstätten gebaut an der Hasenheide. Vorboten der Gentrifizierung, die seit der Umwidmung des Tempelhofer Flugfeldes »Kreuzköllner« Grenzlagen wie den Schillerkiez zu begehrten Wohnlagen werden lässt?

Kino Moviemento, Kottbusser Damm 22. www.hasenheidefilm.de

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