16.10.2010

Beim Blitzschach zählt mentale Stärke

Melanie Ohme freut sich auf die ND-Schachgala – eines Tages will sie sich Großmeisterin nennen

Sie hat im rekordverdächtigen Alter von vier Jahren die ersten Züge der Figuren gelernt und gehört inzwischen zu den jungen Hoffnungsträgerinnen im deutschen Schach: Die 19-jährige MELANIE OHME (Foto: Kohlmeyer), seit einem Jahr Internationale Meisterin der Damen, gehört zum Spitzenquartett, das bei der diesjährigen ND-Damenschachgala am 5. November in Berlin antreten wird. Die Psychologiestudentin war bereits bei der Erstauflage im Jahr 2006 dabei. Für ND sprach CHRISTIAN HEINIG mit der Nationalspielerin.

ND: Sie kommen gerade von der Schacholympiade in Chanty Mansiysk. Wie war es in Sibirien?
Ohme: Kalt, es war wirklich kalt. Als wir ankamen, zeigte das Thermometer noch 18 Grad, aber das ging kurz darauf steil bergab. Sportlich lief es mit dem 25. Platz etwas enttäuschend, eigentlich wollten wir unter den ersten zehn landen. Trotzdem war die Stimmung gut, alle haben sich gut verstanden. Es war keine Katastrophe für uns.

Beste deutsche Spielerinnen waren vom Punkteranking her Elisabeth Pähtz und Judith Fuchs. Sie selbst fielen etwas ab. Wie zufrieden waren Sie mit Ihrer Leistung?
Hundertprozentig nicht. Bei Turnieren läuft es bei mir immer gleich: Der Anfang ist gut, in der Mitte läuft es weniger berauschend, am Ende dann wieder besser. Insgesamt war es okay, immerhin hatte ich in letzter Zeit nur wenig Schach spielen können.

Warum?
Erst wegen des Abiturs, nun habe ich mein Psychologiestudium in Mannheim aufgenommen. Das ist ein Vollzeitjob. Aber die nächsten Semesterferien kommen bestimmt. Und die Hauptsache ist, dass mir Schach immer noch sehr viel Spaß macht. Deshalb werde ich auch weiterhin am Ball bleiben.

Für viele ist Schach reine Mathematik, ein berechenbarer Sport. Was entgegnen Sie denen als angehende Psychologin. Kann auch die Psychologie über eine Partie entscheiden?
Viel, sehr viel sogar. Nicht nur eine Auftaktniederlage kann eine enorme Auswirkung auf den weiteren Turnierverlauf haben, weil man den Ärger nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Auch während der Partie spielt Psychologie eine große Rolle, zum Beispiel, ob man unter Zeitnot nervös wird oder ob man überzeugend auftritt, wenn man am Brett sitzt. Auch wie man sich anzieht, kann beim Schach ein Faktor sein.

Welche Rolle kann denn die Kleidung spielen?
Entscheidend ist, dass man das tragen sollte, worin man sich am wohlsten fühlt. Das betrifft aber eher das Frauenschach, Männer machen sich da mit Sicherheit nicht so große Gedanken.

Machen Sie sich Gedanken über ein bestimmtes Ziel, das Sie im Schach noch erreichen wollen?
Ich will eines Tages Großmeisterin werden. Bei der Schacholympiade hat es dazu nicht ganz gereicht, aber das war ja nicht mein letztes Turnier. Früher hatte ich zudem den Ehrgeiz, eine ELO-Zahl von 2400 zu erreichen. Da bin ich mir momentan aber nicht mehr so sicher, ob das noch realistisch ist.

Bei der ND-Damenschachgala blitzt in der Vorrunde jede gegen jede. Haben Sie für diese Spielform ein Patentrezept parat?
Beim Blitzschach musst du mental stark sein. Du musst stets einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn die Situationen oft sehr komplex und kompliziert sind und man sich schnell entscheiden muss. Zu meinen großen Stärken zählt das Blitzschach allerdings nicht, deshalb rechne ich mir auch keine Siegchancen aus, zumal ich es mit drei sehr guten Schachspielerinnen zu tun bekomme. Für mich geht es darum, Spaß zu haben und Spaß zu vermitteln – und natürlich den ein oder anderen Punkt zu holen.

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