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Vignette: Chow Ming
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»Ich habe meinen alten Hund wieder!« jubelt Mr. Chan. Sophie, eine 11-jährige Collie-Hündin, hatte Entzündungen in Hüft- und Kniegelenken. Die Sprünge ins Auto und wieder hinaus fielen ihr immer schwerer. Entzündungshemmende Medikamente und Schmerzmittel halfen nicht mehr. Nun, nur einen Monat nach der Stammzelltherapie, kann Sophie wieder rennen, springen und das Hundeleben genießen.
Die Hongkonger Firma Medivet hat gerade eine Pressekonferenz veranstaltet. Sie gibt den Besitzern lahmender Hunde, Katzen und Pferde Hoffnung. Die neue Therapie aus Sydney (Australien) kann in jeder Tierklinik durchgeführt werden. Sie hat zudem das Therapie-Risiko von 41 auf 1 Prozent gesenkt. Tierarzt Mike Hutchinson erläutert die Technologie. Er selber hat in 24 Jahren etwa 20 000 Tiere chirurgisch versorgt. 75 erfolgreiche Stammzell-Therapien bei Hunden und Katzen in den USA kommen jetzt dazu.
Hier der Hunde-Therapie-Bericht: »Als erstes lassen die Schmerzen nach, dann klingt die Entzündung ab und die Schwellung geht zurück. Dann beginnen sich Knorpel und Gelenk selbst zu regenerieren. Nach einer Ruhephase von ein paar Tagen können sich die Tiere langsam wieder normal bewegen.« Für die Heilung entnehmen die Wissenschaftler den Tieren eigene adulte (also erwachsene) Stammzellen, nicht etwa die umstrittenen embryonalen! Und dies auch nicht aus dem Knochenmark, was ja meist eine schmerzhafte Prozedur ist. Die Stammzellen werden, das ist neu, aus dem Fettgewebe entnommen; dort sind sie auch 1000 mal häufiger als im Rückenmark.
Jeder Tierarzt kann das jetzt machen. Es genügt eine örtlich Narkose, und die Zellen müssen auch nicht mehr in ein Speziallabor, um sie aktivieren zu lassen. So eine Prozedur dauert etwa zwei Stunden. Ein »Medivet's Adipose Stem Cell Procedure kit« kostet für Hunde und Katzen 3900 Hongkong-Dollar (ca. 400 Euro) und für Pferde und andere größere Tiere 6300 Hongkong-Dollar (HKD). Wenn ein Tierarzt nur fünf Therapien pro Woche macht und 50 000 HKD in die Ausrüsung investiert, kann das leicht zusätzliche 2 000 000 HKD Einnahmen pro Jahr bringen. Da hüpft das Hongkonger Herz!
Ich erinnere mich sofort an Wilhelm Buschs erschröckliche Geschichte »Die Strafe der Faulheit«. Sie handelt von Schnick, dem fetten Mops, der von Hundefängern gefangen wird:
Gern lief er fort,
der arme Schnick,
Doch ist er viel
zu dumm und dick.
»Den schlacht' ich!«
spricht der böse Mann,
»Weil er so fett und
gar nichts kann.«
Und am Ende der Moritat:
Hier steht der
ausgestopfte Schnick.
Wer dick und faul,
hat selten Glück.
Stimmt nun nicht mehr! Dicke haben neue innere Werte. In China wäre Schnick ein Festessen, doch bei uns in Hongkong, wo die tierliebenden Briten das Essen von Hunden untersagten, können Schnicks »Polster« wertvollste Stammzellen liefern! Lob der Faulheit ...
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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