Lernen aus Auschwitz

Alfred Grosser über den 9. November und Israelkritik

Der 1925 in Frankfurt am Main geborene Alfred Grosser floh 1933 mit seiner Familie jüdischer Herkunft vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, Familienmitglieder wurden später in Auschwitz ermordet. Nach 1945 wurde Grosser Vordenker und wortmächtiger Begleiter der deutsch-französischen Freundschaft. Er wirkt heute in Paris als Politologe und Publizist. Zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht sprach er am 9. November in der Frankfurter Paulskirche. Der Auftritt des israelkritischen Redners wurde im Vorfeld von Vertretern des Zentralrats der Juden heftig kritisiert. Mit Alfred Grosser sprach Martin Lejeune.

ND: Rafael Seligmann, Sohn deutscher Juden, der heute in Tel Aviv als Publizist arbeitet, hat Sie gestern in einem Rundfunkinterview kritisiert. Er warf ihnen vor, dass alles seine Zeit habe, auch eine Kritik an Israel, aber dass man nicht gerade an einem 9. November, einem Tag, der den Opfern der Reichspogromnacht gedenkt, Israel kritisieren dürfe. Das sei unpassend und pietätlos.
Grosser: Herr Seligmann war leider am Dienstag bei der Gedenkfeier in Frankfurt am Main nicht dabei und hat demnach auch nicht sehen können, wie ich Herrn Dieter Graumann, dem Vizepräsidenten und designierten Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, in der Paulskirche die Hand gegeben habe. Ach, viele dachten vorher, es könnte einen Aufruhr geben wegen meiner Rede, doch es ist nichts passiert. Denn ich hielt einer sehr passende und anstandsvolle Rede, die dem traurigen Anlass durchaus gerecht wurde. Ich habe Ex-Bundespräsident Horst Köhler zitiert, der vor der Knesset in Israel gesagt hat, eine Lehre aus dem Nationalsozialismus sei, dass man sich immer und überall für Freiheit, Menschenrechte und Gerechtigkeit einsetzen müsse. Und in diesem Sinne verlange ich, und sagte dies auch in meiner Rede, dass dies auch im Umgang mit den Palästinensern gelten muss.

Warum endet dieser Text denn jetzt schon? Mittendrin? Ich möchte den Artikel gerne weiterlesen!

Um den ganzen Artikel zu lesen, benötigen Sie ein entsprechendes Abo. Wenn Sie schon eins haben, loggen Sie sich einfach ein. Wenn nicht, probieren Sie doch mal unser Digital-Mini-Abo: