Von Folke Havekost, Hamburg
19.11.2010

Aus drei mach eins

Ärger um Hamburgs Behindertenwerkstätten

Hamburgs fusionierte Behindertenwerkstätten stehen vor einem Wandel. Kritiker befürchten, dass sich die Arbeitsbedingungen mit der Fusion zur Elbe-Werkstätten GmbH verschlechtern. Im Herbst wurden die drei bestehenden Einrichtungen Elbe-Werkstätten, Hamburger Werkstätten und Winterhuder Werkstätten zusammengeschlossen.

Die drei Standorte mit insgesamt etwa 2800 Beschäftigten arbeiteten bislang weitgehend mit eigenem Profil, was nun als Negativaspekt in den Fokus gerückt ist. Das sei »aus heutiger Sicht nicht nur schade, sondern falsch«, sagt Geschäftsführer Detlef Scheele. Der ehemalige Redenschreiber des Hamburger Ex-Bürgermeisters Ortwin Runde (SPD) strebt nach einer Standardisierung. »Unter wirtschaftlichen Aspekten« sollte die Arbeit in den Werkstätten »in einer gewissen Weise vereinheitlicht« werden, sagte Scheele, der die Geschäftsleitung im September übernahm.

Bei den Betroffenen läuten die Alarmglocken. Damit würden »Arbeitsbereiche für die Menschen mit Behinderung geschlossen und das Angebot an interessanten Arbeitsplätzen reduziert«, wandte sich ein anonymer Kritiker in einem Schreiben gegen die Vereinheitlichungspläne, die eine »Sparpolitik auf Kosten der Menschen mit Behinderung« darstellten. Seit Jahren leiden die Einrichtungen unter sinkender öffentlicher Förderung. Bei den meisten Beschäftigten herrscht derzeit eine abwartende Haltung vor. Am Dienstag wurde eine Tarifkommission gebildet, die nun einen »Zukunftssicherungstarifvertrag« aushandeln soll. Scheele beteuert, »das oberste Ziel« sei, dass »Leistungen für Menschen mit Behinderungen nicht eingeschränkt« würden. Allerdings werde man »schauen müssen, ob es Dinge gibt, die nicht mehr notwendig sind, die doppelt gemacht werden oder die kostengünstiger erbracht werden können«, kündigte er in der werkstatteigenen Zeitschrift »Schwindelfrei« an.

Ver.di begleite den Umstrukturierungsprozess »mit den entsprechenden Maßnahmen, um ihn auf gute Wege zu bringen«, erklärte Pressesprecherin Sabine Bauer. Noch sei keine konkrete Verschlechterung der Situation für die Behinderten erkennbar, dies gelte es aber »kritisch zu beobachten«.

Außer in den eigenen Werkstätten mit Tischlereien und anderen Handwerksbetrieben sind die Beschäftigen in Außenarbeitsgruppen tätig, etwa zur Pflege der Außenanlagen am Museum der Arbeit. Daneben gibt es etwa 100 Einzelarbeitsplätze, die als »externe Berufsbildung« der Integration in einen Arbeitsmarkt außerhalb der Werkstätten dienen soll. Dieser Aspekt soll nun intensiviert werden, auch um den Eigenanteil der GmbH an ihrer Finanzierung zu steigern.

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