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Wo geht die morgendliche Reise hin? Telekombeschäftigte protestieren in Kassel. dpa/Uwe Zucchi
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Auslöser der Protestwelle ist nach ver.di-Angaben die Absicht der Konzernspitze, in den Bereichen Geschäftskundenservice, Vertrieb und IT bis 2012 die meisten der gegenwärtig 209 Standorte zu schließen. Zwar könnten die nach Gewerkschaftsangaben rund 6400 Betroffenen laut Telekom an neuen Standorten weiter arbeiten. Sehr viele müssten jedoch den Wohnort wechseln oder stundenlange tägliche Anfahrtswege in Kauf nehmen, prophezeien die Gewerkschafter.
»Offensichtlich rechnen die Verantwortlichen damit, dass nicht alle einen Standortwechsel mitmachen können. Wenn nicht, ist das eben deren Schuld oder persönliches Schicksal«, bringt es eine Resolution betroffener Wiesbadener ver.di-Mitglieder zum Ausdruck. Von »Personalabbau durch die Hintertür« sprach bei einer Kundgebung in Aachen ver.di-Sekretär Martin Hanz. »Heute wir – morgen ihr«, lautete die Aufschrift auf einem Schild bei einer Demo im sächsischen Zwickau, auf der sich sich Telekombeschäftigte aus anderen Konzernbereichen solidarisierten. »Aus den Leitlinien der Telekom werden Leidlinien«, sagte ver.di-Mann Kurt Hau in Saarbrücken. Die Telekom müsse das Standortkonzept zurückziehen und den Dialog wieder aufnehmen, forderte in Gießen ver.di-Sekretär Thomas Müller.
Die Gewerkschafter mahnen, dass sich »kurzfristiges Kostendenken« negativ auf Kundenkontakte und -nähe und Sachverstand vor Ort sowie IT-Qualität und -Sicherheit auswirken werde und in die »betriebswirtschaftliche Sackgasse« führe. Mit dem absehbaren Ausscheiden erleide das Unternehmen massive »Know-how-Verluste«. Doch damit stoßen sie beim Telekomvorstand auf taube Ohren. Offenbar sollen die Ausscheidenden durch billigere und gefügige Arbeitskräfte ersetzt werden, um die Renditen zu erhöhen.
Vielfach zeigten sich derzeit auch Kommunalpolitiker unterschiedlicher Parteien publikumswirksam solidarisch mit den Gewerkschaftern und empören sich über die Telekompläne. Wenn indes Sozialdemokraten wie der Trierer Landtagsabgeordnete Alfons Maximini den »Kahlschlag« anprangern und fordern, dass sich Betriebsräte, Gewerkschaften und Manager »an einen Tisch setzen«, blenden sie die Verantwortung der eigenen Partei für die Misere aus. Schließlich wären in den 90er Jahren die Privatisierung der Bundespost, die Ausgliederung der Telekommunikationssparte und der Börsengang der neu gebildeten Deutschen Telekom AG ohne aktives Zutun der SPD nicht möglich gewesen. Einer, der 1994 in der Bundestagsfraktion die umstrittene Entscheidung pro Postprivatisierung maßgeblich durchdrückte, sitzt heute im Aufsichtsrat der Telekom: Hans-Martin Bury, von 1999 bis 2005 Staatsminister unter Kanzler Schröder und bis zum Ausbruch der Finanzkrise Vorstand der Pleitebank Lehman Brothers in Frankfurt am Main. Zweites SPD-Mitglied auf der Seite der Anteilseigner im Aufsichtsrat ist Jörg Asmussen, der als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium den Regierungswechsel 2009 überlebt hat und auch von CDU-Minister Schäuble geschätzt wird.
Würden sich die Sozialdemokraten Bury und Asmussen im Telekom-Aufsichtsrat auf die Seite der Arbeitnehmervertreter schlagen, dann hätten sie eine Mehrheit, um die widersinnigen Umstrukturierungspläne von Konzernchef René Obermann zu stoppen. Doch wo kein Wille ist und niemand Druck aufbaut, da ist auch kein Weg.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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