Karlheinz Kasper 20.11.2010 / Essay

Ein Geistesriese

Vor hundert Jahren starb Lew Nikolajewitsch Tolstoi

Lew Nikolajewitsch Tolstoi auf dem Balkon seines Hauses in Jasnaja Poljana.

Tolstoi starb am Morgen des 20. November 1910.* Nur von seinem Arzt begleitet, hatte er zehn Tage vorher um fünf Uhr früh Jasnaja Poljana heimlich verlassen, um dem Zerwürfnis mit seiner Frau und der eigenen inneren Unruhe zu entfliehen. In dem Brief, den er Sofja Andrejewna hinterließ, bezeichnete er seine Lage im Haus als unerträglich. Er könne nicht länger im Luxus verweilen und werde aus dem weltlichen Leben fortgehen. Ein klares Ziel hatte Tolstoi nicht. Er setzte sich in den Zug, suchte das Kloster Optina Pustyn und seine Schwester Maria im Frauenkloster Schamardino auf. Eine Lungenentzündung zwang ihn, die Weiterfahrt auf der kleinen Bahnstation Astapowo zu unterbrechen. Dort versammelten sich Tolstois Kinder, seine Frau, Freunde, Ärzte, Journalisten und Fotografen. In Windeseile erfuhr die Welt von der Flucht des Schriftstellers und von seinem Tod. Die Beerdigung in Jasnaja Poljana, an der Menschen aus allen sozialen Schichten teilnahmen, fand unter Polizeiaufsicht statt. Das Grab Tolstois, den Gorki später »gottähnlich« nennen würde, blieb ohne Kreuz.

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