30.11.2010

Wikileaks kündigt weiteren Coup an

Washington (dpa/AFP/ND) - Die Internetplattform Wikileaks kündigt nach den spektakulären Enthüllungen aus US-Botschaften den nächsten Coup an: Ziel sei Anfang kommenden Jahres eine amerikanische Großbank, sagte Wikileaks-Gründer Julian Assange in einem Interview des US-Magazins »Forbes«. Die Dokumente enthüllten »ungeheuerliche Übertretungen« und »unethische Praktiken«.

Durch die Offenlegung des Materials eröffneten sich »wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten«, sagte der Wikileaks-Gründer in dem Interview, das am Montag (Ortszeit) online veröffentlicht wurde. »Man kann es das Ökosystem der Korruption nennen.« Die Folge der Veröffentlichung dürften »vermutlich Untersuchungen und Reformen sein«. »Es geht um zehntausende oder hunderttausende Dokumente, je nach Definition.« Es handle sich dabei um ein »Megaleak«.

Zuletzt hatte Wikileaks die ersten von mehr als 250 000 vertraulichen Dokumenten aus US-Botschaften veröffentlicht - und damit die Regierung von Präsident Barack Obama in Bedrängnis gebracht. Angela Merkel etwa wird als »Teflon"-Kanzlerin dargestellt, der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi als »eitel und unfähig" bezeichnet und der afghanische Präsident Hamid Karsai als »schwache Persönlichkeit", die von »Paranoia" getrieben sei.

Karsai ließ 150 Straftäter ohne Prozess frei

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat laut Wikileaks die Freilassung zahlreicher gefährlicher Krimineller und Drogenhändler angeordnet. Die Straftäter seien von den internationalen Truppen in Afghanistan festgenommen und von Karsai ohne Prozess wieder freigelassen worden, hieß es in den am Dienstag von der Enthüllungsplattform veröffentlichten Dokumenten. Wie aus einer vom August 2009 stammenden Depesche hervorgeht, sollen in den vergangenen drei Jahren 150 der 629 von der Militärallianz an die afghanische Regierung übergebenen Straftäter ohne ein Verfahren freigekommen sein. Darüber hinaus wird Karsai vorgeworfen, im April 2009 fünf Polizisten begnadigt zu haben, die mit 124 Kilogramm Heroin in ihrem Dienstwagen gefasst und zu Gefängnisstrafen von 16 bis 18 Jahren verurteilt worden waren. In einem weiteren Fall soll er in einem Fall eingegriffen haben, in dem der Sohn eines reichen Geschäftsmannes und Unterstützers des Präsidenten mit Drogen gehandelt haben soll. Karsai ordnete eine zweite Untersuchung an, die ergab, dass der Sohn Opfer eines Komplotts geworden sei.

Weitere Informationen zum Thema in der Tagesausgabe vom 01.12.2010.

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