Marcelina Bautista Bautista war selbst Hausangestellte, bevor sie begann, sich gegen die Ausbeutung von Dienstmädchen, Kindermädchen und Putzhilfen zu engagieren. Verborgen hinter den Mauern von Privathäusern ereignet sich oft großes Leid – teilweise sogar sklavenähnliche Verhältnisse. Vierzehn Stunden Arbeit, nahezu kein Lohn und schlechte Behandlung sind keine Seltenheit in einer Branche, die wenig kontrolliert wird, weil sie wenig zu kontrollieren ist.
Marcelina Bautista Bautista wird am morgigen Donnerstag der Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung verliehen. Sie habe ihre Laufbahn dem Kampf gegen ungerechte Arbeitsbedingungen gewidmet, heißt es in der Begründung. Bautista ist Generalsekretärin der Konföderation der Hausangestellten in Lateinamerika und der Karibik sowie Direktorin eines Beratungszentrums für Hausangestellte in Mexiko. Bildung und Aufklärung sieht sie als Schlüssel: Erst wenn sich die Hausarbeiterinnen ihrer Situation und ihrer Rechte bewusst würden, könnten sie sich gegen die Verhältnisse wehren.
Während es in Lateinamerika für reichere Familien zum guten Ton gehört, ein Hausmädchen zu haben, ist es in Deutschland weit weniger verbreitet. Zehn bis 15 Hausangestellte berät der Verein »Ban-Ying« jährlich, der sich vor allem um die Belange asiatischer Frauen kümmert. Fast immer sind es Angestellte in Diplomatenfamilien. Dort seien besonders extreme Fälle zu finden, weil Diplomaten aufgrund ihrer Immunität jeglicher Verfolgung enthoben sind, berichtet Nivedita Prasad. Ihr Verein hat überlegt, wie er sich gezielt an die Betroffenen richten kann, »die in der Regel kaum aus dem Haus gehen dürften«. Im Sommer hat er eine ungewöhnliche Kampagne gestartet: Verpackte Seifenstücke wurden in Berliner Diplomatenvierteln auf Spielplätzen, in Läden oder auf der Straße verteilt. Der Clou: Auf der Innenseite der Verpackung fanden sich in acht Sprachen Telefonnummern von Beratungs- und Hilfsorganisationen. Zusätzlich fuhren Motorroller mit großen Werbeplakaten durch die Gegend. Auch diese als Werbung getarnten Plakate sollten Hausarbeiterinnen in Ausbeutungssituationen ermuntern, sich bei Ban-Ying zu melden. Das hat zwar nicht funktioniert, gesteht Prasad. Es habe keine Anrufe gegeben, die direkt auf diese Aktion zurückgingen. Aber dafür habe die Aktion dem Thema eine große mediale Aufmerksamkeit beschert.
Für Heike Rabe vom Projekt »Zwangsarbeit-heute« des Instituts für Menschenrechte ist vor allem die konkrete Unterstützung für Opfer von Menschenhandel, die sich in Arbeitsverhältnissen befinden, bitter nötig. Daher hat sie einen Rechtshilfe-Fonds ins Leben gerufen, der die Frauen bei der Durchsetzung von Lohnforderungen und Schadensersatzklagen unterstützt. 200 000 Euro stünden dafür zur Verfügung. Das Problem sei, dass die Betroffenen meist abgeschoben werden, wenn der Strafprozess vorbei ist. Eine Schadensersatzklage sei dann meist nicht mehr möglich. Darum müssten dringend die Aufenthaltsmöglichkeiten erweitert werden, so Rabe. Außerdem will sie Richter für das Thema sensibilisieren. Obwohl es beispielsweise in Berlin zwischen 2006 und 2009 98 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der Arbeitsausbeutung gab, konnte nur ein einziger Strafbefehl erwirkt werden.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Sind Frauen die besseren Politiker?
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