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Ein Blick auf www.berlitz.de – hinter der Fassade brodelt es. ND-Screenshot: Wolfgang Frotscher
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Gegen die Pläne des Managements machen jetzt Gewerkschaftsmitglieder und Betriebsräte mobil, gehen mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit und werben um Solidarität. Letzte Woche demonstrierten Berlitz-Beschäftigte vor den Hauptbahnhöfen in Frankfurt am Main und Wiesbaden gegen die drohenden Kündigungen. »Heute Berlitz, morgen arbeitslos«, hatte sich eine Sprachlehrerin auf ein Pappschild geschrieben. »Vom Mercedes der Sprachbildung zum Schlecker der Weiterbildung«, lautete eine andere Aufschrift in Anspielung an die als erfolgreich geltende »Berlitz-Methode« zur Erlernung von Fremdsprachen. Die Betroffenen vermuten, dass mit den Maßnahmen vor allem die Rendite des japanischen Großkonzerns gesichert werden soll, dem Berlitz mittlerweile gehört.
Wie kaum eine andere private Bildungseinrichtung ist der deutsche Ableger der 1878 gegründeten und weltweit operierenden Sprachschule Berlitz eine gewerkschaftliche Bastion. Hier hat die Bildungsgewerkschaft GEW vor gut 20 Jahren ein vergleichsweise ehrgeiziges und vorbildliches Tarifvertragswerk mit Bestimmungen etwa über Einkommen, Lohnzuschläge und die Wiederbesetzung frei werdender Stellen bis hin zur Tarifrente durchgesetzt. Diese Errungenschaften sind bedroht. Gewerkschafter argwöhnen, dass die Geschäftsleitung vor allem fest angestellte Lehrkräfte durch billigere und flexible Honorarkräfte ersetzen will. »Keine Einigung in Sicht«, kommentierte ein Insider den Sachstand nach der Verhandlungsrunde am Mittwoch. Nach wie vor bestehe das Berlitz-Management auf eine Senkung der Stundensätze und besonderen Zuschläge für nicht-standardisierten Unterricht und einschneidende Änderungen am Manteltarifvertrag. Nur bei derartigen Lohnopfern sei die Chefetage bereit, die Zahl der angedachten Kündigungen von 70 auf 25 zu reduzieren, beklagen Gewerkschafter. »Wir sind für den Arbeitskampf gerüstet«, heißt es in der Frankfurter GEW-Zentrale.
Otto Jäckel, Wiesbadener Rechtsanwalt und Betriebsrats-Berater, spricht von einen drohenden »Kahlschlag« und »Generalangriff« gegen die Betriebsräte und die GEW, denn ohne Angestellte werde es keine Betriebsräte mehr geben. Werde der Unterricht nur noch von freien Mitarbeitern bewältigt, dann schwinde auch die Basis für die Gewerkschaftsarbeit. Berlitz sei die tarifvertragliche Regelung, wonach frei werdende Stellen angestellter Lehrkräfte wieder mit angestellten Lehrkräften zu besetzen sind, ein Dorn im Auge. Deshalb habe das Management der GEW den Verzicht auf die Entlassungspläne angeboten, falls die Gewerkschaft ihrerseits auf dieses Wiederbesetzungsgebot im Manteltarifvertrag verzichte. Offenbar schwebe der Konzernleitung vor, dass »künftig ganze Berlitz Center nur noch mit freien Mitarbeiter- und Lehrkräften besetzt werden«. Wie damit die Kontinuität und Qualität des Unterrichts erhalten werden könne, bleibe ein Rätsel. Viele Lehrkräfte bemängelten, dass sie sich bei der Herstellung von Unterrichtsmaterial alleine gelassen fühlten, weil das offizielle Berlitz-Material nicht ausreiche, sagte Jäckel.
Laut Personalleiter Mattias Schwarz führt der Bildungsanbieter momentan Tarifverhandlungen mit der GEW mit dem Ziel, das Unternehmen für die nächsten Jahre in seinen Strukturen zukunftsfähig zu machen. Das Ziel der Verhandlungen bestehe darin, die Anzahl an zu kündigenden Lehrkräften soweit wie möglich zu minimieren. Berlitz habe bereits ein Angebot unterbreitet, auf dessen Basis sich die Kündigungen auf maximal bundesweit 25 reduzieren würden, 5 davon an Standorten in Hessen. Kündigungen würden sich dann vornehmlich in Geschäftsfeldern ergeben, die momentan rückläufig oder defizitär seien. So sind Schwarz zufolge beispielsweise momentan an einigen Standorten die Aufträge durch die öffentliche Hand extrem zurückgegangen. Auch in einigen Sprachsegmenten sei die Nachfrage an einigen Standorten eingebrochen. Der Umsatz von Berlitz war bereits 2009 rückläufig. Für 2010 geht Schwarz davon aus, dass es einen weiteren Rückgang von mehr als 10 Prozent geben wird. Dadurch erscheint für 2010 auf GmbH-Ebene ein Verlust unausweichlich.
Berlitz beschäftigt in Deutschland rund 640 Mitarbeiter an 65 Standorten. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft von Benesse, einem international tätigen Weiterbildungsanbieter. Die Geschäftsleitung ist laut Schwarz selbstverständlich weiter zu Verhandlungen in Bezug auf den Manteltarifvertrag als auch in Bezug auf einen Sozialplan bereit. Diese Informationen liegen der GEW nach Angaben von Berlitz bereits seit langem vor.“
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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