»Totengräberin des Glaubens«

Gerd Lüdemann über falsche Kirchendogmen und echte Jesusworte

Gerd Lüdemann (geboren 1946) ist Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Göttingen. Mitte der 90er Jahre erregte er mit seiner demonstrativen Zurückweisung des Dogmas von der leiblichen Auferstehung Jesu die Aufmerksamkeit der Medienöffentlichkeit und den Unmut der Kirchenfunktionäre. 1998 erschien sein Buch »Der große Betrug – Und was Jesus wirklich sagte und tat«. Der daraufhin von der evangelischen Kirche geforderten Entlassung aus dem Staatsdienst bzw. Entfernung von der Fakultät kam die Universität zwar nicht nach, entzog ihm aber die Prüfungsberechtigung und strich Fördermittel. Dagegen ging Lüdemann bis vor das Bundesverfassungsgericht, das 2008 seine Beschwerde zurückwies. Der Neutestamentler, der auch mehrere Jahre in den USA lehrte, gilt als international renommierter Forscher zur frühen Geschichte des Christentums. Sein jüngstes Buch »Die gröbste Fälschung des Neuen Testaments – Der zweite Thessalonicherbrief« erschien im September dieses Jahres. Mit dem Theologen sprach Ingolf Bossenz.

ND: Herr Professor Lüdemann, seit Mitte der 90er Jahre gelten Sie als veritabler Ketzer. Sie haben in Ihren Büchern die Auferstehung Jesu als »Humbug« und »frommen Wunsch« bezeichnet. Am Heiligen Abend feiern Millionen Menschen die Geburt Jesu. Ebenfalls ein zweifelhaftes Ereignis?
Prof. Lüdemann: Freunde haben mir zwar gesagt, jetzt wirst du auch bald erklären, dass Jesus nie gelebt habe. Aber an seiner historischen Existenz halte ich fest. Wobei es heute weitgehend Konsens ist, dass das Datum des Weihnachtsfestes aus anderen Religionen übernommen wurde und die Weihnachtsgeschichte des Lukas eine fromme Legende ist, die so gut wie nichts mit den tatsächlichen historischen, zeitlichen und lokalen Umständen von Jesu Geburt gemein hat.

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