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30.12.2010

Und jährlich grüßt der Butler

»Dinner for one« begeistert jedes Jahr Silvester Millionen Zuschauer

Von Patrick T. Neumann, dpa

»Dinner for one« ist Kult. In Deutschland, der Schweiz und Österreich gehört der Sketch zum Jahresabschluss. Dabei geht es in dem britischen Klassiker gar nicht um Silvester, sondern schlicht um einen Geburtstag.

Jedes Jahr das Gleiche – trotzdem immer wieder schön: »Dinner for one«, der 18-Minuten-Sketch der britischen Komiker Freddie Frinton und May Warden (Foto: dpa) begeistert seit fast 40 Jahren Silvester Millionen Zuschauer. Dabei hat er mit Silvester genauso viel zu tun wie Brot mit Böllern.

Es geht um den 90. Geburtstag der etwas altersverwirrten Miss Sophie. Da alle Freunde der alten Dame gestorben sind, sitzt sie allein an der Tafel, Butler James bedient nicht nur, sondern mimt auch die vier geladenen Gäste – inklusive des Genusses von reichlich Alkohol ...

Warum ist »Dinner for one oder Der 90. Geburtstag« – so der Langtitel – Silvester-Kult? Erklären kann das auch der verantwortliche NDR nicht. Das Komikerpaar Frinton und Warden tourte seit 1948 mit dem Sketch durch Großbritannien, im deutschen Fernsehen traten sie erstmals 1961 auf – in der Sendung »Lassen Sie sich unterhalten« mit Evelyn Künneke. Da es keine Aufzeichnung gibt, wurde der Auftritt schnell vergessen.

So gilt Peter Frankenfeld als deutscher Entdecker von »Dinner for one«: 1962 hatte er zusammen mit Regisseur Heinz Dunkhase den Sketch in Blackpool gesehen und für seine Sendung »Guten Abend, Peter Frankenfeld« verpflichtet. Dort lief der Sketch am 8. März 1963, was als Geburtsstunde des »Dinner for one« im deutschen Fernsehen gilt.

Der Erfolg beim Publikum war überwältigend. Also produzierte der NDR kurze Zeit später eine Fernsehfassung des Sketches – die heutige Version. Sie wurde hin und wieder als Pausenfüller im ARD- und NDR-Programm gezeigt. Der damalige NDR-Unterhaltungschef Henri Regnier soll dann 1972 auf die Idee gekommen sein, den Sketch zu Silvester zu senden. Die höchste Zuschauerzahl gab es 2003 mit 13 Millionen Menschen.

Mittlerweile lief der Sketch über 240 Mal im deutschen Fernsehen, keine andere Sendung kommt auf so viele Wiederholungen – allein am Freitag gibt es zehn Ausstrahlungen in Dritten Programmen der ARD. Außerdem haben etliche Sender regionale Fassungen nachgedreht: Es gibt u. a. eine Schweizer Version (beim WDR), einen plattdeutschen Sketch (NDR), eine hessische und in diesem Jahr erstmals eine nordhessische Dialektversion. 2011 kommt der Sketch auch als Kammeroper auf die Bühne: Die Sächsische Staatsoper will das Stück am 5. März uraufführen.

Die Hauptfiguren haben von all dem nichts mehr mitbekommen: Freddie Frinton, der nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs selbst nicht viel von den Deutschen hielt, starb 1968, seine Sketchpartnerin zehn Jahre später. In Großbritannien ist der legendäre Satz des Butlers James »The same procedure as last year, Miss Sophie?« (Dieselbe Prozedur wie letztes Jahr, Miss Sophie?), ohnehin weitgehend unbekannt.

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