Die Nominierung des Spitzenkandidaten durch das Präsidium der Berliner CDU stand für den Montag Vormittag noch an, da hatte Frank Henkel schon vor seinen Wahlplakaten posiert: »Frank Henkel. Gerade. Richtig«. Geboten wurde mit ihm auch »Hauptsache Berlin«. Weil das Parteilogo in der Reihe bleibt, lässt sich das quasi wahlweise als »Hauptsache CDU« lesen. Und sicher ist es genau so gemeint. Der 47-jährige Absolvent der Fachhochschule für Wirtschaft nennt das »Rennen völlig offen«.
Denn die Berliner CDU hofft wenn schon nicht auf Sieg, wenigstens auf Platz und allemal eine Rückkehr aus der Bedeutungslosigkeit. Seit dem Bankenskandal und dem Ende der Großen Koalition sind die Christdemokraten schon ein Jahrzehnt Opposition. Derzeit dümpeln sie zwischen 19 und 24 Prozent. Unter Henkels eher sanftem Vorgänger Friedbert Pflüger hatte ihnen im Parlament die FDP des aggressiven Fraktionschefs Martin Lindner sogar die Oppositionsführung mit starken Worten abgeschwatzt. Pflüger ist aber längst privat und Lindner im Bundestag ruhig geworden.
Seit 2008 ist nun Frank Henkel unumstritten am Ruder. Er hat den Landes- und den Fraktionsvorsitz in seinen Händen. Seither meidet er die stärkeren Töne, die ihm besonders als Innenpolitiker ein schärferes Profil gaben. Der Berliner aus dem Osten, der 1980 mit seiner Familie in den Westen ging, präsentiert sich als bodenständig und realistisch. Sorgen muss ihm ein relativ geringer Bekanntheitsgrad machen.
Seinem Selbstwertgefühl tut das keinen Abbruch. Henkel will sich einfach im Wahlkampf bekannter machen, denn dazu sei dieser ja da. An seinem Willen, Klaus Wowereit (SPD) als Regierenden Bürgermeister loszuwerden, lässt er keinen Zweifel. Stärkste Partei soll die CDU werden, sie sei schließlich die »einzige bürgerliche Alternative zu drei linken Parteien in der Stadt«. Wer eine Ablösung von Rot-Rot wolle, müsse einfach CDU wählen, vertraute er einem Springerblatt an. Dass er für diesen Sieg zu recht vielem bereit sei, sorgte bereits für Schlagzeilen. Denn Henkel schloss ausdrücklich nicht aus, dass es mit ihm auch eine schwarz-grüne Koalition unter einer Regierenden Bürgermeisterin Renate Künast (Grüne) geben könne. Klaus Joachim Herrmann
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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